User Generated Media – Eine Roadshow

Posted: März 22nd, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Trends und Konzepte | 1 Comment »

User-Generated-Content-Konzepte, also vom Nutzer generierte Inhalte, erregen heute kein großes Aufsehen mehr: Foren, Blogs, Bewertungsportale oder Videoplattformen – das alles sind Kernbestandteile des Web2.0. Doch nur in den seltensten Fällen entstehen aus den Beiträgen der Nutzer auch verkäufliche Produkte und Medien. Zu groß sind die technischen und konzeptionellen Hürden und zu sehr verlassen sich die Menschen noch auf etablierte Marken, traditionelle Herstellungsprozesse und institutionalisierte Qualitätssiegel. Immerhin: Blooks sind in einigen regionen der Welt inzwischen ein verbreitetes Phänomen, und auch User-Magazine und Community-Comics finden immer mehr Anhänger. Zeit also für eine kleine Roadshow mit Blooks, Blogmags, Wikipedia-Books, Foto- und Reisemagazinen, Fanzines, Community-Cartoons und Regiomags…

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Blooks – Blogger machen Bücher

Das vielleicht etablierteste Phänomen des User-Generated-Contents sind sogenannte Blooks – klassische Bücher, die auf Blogs basieren. Das bekannteste (angebliche) Blook ist (mal wieder) der japanische Anime Train Man, der allerdings nicht auf einem Blog, sondern auf einem Foren-Thread beruht. Die Geschichte wurde später in diversen Medien veröffentlicht, als Buch herausgegeben (in Deutschland von Carlsen) und schließlich verfilmt. Das Phänomen der web-basierten Bücher ist jedoch nicht nur in Japan verbreitet, sondern auch in China und den USA, wo der Print-on-Demand-Anbieter Lulu.com in den Jahren 2006 und 2007 einen eigenen Blooker-Prize verliehen hat. Ein Blook jüngeren Datums ist der Roman “Stadt, Land – Schluss” von Judith O’Reilly, der im vergangenen Jahr bei Fischer auch auf Deutsch erschienen ist.

Blooks
Das bekannteste deutschsprachige Blook (wenn man es denn so nennen darf) dürfte wohl Reinhald Götz Buch “Abfall für alle” sein, das vor über 10 Jahren (1999) als Internet-Tagebuch entstanden ist. Als weiteres Beispiele sei das (inzwischen eingestellte) Webprojekt “Mindestenshaltbar” von dem österreichische Blog-Anbieter Twoday genannt, zu dem auch ein Sammelband bei BoD erschienen ist.
Auch wenn im Vergleich zu Asien oder der USA die Blook-Landschaft hierzulande überschaubar bleibt, stößt man immer wieder auf spannende Projekte und Einzelinitiativen. So hat im vergangenen Jahr der Blogger Jerico ein tolles Blog2Mag-Projekt initiiert und dazu die besten Beiträge aus der deutschen Blogosphäre versammelt:


Das daraus entstandene Magazin “Ausdruck” wurde aus Kostengründen zunächst nur als PDF-Ausgabe verbreitet, später jedoch auch als limitierte Print-Ausgabe verkauft, die bald vergriffen war. Gerechnet hat sich der Aufwand vermutlich nicht, doch das Produkt kann sich auf jeden Fall sehen lassen.

Wikipedia – Community macht Lexika

Es hatte bereits einige Versuche von klassischen Verlagen gegeben, die Mutter aller User-Generated-Content-Projekte – Wikipedia – als Buch zu kommerzialisieren. Ende 2008 hat schließlich der Bertelsmann-Verlag seine Ankündigung wahr gemacht und ein Wiki-Lexikon als Print-Ausgabe veröffentlicht. Nur wenige Monate zuvor hatte Wikipedia ein eigenes – und konzeptionell interessanteres – Projekt gestartet: Mit Pediapress können seit Anfang 2008 alle Wiki-Inhalte individuell zusammengestellt und als Print-Buch erworben werden. Erfolgsmeldungen sucht man allerdings vergeblich, und auch die Click-Zahlen des Screencasts (ca. 3.000) und die Anzahl der öffentlichen Wiki-Bücher (knapp 100) schauen mager aus. Wikipedia lebt wohl zu sehr im Netz, als dass es sich erfolgreich auf die Printwelt übertragen ließe …

JPG – Community macht Fotomagazin

Ein ausgesprochen gelungenes Beispiel für User-Generated-Media ist das Foto-Magazin JPG. Bei JPG entstehen die Magazine über eine angeschlossene Autoren-Community. Jeder kann der Community beitreten und seine Arbeiten hochladen. Aus den vorgeschlagenen Arbeiten wählen die Redakteure des Verlags die Besten aus und veröffentlichen sie im Magazin.

JPG
Bis 2009 wurde das Magazin noch als Print-Version über den stationären Handel vertrieben und konnte auch in Deutschland gekauft werden. Zudem bekamen die Autoren immerhin 100,- Dollar für einen Beitrag. Im letzten Jahr gab es dann jedoch – nach diversen Expansionsankündigungen – einen großen Einschnitt bei dem Verlag 8020 Media: Fortan verzichtet man auf eine Standard-Print-Ausgabe und verbreitet die Magazine nur noch als Online-Ausgabe. Print-Ausgaben können noch separat über MacCloud erworben werden, ein Print-On-Demand-Dienstleister für Magazine, der von einem ehemaligen 8020-Media-Mitglied gegründet wurde. Von Expansionsplänen hört man inzwischen jedoch nichts mehr. Der Grund dafür dürfte wohl nicht nur in den hohen Druck- und Distributionskosten für die Print-Ausgaben liegen, sondern auch in dem recht hohen redaktionellen Aufwand, der im Verlag entsteht. Trotzdem des Einschnitts bleiben jedoch auch abspenstigen 8020-Media-Mitarbeiter dem User-Generated-Gedanken treu: So hat ein ehemaliger JPG-Macher vor kurzem Pictorymag gestartet, ein Online-Magazin für Fotostories …

Budgettravel und Everywhere – Community macht Reisemagazine

Ebenfalls aus dem Hause 8020 Media stammt das User-Generated-Reisemagazin “Everywhere“, das dem gleichen Prinzip wie JPG folgt und gleichfalls nur noch als Online-Ausgabe zu beziehen ist. Weiterhin auf Print setzt dagegen der englische Verlag Intellimedia mit seinem Magazin Budgettravel. Budgettravel wird allerdings nicht komplett von den Usern erstellt, sondern die Inhalte werden lediglich mit Leserbeiträgen wie Tipps etc. angereichert. Für seine Jubiläumsausgabe hat es sich Budgettravel allerdings nicht nehmen lassen, das Magazin komplett in die Hand seiner Usern zu legen. Trotzdem war die Erstellung der User-Generated-Ausgabe – wie die Macher in einem Folio-Interview berichteten – weder einfach, noch günstig…

Balkon & Garten – Community macht Gartenmagazin

Wenn man nicht so sehr auf die Auwände und Einnahmen schielen muss, können User-Magazine auch über einen langen Zeitraum gut bestehen. Das zeigt das Berliner Projekt “Balkon und Garten“, das sich selbst lieber als Fanzine beschreibt. Stolze 37 Ausgaben hat die Community inzwischen auf die Beine gestellt, und von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Überhaupt scheinen Fanzine, die eher aus Enthusiasmus denn aus Geschäftssinn entstehen, für den User-Medien-Ansatz den besseren Nährboden zu liefern.
BakonGarten
Einen schönen Beitrag zum Balkon-und-Garten-Projekt hat neulich das firstmedia-Blog veröffentlicht …

Eric the Circle – Community macht Comic

Und jetzt zu etwas völlig anderem: Dem Draw-it-Yourself-Cartoon. Mit dieser wunderschönen Idee ist vor einigen Wochen das Projekt ericthecircle an den Start gegangen. Mit einem kleinen Mal-Editor können User ihre eigenen Comic-Seiten zeichnen und anschließend publizieren. Der Cartoon-Beitrag wird anschließend von den Usern bewertet. Die besten Cartoon-Beiträge sollen später als Print-Comic veröffentlicht werden. Ob der DIYG-Beitrag dabei sein wird? Urteilt selbst…

ericthecircle

Ericthecircle hat alles, was ein Community-Projekt braucht: Eine kleine Story für den roten Faden, einfache Mitwirkungsmöglichkeiten, Bewertungsfunktionen, ein Ziel (Buch als Endprodukt), Einbindung in soziale Netzwerke wie Twitter, eine Facebook-App und nicht zuletzt viel Charme. Man darf gespannt sein, wie die Geschichte von Eric ausgehen wird …

Polyvore, Yalook & Co. – Community macht Fashion-Magazine

Auch Unternehmen haben natürlich längst den Wert von nutzergenerierten Inhalten entdeckt und binden die Inhalte mehr oder weniger erfolgreich ein. Skittles, eine amerikanische Kaugummi-Marke mit Kult-Charakter, lässt beispielsweise den kompletten Video-Content von Kunden per Youtube produzieren und gibt nur noch den konzeptionellen Rahmen vor. Textlastige Beispiele für weitergehende Konzepte sind Plattformen wie Polyvore, auf denen Kunden ihre eigenen Modemagazin-Beiträge erstellen können. Ein ähnliches Konzept verfolgt in Deutschland auch Yalook mit seinem User-Generated-Mode-Magazin Yamag. Natürlich zielen solche Konzepte nicht auf die Erstellung eines klassischen Magazins, sondern auf die Einbindung der Kunden ab. Und zumindest bei Polyvore gab es zuletzt einigen Druck, das Konzept zu korrigieren. Trotzdem bleibt es spannend, wie die Unternehmen über nutzergenerierte Inhalte die Kommunikation zum Kunden ändern und den Kunden zum Medienproduzenten machen …

MyHeimat – Community macht Lokalzeitung

MyHeimat ist der Klassiker der deutschsprachigen User-Generated-Content-Konzepten: MyHeimat ist ein Portal für lokalen Bürgerjournalismus, an dem sich jeder beteiligen kann: Einfach anmelden, Vorschläge machen, Beiträge schreiben und auf eine Veröffentlichung hoffen. Veröffentlicht werden die Beiträge wahlweise im Internet, in eigenen MyHeimat-Printmagazinen oder als Zweitverwertung in regionalen Tageszeigungen und -Magazinen.


Die Kooperation mit klassischen Verlagen dürfte wohl die Haupteinnahmequelle für MyHeimat sein. Natürlich kann man die Frage stellen, ob die (unentgeltlichen?) Bürgerbeiträge die Lokaljournalisten weiter unter Druck setzen. Auf der anderen Seite ist das Konzept jedoch ausgesprochen kreativ und kann die klassischen Medien um eine neue Perspektive bereichern, die Lokaljournalisten in dieser Vielfalt ohnehin nicht leisten könnten.
Nicht zuletzt ist auch die technische Basis des Projekts interessant: MyHeimat wird von Gogol-Medien betrieben, die sich auf ein rein browserbasiertes Satzsystem spezialisiert haben. Anders als bei (allerdings auch sehr hochwertigen) Magazinen wie bei JPG läuft der Herstellungsprozess also nicht über InDesign, sondern automatisiert über den Browser direkt in das Endprodukt. Ein erster Schritt zu einem komplett online-basierten Herstellungsprozess, der viele neue spannende Konzepte im User-Generated-Media Bereich ermöglicht …


DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 22.März 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

Buchpreise – Teuer, günstig oder kostenfrei?

Posted: März 15th, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Printing & Selling | 1 Comment »

Noch vor wenigen Jahren war die Frage der Preisbildung und Verkaufsstrategie bei Büchern schnell geklärt: Fachbücher werden teuer verkauft und am besten direkt vertrieben, Belletristik wird günstig und in möglichst großer Stückzahl über den Buchhandel abgesetzt. Und umsonst – klar – gibt es natürlich überhaupt nichts. Mit der Digitalisierung änderten sich die Verhältnisse jedoch: Den Anfang machte die Musikbranche mit dem mp3-Format und der entstehenden Sharing-Kultur – und mit dem Boom der E-Book-Formate hat der Wandel nun auch die Buchbranche erreicht. Dabei sorgt jedesmal der Fall der Kopier- und Verbreitungskosten von digitalen Produkten für Druck auf Labels, Verlage und Kreative. Wie also in diesem Umfeld eine passende Preis- und Verkaufsstrategie finden? Auch Selfpublisher sollten sich mit diesen Fragen beschäftigen, da sie die Preise und Strategien für ihre Bücher meist selbst festlegen…

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Über Buchpreise und Verkaufsstrategien

Die Preisfindung und Verkaufsstrategie für Bücher ist eigentlich recht simpel: Man schaut sich das Thema des Buches an, bestimmt die Zielgruppe resp. Verkaufsaussichten und legt schließlich den Preis mit der größtmöglichen Gewinnspanne fest. Das entscheidende dabei sind die Zielgruppen und die Verkaufsaussichten:

  • Ist die potentielle Zielgruppe sehr klein, klar definiert und herrscht ein hoher Informationsbedarf, dann verkaufe ich das Buch i.d.R. zu einem hohen Preis. Bei kleinen Zielgruppen rechnet man mit geringen Auflagen und einem kalkulierbaren Mindestabsatz, über den die Produktionskosten wieder hereingeholt und der Gewinn erwirtschaftet werden muss. Zumal finden sich in der kleinen Zielgruppe – sofern meine Informationen relevant sind – immer eine handvoll Käufer, die bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen, während sich andersherum der Käuferkreis durch einen niedrigeren Preis nicht signifikant vergrößern lässt. Klassische Beispiele sind wissenschaftliche Bücher oder Special-Interest-Titel. Der Buchhandel spielt in diesem Bereich keine Rolle, da eine kleine und klar definierte Zielgruppe mit wenig Aufwand direkt erreicht werden kann.
  • Ist die potentielle Zielgruppe eher groß, unklar umrissen und herrscht kein Informationsbedarf, sondern eher ein “Vergnügungswunsch”, dann werden die Bücher i.d.R. zu einem niedrigen Preis und in hoher Stückzahl angeboten. Das betrifft natürlich vor allem Romane, Krimis, Kochbücher etc., bei denen eine undefinierte “Masse” vergnügungswilliger Leser über den Buchhandel angesprochen und über das Marketing zum Kauf verführt werden muss. In der riesigen Konkurrenz kann ich nur über niedrige Preise bestehen und auf einen Gewinn durch zahlreiche Verkäufe hoffen. Ein Risikogeschäft, versteht sich…

Noch einmal als Tabelle: (spaltenweise gelesen)

Spezielles Thema kleine, definierte Zielgruppe hoher Informationsbedarf kleine Auflage / wenige Verkäufe hoher Preis
Allgemeines Thema große, undefinierte Zielgruppe kein Informationsbedarf sondern Vergnügen hohe Auflage / viele Verkäufe niedriger Preis

Kostenlos gibt es natürlich nichts, abgesehen von Aktionen wie “Eine Stadt. Ein Buch“, bei der in Wien jedes Jahr 100.000 Gratisexemplare eines ausgewählten Buches verteilt werden. Das aber nur am Rande…

Print-Buch und E-Book. Was kostet was?

Mit dem Boom des E-Books und dem Aufkommen neuer Lesemedien wie dem PC, dem Laptop, die E-Reader oder gar den Smartphones ist diese einfache Kalkulation etwas bunter geworden: Denn E-Books sind

  1. günstiger in der Herstellung,
  2. günstiger im Vertrieb und
  3. kostenlos in der Vervielfältigung.

Bei den E-Book-Preisen fahren die deutschen Verlage aus unerfindlichen Gründen eine Hochpreisstrategie, bei der die E-Book-Preise nur geringfügig unter den Preisen der Printausgaben liegen. Die amerikanischen Verlage verkaufen die E-Books – zähneknirschend und aufgrund des Drucks von Amazon und B&N – etwa zum halben Preis, was der tatsächlichen Kosten-/Einnahme-Relation laut einer Rechnung der NYT und Gizmodo jedoch durchaus entspricht (Wer sich für die Details interessiert, sollte den Beitrag zur Preisbildung von Johannes Haupt auf Lesen.net studieren):

Buchpreis Gizmodo

Während sich die Verlagswelt noch über die Höhe der E-Book-Preise streitet, bahnt sich durch die Hintertür noch ein weiterer Faktor seinen Weg: Das kostenlose E-Book – sei es als Raubkopie oder als bewusste Aktion von Verlegern oder Autoren. Und mit der Frage der Verbreitung und der (Raub-)Kopien kommt automatisch ein weiterer Aspekt ins Spiel: Der Kopierschutz …

Mit oder ohne DRM?

Völlig klar: Wenn Daten digital vorliegen, können sie (früher oder später) per Knopfdruck kopiert werden. Die Musik-Industrie kann davon ein Lied singen, und auch wenn das “rippen” von geschützten E-Books in der Form nicht möglich ist, stehen auch die Verlage zunehmend vor dem “torrent-Problem”. Das Zaubermittel gegen die kostenlose Verbreitung lautet seit eh und je Digital Rights Management (DRM), im Volksmund auch Kopierschutz genannt. Und ähnlich wie im Musik-Business sorgt der Kopierschutz auch im E-Book-Bereich für unzufriedene Kunden, die ihr Buch nur auf einem oder wenigen Geräten lesen können. Liest man sich beispielsweise die DRM-Erklärung des Addison Wessley Verlags durch, so bekommt man einen Eindruck davon, welchen Spagat zwischen Kundenzufriedenheit und Verbreitungsschutz die Verlage unternehmen. (Einen ausführlichen und sehr lesenswerten Beitrag über DRM bei E-Books hat der Blog Gizmodo veröffentlicht).

Einige E-Book-Stores wie Beam und Selfpublishing-Anbieter wie Smashwords haben auf das Problem reagiert und DRM-Bücher aus dem Programm geworfen oder ihren Autoren eine Publikation ohne DRM nahegelegt. Und tatsächlich gibt es mit O’Reilly auch (mehr oder weniger) klassische Verlage, die sich gegen ein DRM-System bei ihren E-Books entschieden haben. Die Frage, wie Selfpublisher mit DRM umgehen sollen, kann pauschal zwar nicht beantwortet werden, in der Regel düfte ein Kopierschutz jedoch eher hinderlich sein. Letztlich hängt es jedoch von der Preis- und Verkaufsstrategie ab, für die sich der Autor entscheidet…

E-Books – kostenpflichtig oder kostenlos?

Das Aufkommen der E-Books mag zwar den Preisdruck erhöhen und die Frage des illegalen Kopierens neu beleben. Auf der anderen Seite bringt das E-Book jedoch auch mehr Farbe in’s Spiel und erhöht den Gestaltungsspielraum – vor allem, wenn zusätzlich eine Print-Ausgabe existiert. Die folgende Tabelle soll die Kombinationsmöglichkeiten entsprechend bunt veranschaulichen (rot = nicht vorhanden, grün = kostenpflichtig, blau = kostenlos):

Print-Buch E-Buch
Fall 1 verkauf verkauf
Fall 2 verkauf verkauf
Fall 3 verkauf free
Fall 4 verkauf verkauf
Fall 5 verkauf free

Welche Strategie soll nun ein Selfpublisher verfolgen? Um die Entscheidung zu erleichtern und die Strategien zu veranschaulichen, sind ein paar Beispiele aus dem “echten Bücherleben” sicher hilfreich…

Kostenloses E-Book

Print-Buch E-Buch
Fall 5 verkauf free

Auf den ersten Blick bringen kostenlose E-Books vor allem eins: Ruhm und Ehre. Und wenn es nach der Logik von Chris Anderson geht, die er in seinem viel diskutierten Buch “Free” darlegte, dürfte die Kostenlos-Kultur im Internet den Sieg davon tragen, da auf der Angebotsseite eine Überfluss herrscht und die materiellen Kosten gen null tendieren. Auch für Ruhm und Ehre kann sich die Mühe natürlich lohnen. Und in einigen Fälle produzieren die kostenlosen Bücher bzw. Inhalte durch die Hintertür wiederum neue Einnahmen:

  1. Mit einem kostenlosen E-Book über Facebook hatte sich Annette Schwindt die berühmt-berüchtigte Online-Reputation als PR-Beraterin mit aufgebaut und so indirekt von dem Buch profitiert. Schließlich kam sogar ein Vertrag mit O’Reilly über ein Printbuch zum Thema zustande. Ganz “umsonst” war die Mühe also nicht…
  2. Leander Wattig monetarisiert seine Aktion “Ich mache was mit Büchern” (kein E-Book, sondern “nur” Webcontent) nicht nur über Werbeschaltungen, sondern neuerdings auch über einen Shop für Fan-Artikel… Die Logik ist klar: Das Buch, die CD oder der Film sind nicht mehr die Produkte, sondern Werbeträger, die Aufmerksamkeit erzeugen und Einnahmen über “Nebenschauplätze” ermöglichen.
  3. Recht großen Erfolg mit dieser Strategie hatte die Comic-Zeichnerin Nina Paley, die mit ihrem freien Comic-Film “Power to the Pixel” immerhin 55.000 $ einnehmen konnte – durch Fanartikel, Spenden, Aufführungen etc.

Kostenpflichtiges E-Book

Print-Buch E-Buch
Fall 4 verkauf verkauf

Die Strategie eines kostenpflichtigen E-Books ohne zusätzliches Print-Buch hat z.B. der Autor Markus Albers mit seinem Selfpublishing-Experiment “Meconomy” verfolgt. Auch diese Strategie ging auf: Die Verkäufe lagen nach wenigen Tagen im dreistelligen Bereich. Klar ist allerdings auch, dass ein kostenpflichtiges E-Book dem Autor einiges an Marketing abverlangt, und auch die Startinvestitionen waren bei Meconomy nicht unerheblich. Als Journalist war für Markus Albers die Ausgangssituation recht günstig, und für medienafine Autoren ist diese Strategie sicherlich eine interessante Option. Wer dagegen völlig unbekannt ist und nur wenig Erfahrung im Umgang mit Medien mitbringt, könnte angesichts der erhöhten Anforderungen an das Marketing überfordert sein…

Kostenpflichtiges Buch und kostenfreies E-Book

Print-Buch E-Buch
Fall 3 verkauf free

Die Strategie, neben dem kostenpflichtigen Print-Buch ein kostenloses E-Book herauszubringen, ist gerade auch für Selfpulisher sehr vielversprechend, zumal sie bereits mehrfach erprobt wurde und sogar einige Zahlen vorliegen. Das prominenteste Beispiel ist wohl Paulo Coelho, der in Russland den illegalen Download seines Buches “Der Alchemist” unterstützt hat bzw. die Raubkopie einfach auf seiner Seite zur Verfügung stellte. Als Ergebnis steigerte sich der Bekanntheitsgrad seines Buches in Russland massiv, was – zumindest laut Coelho – den Verkauf der Print-Version enorm beflügelte bzw. erst ermöglichte.
Eine ähnlich Strategie hat versuchsweise der Verlag O’Reilly bei dem Autor David Pogues verfolgt: Auch von dessen Print-Buch wurde die E-Book-Version verschenkt. Laut Verlag hat das freie E-Book die Verkäufe des Print-Buchs eher unterstützt, als geschädigt, und ganz ähnlich lauten inzwischen auch die Empfehlungen einiger Buchmarketing-Experten. Unterstützt wurde diese Annahme zuletzt von zwei Forschern der Brigham Young Universität, die diese Publikations-Strategie über einen längeren Zeitraum untersucht haben:


rhfreeebookstats

Inzwischen ist der Einsatz von freien E-Books als Marketing-Instrument in der Verlagswelt offensichtlich ein akzeptiertes Mittel – vor allem, um in den Ranglisten nach oben zu klettern und so den Verkauf zu unterstützen. Nicht zuletzt hatte auch Chris Anderson sein Buch parallel als kostenfreies Hörbuch veröffentlicht und so sicherlich den einen oder anderen Backlink aus der Blogszene kassiert…
Abschließend noch ein schönes Beispiel aus der Comic-Szene, über das der Blog e-book-news vor einiger Zeit berichtete: Der iranische Webcomic Zahra’s Paradise soll im Internet frei verfügbar sein, während die Einnahmen erst später über den Verkauf einer Print-Version an die im Web aufgebaute Leserschaft sprudeln sollen.

webcomic-zahras-paradise-gr
Auch hier gilt also: Erst eine Lesergemeinde aufbauen, dann ein kostenpflichtiges Zusatzprodukt anbieten…

Kostenpflichtes Printbuch (und E-Book)

Print-Buch E-Buch
Fall 1 verkauf verkauf
Fall 2 verkauf verkauf

Für diese beiden Strategien bedarf es wohl keiner Beispiele, denn sie sind derzeit state-of-the-art in der Verlagswelt. Und auch unter Selfpublishern ist diese Strategie nach wie vor sehr verbreitet. Zwei Fragen sollte man vor der Entscheidung für oder gegen diese Strategie für sich beantworten:

  1. Wie groß ist meine Zielgruppe, wie gut ist sie definiert und wie relevant sind die Informationen, die ich in meiner Publikation biete? Je klarer eine Zielgruppe definiert ist und je relevanter meine Inforationen sind, desto eher habe ich eine Chance, die Zielgruppe leicht zu erreichen und auf interessierte Käufer zu treffen. Andersherum wäre der Markt durch kostenfreie Ausgaben schnell gesättigt, ohne dass – mangels weiterer Interessenten – ein Werbeeffekt entstehen kann .
  2. In den übrigen Fällen – also bei unspezifischen Zielgruppen – stellt sich die Situation anders dar: Um in der riesigen Konkurrenz so viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, dass ein unbekanntes Buch gekauft wird, ist ein enorm gutes Marketing nötig. Autoren wie Markus Albers, die aus der Medienszene kommen und auf viel KnowHow zurückgreifen können, haben eine komfortablere Ausgangssituation. Für unbekannte und branchenfremde Autoren sprechen die oft sehr niedrigen Buchverkäufe eher gegen diese Strategie und für eine kombinierte kostenpflichtige/kostenfreie Publikation, mit der zumindest das Potential des Sharings angezapft werden kann. Klar ist jedoch auch: Selbst das kostenlose Sharing läuft in der Überflussgesellschaft nicht von allein: Ironischerweise muss selbst bei guten Inhalten das Schenken erst einmal mühsam angestoßen werden …

DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 15.März 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

Flexible Inhalte – neuer Trend im Publishing?

Posted: März 8th, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Trends und Konzepte | 2 Comments »

Bücher waren lange Zeit ein Inbegriff für Beständigkeit: Einmal geschrieben überdauern sie Jahrzente und Jahrhunderte in immer gleicher Form. So bedeutsam diese Beständigkeit für die Überlieferung von Wissen ist, so wenig passt das Konzept in unsere dynamische und flexible Wissensgesellschaft. Denn Inhalte sind nicht universell gültig und in jeder Situation gleich bedeutsam. Es überrascht daher wenig, dass mit den technischen Möglichkeiten auch die Starrheit im Publishing langsam aufzubrechen beginnt. “Personalisierung”, “content-on-demand”, “publish on the fly” oder “fluid publishing” sind Stichworte, die mit Modellen wie Gesetzbuch24, den peronalisierten Reiseführern von Inzumi oder den individualisierten Schulbüchern von Flatworldknowledge und DynamicBooks langsam Einzug in das Verlagswesen erhalten. Und auch einige Selfpublishing-Plattformen nehmen an dieser Entwicklung teil und setzen auf flexible Inhalte. Vorreiter sind FastPencil und vor allem Bookriff.

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Gesetzbuch24

Während sich der Trend zur Personalisierung eher bei Geschenkbüchern abspielt (wo z.B. die Namen der Roman-Helden personalisiert werden), geht das Portal Gesetzbuch24 vom Boorberg-Verlag einen Schritt weiter: Dort kann man sich komplette Gesetzessammlungen selbst zusammenstellen und als Print-On-Demand-Version bestellen. Die Gesetze werden nach Rechtsgebieten, Lebenslagen oder Berufsgruppen aufgelistet, sodass auch der Laie recht schnell seine Sammlung zusammengestellt hat. Die Preise sind in Ordnung, ca. 15,- Euro für 170 Seiten Gesetzestext sind in diesem Bereich fair. Zusätzlich bietet das Portal noch einen Aktualitätendienst, der die Käufer über Änderungen der betreffenden Gesetze informiert:

gesetzbuch24

Das Modell ist nicht nur für Juristen oder interessierte Laien spannend, sondern auch für Branchen wie z.B. niedergelassene Ärzte, die zur Auslage bestimmter Gesetze in ihren Praxen verpflichtet sind. Es wundert einen angesichts der hohen Summen, die die Verlage in die Digitalisierung ihrer Datenbestände gesteckt haben, dass man bislang nur selten auf derartige Modelle stößt.

Inzumi

Spannend ist auch das Modell des Frankfurter Startups Inzumi. Über Izumi können sich Traveller aus verschiedenen Bausteinen einen personalisierten Reiseführer zusammenklicken und anschließend entweder kostenlos selbst ausdrucken, oder per Print-on-Demand-Verfahren als gebundenes Buch bestellen. Ein Reiseführer mit 100 Seiten kostet ca. 15,- Euro. Die Inhalte werden von verschiedenen Content-Partnern wie Polyglott, Langenscheidt, Hotel.de oder Travelscout gelierfert. Zumindest in der Vorschau macht die Qualität einen guten Eindruck:

Izumi

Das Startup wird inzwischen von Enrico Just betreut, der zuvor u.a. in der Geschäftsführung/Vorstand der Milchstraße und Tomorrow-Focus AG saß und sowohl das Verlagsgeschäft, als auch die Startup-Welt sehr gut kennen dürfte. Man darf also gespannt sein, wie sich Inzumi weiterentwickeln wird.

Vielleicht als Anmerkung zum Konzept: Bei der Personalisierung des Reiseführers steht man bei Inzumi noch vor der Schwierigkeit, dass man weder Restaurants, noch Hotels oder passende Shopping-Gelegenheiten vor Reiseantritt kennt und mit der Auswahl etwas überfordert sein könnte. Zudem bleibt die Frage, wie aktuell die Inhalte von den Content-Partnern sind, denn die schnell veralteten Informationen sind – neben der nicht interessengerechten Aufbereitung – das Hauptproblem klassischer Reiseführer. Eine mögliche Antwort auf diese Fragen hatte bereits vor Jahren die Web/Print-Unternehmung “InYourPocket” geliefert: Bei InYourPocket geben lokal ansässige Expats vor Ort monatlich aktualisierte und werbefinanzierte City-Heftchen heraus, deren Informationen meist sehr viel lebendiger und näher dran sind. Gleichzeitig bietet die Online-Präsenz der Hefte eine weitere Werbe- und Vermarktungsmöglichkeit. Es könnte ein spannender Ansatz sein, die Konzepte von Inzumi und InYourPocket zu verbinden, also aktuelle Inhalte und Tipps von lokalen Insidern zu liefern und diese Inhalte vom Leser z.B. über Themenblöcke wie Shopping, Design, Kultur, Familie, Business etc. personalisieren zu lassen. So würde auch die Selfpublisher- oder User-Generated-Content-Perspektive (lokale Autoren z.B. über ein Blogverbund) zum Tragen kommen. Das Modell in Formen und Farben:

Doch nicht nur klassische Verlagsmodelle spielen inzwischen mit derartigen Ansätzen, sondern auch einige Selfpublishing-Plattformen spielen mit der Flexibilisierung von Inhalten:

Fastpencil

Die bereits vorgestellte Publishing-Plattform Fastpencil wartet mit einem kleinen Feature auf, das technisch zwar nicht spektakulär, vom Ansatz jedoch erwähnenswert ist: Autoren können Open-Source-Bücher – also Bücher, bei denen Verwertungs- und Urheberrechte abgelaufen sind – in den Editor laden, umschreiben und neu publizieren. Wer sich immer mal an Klassikern von Bram Stoker, Fjodor Dostojewsky oder Charles Dickens vergreifen wollte, hat bei Fastpencil also die Gelegenheit dazu:

Fastpencil

Zugegeben, bei Fastpencil dürft das Umschreiben von Klassikern eher ein netter Gimmik sein. Es gibt jedoch einen (mehr oder weniger) klassischen Verlag, der ein überaus sinnvolles Einsatzgebiet für dieses Konzept gefunden hat…

Flatworld Knowledge und DynamicBooks

“Flatworld Knowledge” ist ein junger Verlag aus den USA, der neue Wege im Schulbuch-Bereich einschlägt. Wie Boorberg (Gesetzbuch24) ist auch Flatworld KEIN Selfpublisher-Verlag, sondern verfolgt in Sachen Manuskriptauswahl und Qualitätssicherung das traditionelle Konzept. Neu an dem Verlagsmodell ist jedoch, dass die einmal publizierten Texte von den Nutzern – ähnlich wie bei Gesetzbuch24 – individuell zusammengestellt und – ähnlich wie bei Fastpencil – adaptiert und umgeschrieben werden können.



Das Konzept von FlatworldKnowledge wird inzwischen auch von etablierten Verlagen kopiert: So hat Macmillan vor kurzem das Portal DynamicBooks gelaunched, dass die Bezeichnung copycat wahrlich verdient:

DynamicBooks

Bei Flatworldknowledge werden die Bücher unter open-licence gestellt, sind online frei lesbar und können als Print-Version erstanden werden. Der ursprüngliche Text bleibt immer als Originalversion erhalten. Will ein Leser den Text anpassen, so wird eine Kopie erstellt, die frei bearbeitet werden kann. Das ganze nennt Flatworld “remixable textbooks” – ein Konzept, das auch eine Selfpublishing-Plattform aus England verfolgt….

Bookriff

Das junge Startup Bookriff befindet sich leider noch (seit geraumer Zeit) in der geschlossenen Beta-Version, d.h. ein Zugang ist erst nach einer Einladung möglich. Bookriff verfolgt ein ähnliches Modell wie Flatworld, beschränkt sich allerdings nicht auf den Schulbuch-Bereich.

Textschnipsel oder auch ganze Kapitel werden als “Riffs” bezeichnet, die von den Autoren zur Verfügung gestellt werden. Sogenannte “Composer” können diese “Riffs” zu einem neuen Buch “mixen”. Der Preis eines neu gemixten Buches hängt von den Herstellungskosten (Seitenumfang) und den Einzelpreisen der enthaltenen Riffs ab. Die Urheber eines Riffs erhalten bei Verkauf ein Honorar, nicht jedoch die “Composer”.

Im Vergleich zu dem sehr anwendungsnahen Fall von Flatworld wirkt Bookriff recht verspielt. Ob Leser und “Composer” mit der neu gewonnenen Freiheit etwas anzufangen wissen, bleibt abzuwarten. Als Konzept, Texte aus ihrem statischen Korsett zu befreien, ist Bookriff jedoch ausgesprochen spannend. Und für Selfpublisher, die nur einzelne Textschnipsel oder Kapitel veröffentlichen wollen, eröffnet sich hier eine neue und interessante Alternative.


DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 08.März 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

Neu: Rezensentenverzeichnis

Posted: März 1st, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Ankündigung | No Comments »

Mit einer frei zugänglichen Datenbank will der DIYG für Autoren, Kritiker und Leser ein Rezensentenverzeichnis aufbauen. Blogger, Webmags und Communities, die sporadisch bis regelmäßig Bücher besprechen, sind herzlich eingeladen, sich in die Datenbank einzutragen. Autoren können das Verzeichnis später für die Recherche nutzen, um Rezensions-Anfragen geziehlter zu stellen. Neben Rezensenten werden auch Buchpublisher mit aufgenommen, alle anderen “Büchermacher” finden unter www.wasmitbüchern.de ein gutes Verzeichnis für einen Eigeneintrag. Die Datensätze werden kurz geprüft und spätestens nach 24 Stunden freigeschaltet.


DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 01.März 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

Literaturcommunities und Autorenforen

Posted: März 1st, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Promoting | 7 Comments »

Literaturcommunities und Autorenforen können wertvolle Anlaufstellen für Selfpublisher sein, um Erfahrungen und Infos auszutauschen oder das eigene Buch vorzustellen. Allzu üppig ist die Auswahl allerdings nicht: Eine handvoll Foren und Communities dominieren das geschehen, und selbst von den großen haben längst nicht alle den Übergang in das Web2.0-Zeitalter vollzogen. Um zumindest einen Einstieg zu erleichtern, sollen ein paar größere Foren hier kurz vorgestellt werden. Weitere interessante Adressen und Links können in die DIYG-Datenbank eingetragen bzw. recherchiert werden.

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Literaturcommunities

Angesichts des Hypes von Facebook und Co. wird Foren keine große Beachtung mehr geschenkt. Doch trotz der oft altertümlich wirkenden Konzepte und Designs versammeln Foren nach wie vor recht große und aktive Gemeinschaften. Und einige Foren haben inzwischen auch den Sprung zur Community geschafft und z.B. Netzwerk-Funktion integriert …

Lovelybooks

Eine erfreuliche Erscheinung in der Community-Szene ist Lovelybooks: Die Seite ist nicht nur ansprechend und zeitgemäß gestaltet, sondern auch im Web2.0 äußerst aktiv. Mit über 6000 Fans und einer starken Präsenz bei Twitter. Zudem hat Lovelybooks mit Aktionen wie dem “Leserpreis” zuletzt auch in der Blogszene Akzente gesetzt.

lovelybooks

Mit Rezensionen, Gruppen, virtuellen Bibliotheken etc. lässt die Plattform kaum Wünsche offen. Einzelne Gruppen zählen mehrere tausend Mitglieder mit bis zu 50.000 Beiträgen. Damit dürfte Lovelybooks mit einigem Abstand die bedeutendste Community hierzulande sein.

Literatur-Couch

Einen interessanten Ansatz verfolgt auch die Literatur-Couch, unter deren Dach mehrere thematische Unter-Communities vesammelt sind. Die Mitgliedstärke aller Couch-Communities wird mit ca. 17.000 angegeben – damit dürfte die Foren-Gruppe hierzulande zu den größten gehören.

Literaturcouch

Die Intensität der Web2.0-Präsenz ist dabei von Forum zu Forum unterschiedlich: Während die Krimi-Couch auf Twitter und Facebook fleißig Fans und Follower sammelt, verzichten andere Foren komplett auf das Netzwerken im sozialen Web. Alles in allem sollten die Foren auch für Selfpublisher eine gute Anlaufstelle sein.

Literatina

Das Literatur- und Bücherforum Literatina ist durch zahlreiche Anzeigen im Literaturnetz recht bekannt und gehört klar zu den großen und etablierten Leserforen im Web. Und auch wenn der Trend eher in Richtung Netzwerke geht, zeigt Literatina, dass auch klassische Foren noch ihre Daseinsberechtigung haben. Wie üblich scheinen Krimis, Fantasy & co. zu dominieren, allerdings ist auch anspruchsvolle Belletristik gut vertreten, während Comics oder Sachbücher eher unterrepresentiert sind.

Literatina

Im Gegensatz zu vielen anderen Foren ist Literatina z.B. auch auf Facebook mit über 300 Fans aktiv.

Büchertreff, Büchereule, Literaturschock, Comicforum

Von den zahlreichen klassischen Buch- und Literaturforen seien aufgrund ihrer Größe stellvertretend vier weitere erwähnt. Der Büchertreff zählt ca. 8000 Mitglieder, die Büchereule um die 6000 Mitglieder und der Literaturschock immerhin noch über 1000 Mitglieder. Viele dieser Communities verfügen über extra eingerichtete Rezensionsbereiche und die Zahlen verdeutlichen, dass auch über die klassische Forenszene nach wie vor zahlreiche Leser erreicht werden können.

comicforum

Häufig lohnt es sich, nach kleineren Foren mit einem enger zugeschnittenen Themenkreis zu recherchieren. Dass solche Recherchen nicht nur Nischenforen zu Tage befördern, zeigt z.B. das Comic-Forum: Mit 40.000 Mitgliedern stellt es selbst die etablierten Literaturcommunities in den Schatten. Auch Mobile-Read, eine (allerdings internationale) Community zu E-Books und E-Readern, verfügt über eine beachtliche Mitgliederzahl…

Autorenforen

Fasst alle Literaturcommunities warten auch mit einem eigenen Bereich für Autoren auf. Communities ausschließlich für Autoren sind wesentlich seltener zu finden. Alternativ lohnt sich auf jeden Fall auch ein Blick in die Foren der Buchpublisher.

Schreibwerkstatt

Möglicherweise ist es auch dem sehr aufgeräumten Auftritt zu verdanken, dass die Schreibwerkstatt mit etwa 4800 Mitgliedern zu den größten Autorencommunities im Netz zählt. Auch die Rubriken des Forums sind wohl sortiert: Neben der Veröffentlichung eigener Texte in verschiedenen Gattungen bietet die Schreibwerkstatt einen Bereich für Rezensionen, Schreibtipps, Hinweise zu Literaturwettbewerben oder eine Liste von Literaturverlagen an.

Schreibwerkstatt

Angesichts der Größe verwundert es allerdings, dass die Schreibwerkstatt auf eine Präsenz in den sozialen Netzwerken vollständig verzichtet.

Montsegur Autorenforum

Aufgrund der guten Themenwahl sei auch noch das Autorenforum Montsegur erwähnt: Mit Hinweisen zur Verlagssuche, Tipps zu Verträgen und einer Schreibwerkstatt konzentriert sich Montsegur vor allem auf das Autorenhandwerk und versteht sich weniger als Publikationsplattform für eigene Texte.

Montsegur

Recht restriktiv geht das Forum jedoch mit neuen Mitgliedern um: Alle Anmeldungen werden individuell geprüft, verlangt wird eine “aussagekräftige Bewerbung”. Entsprechend halten sich die Zahlen mit etwa 360 Mitgliedern in Grenzen.

Kurzer Blick auf Facebook

Eine einzelne “Group” auf Facebook ist sicher nicht vergleichbar mit der Größe und dem Aktivitätsgrad traditioneller Communities – in den meisten Fällen endet das Engagement mit dem Klick auf den Join-Button. Als Gesamtnetzwerk ist Facebook jedoch ein ideales Forum, dass mit Profilen, Fanpages und Groups viele Knotenpunkte für Gleichgesinnte bereithält. Große Gruppen und Fanpages sind beispielsweise “Zu viele Bücher, die ich lesen möchte” (Gruppe mit ca. 1.200 Mitgliedern), “Bücher” (Gruppe mit über 600 Mitgliedern), Buchtipp (Gruppe mit über 700 Mitgliedern), “Deutsche Literatur” (Gruppe mit gut 1000 Mitgliedern), die Fanpage der Aktion “Ich mache was mit Büchern” mit gut 1.500 Fans, Lesen=Luxus mit 1800 Fans oder die Fan-Page vom Webmagazin Literatur-Cafe mit über 700 Fans.

Als Beispiele für die bunte Vielfalt auf Facebook seien zwei unterschiedliche Präsenzen vorgestellt: Die-Schreib-Maschine ist eine junge Plattform aus Berlin für “Autoren, Komponisten, Liedtexter, Choreographen, Übersetzer und alle, die neue Musicals auf die Bühne bringen wollen”. Als recht speziell ausgerichtetes Forum hat die Schreib-Maschine inzwischen immerhin 180 Fans gesammelt. Mit einem netten Design und einer aktiver Diskussion lässt sich in Facebook also auch für sehr spezielle Themen Aufmerksamkeit erzeugen.

Schreibmaschine

Ein ganz anderes Beispiel ist Lettra – ein Webmagazin, das sich auf Video-Rezensionen und (Web-)Büchersendungen spezialisiert hat, jedoch auch klassische Textbeiträge publiziert. Lettra kooperiert mit zahlreichen Tageszeitungen und generiert laut Eigenaussage ca. 60.000 Channel-Views im Monat. In unserem Zusammenhang interessant ist jedoch in erster Linie die Präsenz in den Netzwerken: Neben einer Mobile-App und einem Twitter-Stream gehört Facebook dabei zu den Hauptkanälen. Dort findet man eine recht beliebte Fan-Page (über 1800 Anhänger) sowei eine eigene Facebook-App, die immerhin über 400 Nutzer zählt. Mit der App lassen sich Bücher suchen, in virtuelle Regale stellen, bewerten, rezensieren, kaufen und schließlich ins eigene Profil einbinden. Eine Einbindung in fremde Fanpages gibt es leider noch nicht, allerdings wurden weitere Features und ein Relaunch der Lettra-Seite angekündigt…

Lettra

Lettra ist kein Einzelfall: Wer auf Facebook nach Applikationen für Buchfreunde sucht, kann zwischen mehreren Dutzend Angeboten wählen. Eine Liste mit etwa 50 Facebook-Apps für Bücher hat vor einiger Zeit das Weblog Online-College zusammengestellt – und selbst die dürfte noch nicht vollständig sein. In jedem Fall sind einige dieser Tools auch für Selfpublisher nützlich, um Bücher über Facebook präsent zu machen.

Rezensionsdatenbank

Wer in diesem Bericht seine Lieblings-Community vermisst, schaut am besten noch einmal in der Rezensionsdatenbank des DIYG nach und trägt sie ggf. dort nach. Auch Blogs und Webmagazine, die sporadisch bis regelmäßig Bücher oder E-Books präsentieren oder rezensieren, sind dort gut aufgehoben. Allerdings nur, solange der Platz in der Datenbank noch reicht!


DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 01.März 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

Kontakt-Tool für Selfpublisher

Posted: Februar 14th, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Promoting | No Comments »

Ein strukturiertes Vorgehen bei der PR-Arbeit spart im Zweifelsfall viel Zeit und Frust. Wer sich also anschickt, Kontakte zu Bloggern, Journalisten oder Foren zu knüpfen, sollte die recherchierten Adressen irgendwo speichern, klassifizieren, und die Ergebnisse der Aktionen notieren. Die passenden Arbeitsmittel reichen von einfachen Excel-Tabellen bis hin zu umfangreichen, professionellen Kontaktmanagement-Tools. Für einzelne Bücher mag eine kleine Access-Datenbankvorlage hilfreich sein, die zumindest eine einfache Kontaktverwaltung ermöglicht …

Tweet &

Die (leere) Access-Datenbankvorlage kann man im Download-Bereich als Zip-Archiv herunterladen. Wer kein Access besitzt, findet dort auch einen Link zu Access-Runtime, mit dem sich Daten einpflegen und bearbeiten lassen. Eine Weiterentwicklung der Datenbank ist mit Runtime allerdings nicht möglich.

Zur Datenbank selbst: Sie kann nicht viel, aber zumindest das Wichtigste: Kontakte erfassen, Projekte zuordnen und Ergebnisse filtern. Das sollte für kleine PR-Anforderungen völlig ausreichen. Serienbrieffunktionen oder Reportings fehlen derzeit noch, allerdings sollte man Kontakte möglichst persönlich pflegen und bei kleinen Projketen nicht zu viel mit Serienbriefen arbeiten.

Als kleine Anleitung:

Datenbank1

Das Hauptmenue mit drei Untermenues:

  1. Kontakte eintragen (die eigentliche Datenbank mit Kontaktadressen und zugeordneten Projekten).
  2. Felder editieren (hier können alle Drop-Down-Felder des Formulars editiert und damit auch Projekte angelegt werden).
  3. Ergebniskontrolle (hier können die Kontakte nach Ergebnissen wie “nicht erreicht”, “Zusage”, “Absage” etc. gefiltert werden.

Im ersten Schritt legt man natürlich Projekte an und stimmt die restlichen Auswahlfelder auf seine Bedürfnisse ab (Felder editieren):

Datenbank2

Grundsätzlich sind alle Dropdown-Felder editierbar. Wichtig sind vor allem:

  1. Interessen: Über die Interessen kann man Zielgruppen näher definieren, daher sollte man sich hier ein sinnvolles System überlegen).
  2. Projekte: Hier legt man seine Projekte an, z.B. das aktuelle Buchprojekt. Man kann stattdessen natürlich auch Aktionen anlegen, z.B. Marketing-Aktion, PR-Aktion etc. und die Ergebnisse später danach filtern.

Im zweiten Schritt pflegt man kontinuierlich seine Kontakte ein:

Datenbank3

  1. Per Button kann man Kontakte schnell wieder löschen (Vorsicht, hier gibt es keine Kontrollabfrage, der Kontakt ist auf Knopfdruck weg!)
  2. Die Interessen sollte man wie gesagt sehr sorgfältig zuordnen, damit man einzelne Zielgruppen möglichst genau ansprechen kann
  3. Alle E-Mail und Online-Felder öffnen bei Doppelklick im Browser/Mail-Programm
  4. Im unteren Fenster kann man jeder Adresse beliebig viele Projekte zuordnen und den Projekten einen Status (Ergebnis) zuweisen (Zusage, Absage, nicht erreicht etc.)

Über die Zuweisung von Interessen, Projekten und Ergebnissen lässt sich schon recht gut arbeiten. Jetzt fehlt nur noch eine kleine Auswertung, damit man z.B. zu einem bestimmten Projekt bei allen Kontakte, die noch nicht erreicht wurden, noch einmal nachfassen kann:

Datenbank4

Zur Recherche von Kontakten gibt es zwei Startpunkte auf dieser Seite:
1. Am besten erst einmal die Rezensentendatenbank durchforsten
2. Recherchehinweise gibt es auch in unserem PR-Leitfaden

Die Access-Datenbank im Download-Bereich ist natürlich recht einfach gehalten. Wer sich berufen fühlt, kann die Datenbank gerne weiterentwickeln und mit neuen Funktionen ausstatten. Erweiterte Versionen werden dann hier hochgeladen.

Wer es richtig professionell und vor allem webbasiert haben möchte, der kann sich das – allerdings kostenpflichtige – Onlinetool Buzzstream anschauen. Ein derart professionelles Tool dürfte für Selfpublisher allerdings hoffnungslos überdimensioniert sein…


DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 14.Februar 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

PR-Lei’d'faden für Selfpublisher

Posted: Februar 8th, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Promoting | 8 Comments »

Es ist so weit, das Buch ist veröffentlicht – und dennoch steht der schwierigste Teil noch bevor. Denn in der Masse von ca. 100.000 Veröffentlichungen pro Jahr erreichen viele Bücher nicht einmal einen einzigen Leser. Und selbstpublizierte Bücher haben es im Wettbewerb um Aufmerksamkeit besonders schwer: Der Vertrieb ist vergleichsweise schwach (keine Präsenz im verkaufsstarken Offline-Buchhandel), es prankt kein renommiertes Verlags-Logo als Gütesiegel auf dem Cover und die Publishing-Services bieten in Sachen Marketing kaum nennenswerte Unterstützung. Wenn sich der Autor bereits als Journalist oder Blogger einen Namen gemacht hat, ist schon ein kleines Band zur Leserschaft geknüpft – für Novizen sind die Hürden jedoch groß. Nicht aber unüberwindbar. An dieser Stelle werden einige Tipps und Tools zur Presse- und Medienarbeit für Bücher gesammelt. Das Thema Web2.0 und Social Media (Facebook, Twitter & Co.) wird in einem eigenen Beitrag behandelt.

Tweet &

Ohne in graue Theorie zu verfallen sollten doch einige Basics bekannt sein, denn der Weg zum Leser ist nicht nur steinig, sondern auch verzweigt: Da gibt es Marketing und Werbung, Pressearbeit und Public Relations (PR) und die Social Media mit den Social-Media-Releases als jüngstem Buzzword. Der Unterschied zwischen Werbung und PR ist mit einem viel zitierten Vergleich schnell erklärt: „Tue Gutes und rede darüber“ lautet das Motto der Werbung, „Tue Gutes, und bringe andere dazu, darüber zu reden“ ist der Wahlspuch der PR. „Social Media“ sind zwar derzeit in aller Munde, beschreiben jedoch keine dritte Strategie sondern eher eine neue Medien-Gattung, die über Marketing- oder PR-Techniken „bearbeitet“ werden kann. Allerdings haben die Spielregeln für Marketing und PR in den Social Media durchaus ihre Eigenheiten …

Nach der „Mini-Theorie“ stellt sich die Frage: welche Tools und Strategien nutze ich denn nun in der Praxis? Die Antwort ist knapp – man sollte es von seinen eigenen Stärken abhängig machen: Es gibt den überzeugenden Vertriebstyp, den kreativen Marketeer, den kontaktfreudigen PRler oder den beigeisterten Social-Media-Guru. Die Social Media sind für Selfpublisher aufgrund der geringen Einstiegskosten sicherlich der aussichtsreichste Tummelplatz. Wer jedoch eine geniale Marketing-Idee hat, sollte seine Kräfte auch auf diese Aktion konzentrieren. Als Beispiel: Für sein aktuelles Buch “Meconomy” hat Mark Albers – seinem journalistischen Hintergrund entsprechend – eine PR-Strategie mit Social-Media-Einschlag und einer werblich orientlierten Buch-Website verfolgt. Dagegen hat sich „Yoshi“, der Verfasser des ersten Handy-Bestsellers “Deep Love”, mit einer gewöhnlichen Webseite begnügt und statt der Medien unmittelbar seine Zielgruppe angesprochen. Dazu hat der Jung-Autor im Tokioter-Hip-Viertel „Shibuya“ tausende Visitenkarten an Schulmädchen verteilt und so seine Webseite populär und seinen Roman zum Bestseller gemacht. Die beiden Beispiele beschreiben in etwa die Bandbreite, aus der ein Selfpublisher schöpfen kann …

DeepLove
Der selbst-publizierte Manga für’s Handy wird zum Bestseller: DeepLove

Die Bandbreite des Buchmarketings – Beispiele und Vorschläge

Als Input zunächst ein paar Anregungen, die u.a. das eBook-Portal Smashwords seinen Autoren gibt:

  • Eine E-Mail-Signatur erstellen
  • Ein Buchcover erstellen und die Einbindung auf fremde Seiten ermöglichen (embed)
  • Das eBook (ggf. Leseproben) auf Stanza hochladen.
  • Leseproben über Sharing-Plattformen für Dokumente oder E-Mags verteilen
  • Familie, Freunden und Bekannten über das Buch erzählen.
  • Eine Visitenkarte/Flyer zum Buch erstellen und bei passenden Anlässen/Orten verteilen.
  • Medien, Blogs und Foren zum Themenkreis des Buches recherchieren
  • Eine Pressemitteilung zum Buch veröffentlichen.
  • Über PR eine Berichterstattung in Medien und Blogs erlangen.
  • Eine Lesung organisieren (Lesecafe etc.)
  • An Literaturwettweberben teilnehmen

Beispiele für Aktionen im Web2.0:

  • Sich in Online-Foren einbringen
  • Gastbeiträge und Interviews für Blogs anbieten
  • Zu passenden Blogbeiträgen inhaltlich gute und sachliche Kommentare posten
  • Soziale Netzwerke wie Facebook, Xing, StudiVZ etc. nutzen
  • Twitter nutzen
  • Einen Autoren- oder Buchblog (Blook) anlegen
  • Einen Buchtrailer für Youtube erstellen

Wie man über kreative Aktionen auch im Buch- und Verlagswesen für Aufmerksamkeit sorgen kann, zeigt diese Marketing-Aktion des Verlags Eichborn auf der Frankfurter Buchmesse 2009:

Struktur gewinnt

Wer sich so ganz ohne Planung in’s Vergnügen stürzt, dürfte bald den Überblick verlieren. Und das wiederum sorgt meist für doppelte Arbeit oder unerwünschte Ergebnisse. Dazu gehören genervte Redakteure/Blogger, die zum dritten mal erklären, dass sie das Thema nicht interessiert. Oder ein teuer versendetes Rezensionsexemplar an ein Medium, das bereits eine Besprechung zugesagt hat. Um Frust zu vermeiden, sollte man die Schritte also einigermaßen strukturieren. Der grobe Ablauf sollte so aussehen:

  • Mini-Marketing-Plan: Welche Zielgruppe kommt für das Buch in Frage und mit welchem Maßnahmenbündel soll sie erreicht werden?
  • Die Zusammenstellung/Aufbereitung von Informationen (z.B. Pressemitteilungen, Webseite, Flyer, Visitenkarte, Podcast, Vidcast etc.)
  • Recherche nach der Zielgruppe bzw. nach passenden Medien, Blogs, Foren etc.
  • Die Durchführung, also die Aktion selbst (Marketing) oder das Kontaktieren und Nachfassen (PR)
  • Die Erfolgskontrolle und ggf. das Monitoring

Für ein einzelnes Buch muss der Planungsaufwand natürlich in einem angemessenen Verhältnis stehen, aber zumindest eine Excel-Tabelle oder bestenfalls eine kleine Access-Kontaktdatenbank mit Kontrollmöglichkeiten sollte es schon geben. Ein kleines Hilfstool (Access-Datenbank) wird hier im DIYG vorgestellt und auch zum Download angeboten. Ein paar Tipps und Tools zu den einzelnen Schritten:

Vorbereitung: Presse- und Medieninformationen erstellen

Ob Presseinformation, E-Mail, Webseite oder Social-Media-Release – man sollte sich vorher sehr genau überlegen, wie die Informationen aufbereitet sein müssen, damit die Redakteure, Blogger oder Leser auch anspringen. Stehen klassische Medien im Visier, sind nüchterne und gut aufbereitete Informationen gefragt, ein werblicher Tenor, ein blumiger Stil oder gar Wortwitz sind absolut fehl am Platz. Bei Bloggern darf es schon etwas persönlicher zugehen. Die Direktansprache von Lesern ist meist eher werblich, z.B. eine Webseite oder ein Youtube-Video mit zumindest etwas viralem Potential. Als Lektüre seien an dieser Stelle die Blogs PR-Doktor und PR-Blogger empfohlen.

Für die textliche Seite finden sich im Netz diverse Anleitungen und Hinweise. Da Redakteure täglich eine enorme Menge an Informationen bewerten und verarbeiten müssen, kann man jedoch sicher sein, dass eine unprofessionell anmutende Pressemitteilung bei den Redakteuren ungelesen in den Papierkorb wandert. Das gilt übrigens auch für leicht zu enttarnende Massenmails mit Ansprachen wie “Sehr geehrte Damen und Herren”: Immer den Namen recherchieren und die persönliche Anrede wählen! Im Zweifelsfall lohnt sich bei der Erstellung von Informationen die Investition in einen freien PR-Texter oder Journalisten, denn andernfalls ist alle weitere Mühe umsonst. Einige Anlaufstellen für die Recherche:

Natürlich sollte man vorher sehr nüchtern abschätzen, ob sich die Investitionen für das Buch lohnen. Im Zweifelsfall und bei ausreichendem Talent und Know-How gilt auch hier das DIY-Motto: MS-Word, PDF, die Blogsoftware Wordpress oder Blogportale wie Twoday machen es möglich. Aber Vorsicht: Das Ergebnis sollte inhaltlich und optisch professionell erscheinen. Niemals mit unprofessionellen Materialien an Redakteure (oder namhafte Blogger) herantreten …

Recherche: Wohin mit den Infos?

Da wir zunächst die aktive Web2.0-Arbeit ausblenden, bleiben als Ziel für die Informationen die klassischen Online- und Offline-Medien, Blogs und Foren (Blogs nicht als Web2.0-Anwendungen verstanden, sondern als Zielmedien für die Pressearbeit). Stellt sich nur die Frage: Wie finde ich Foren, Blogs und Medien, die zu meinem Thema passen?

Etwas unterentwickelt: Forenverzeichnisse

Interessanterweise gibt es – im Gegensatz zur gut organisierten Blogosphäre – keine wirklich zufriedenstellenden Suchmaschinen oder Verzeichnisse für Foren. Die Forensuchmaschine Twing.com ist offensichtlich eingestellt worden, sodass man Google bemühen muss oder einige der zerstreuten Forenverzeichnisse nutzen wird. Eine (unvollständige) Liste mit Forenverzeichnissen findet man hier:

Eintrittskarte in die Blogosphäre: Verzeichnisse und Rankings

Inzwischen gibt es wohl zu fast allen relevanten und weniger relevanten Themen einen oder gleich ein ganzes Universum an Blogs. Und tatsächlich werden auch Blogger vermehrt zum Ziel von PR-Aktionen (selbst mit einem kleinen Blog kann man sich heute auf PR-Zuschriften einstellen). Ein Grund ist sicherlich der hohe Organisationsgrad der Blogosphäre: Es gibt Blog-Rankings, Blog-Verzeichnisse und Blogsuchmaschinen, über die sich thematisch passende Blogs relativ schnell recherchieren lassen. Und auch wenn die meisten Blogs keine besonders große Reichweite vorweisen können, so wird mit jedem Beitrag potentiell ein neuer Leser gewonnen und zumindest ein neuer Link generiert, über den Suchenden schließlich zum Buch gelangen. Und tatsächlich werden von vielen Blogs auch immer wieder mal Bücher und Autoren vorgestellt, einige haben sich sogar komplett auf die Rezension von Büchern spezialisiert. Ein paar Einstiegspunkte für die Recherche:

Blog-Rankings

In einem der Top-Blogs besprochen zu werden, ist natürlich schön. Die Frage ist jedoch: interessiert den Blogger das Thema des Buches? Und ebenso wie bei den klassischen Redaktionen werden Massenmails, unprofessionelle oder unpassende Inhalte von Top-Bloggern ingoriert. Bekannte Blogrankings sind:

  • Deutsche Blogcharts: Die Top 100-Blogs nach Anzahl der Verlinkungen (Backlinks, d.h. wie viele Seiten verlinken auf den Blog)
  • Deutsche Lesercharts: Die Top 500-Blogs nach Abonnenten (Zahl der Feed-Leser: es werden jeweils nur die Blogs ausgewertet, die ihren Feed über Feedburner/Google ausgeben. Das sind viele, aber nicht alle).
  • Sistrix-Blogcharts: Die Top 100 nach (Feed-) Abonnenten
  • Blogoscoop.net : Eine sehr nützliche Mischung aus Verzeichnis und Ranking. Damit können Blogs nach Themen gefiltert und gleichzeitig deren Bedeutung grob eingeschätzt werden.

Blog-Verzeichnisse

In Verzeichnissen kann man die Blogs nach Themenschwerpunkten recherchieren. Das bringt im Zweifelsfall mehr Erfolg, allerdings weisen die meisten Blogs wie gesagt nur sehr wenige Leser auf.

Blogsuche

Schließlich kann man Blogs auch noch durchsuchen – eine sehr nützliche Funktion, um sich über aktuelle Blogposts zum Themenkreis des Buches informieren zu lassen und sich dann über (sinnvolle!) Kommentare in die Diskussion einzubringen. Eine Blogsuche ist möglich unter:

  • Google Blogsearch oder
  • Twingly, eine der beliebtesten Blogsuchmaschinen im Netz

Klassische Medien: Wie gelangt die Pressemitteilung in ein Blatt?

Traditionelle Print- und Online-Medien sind für Selfpublisher vermutlich die größte Hürde, allerdings versprechen sie auch eine hohe Verbreitung (Auflage/Reichweite). Es gibt durchaus Fälle, in denen es Selfpublisher bis zu einem Interview im Regionalfernsehen geschafft haben, unüberwindbar sind die Schwierigkeiten also nicht. Aber natürlich nur, wenn das Buch qualitativ gut ist, die richtigen Medien angesprochen werden und die gelieferten Informationen professionell und passgenau sind. Ein paar Tipps und Tools:

Kostenlose Portale für Pressemeldungen

Ein Hinweis, der fasst überall zu finden ist: Es gibt diverse Portale, über die Pressemitteilung bei Einhaltung grundlegender Qualitätsstandards kostenfrei veröffentlicht werden können. Ein paar Übersichten über solche Angebote:

Man sollte sich allerdings nicht der Illusion hingeben, über derartige Pressemitteilungen in die Medien zu gelangen. Selbst bei einem bezahlten Versandservice an einen Presseverteiler sind die Aussichten ausgesprochen gering, wenn es sich nicht um eine wirklich relevante Mitteilung handelt. Und Pressemitteilungen zu selbstpublizierten Büchern sind für Redakteure nie relevant. Auch die direkte Leserschaft solcher Portale dürfte (zumindest für solche „privaten“ Presseinformationen) gering sein. Ein Vorteil ist jedoch, dass die Pressemitteilungen nach dem Einstellen i.d.R. über Google und im besten Fall über Google News auffindbar sind. Wer diese Portale nutzt, kann gleich auch die verschiedenen Nachrichten- und sonstigen Bookmark-Networks wie Yigg oder Webnews nutzen. Eine relativ aktuelle Übersicht hat der Webstandard zusammengestellt.

Presseverteiler – Kostenpflichtige Angebote

Wer wirklich in die Presse will, muss erst einmal passende Zielmedien ausfindig machen – und genau da liegt der Haken. Presse-Profis und PR-Agenturen arbeiten mit eigenen Presseverteilern, die Kontaktdaten zu den Medien und den Redakteuren einzelner Ressorts enthalten. Die Datenbanken sind meist hoch spezialisiert und werden wie ein Augapfel gehütet. Es gibt jedoch auch Dienstleister, über die sich solche thematisch zugeschnittenen Presseverteiler einkaufen lassen – allerdings muss man dazu schon mehrere hundert Euro auf den Tisch legen. Die bekannten Dienstleister sind:

  • Zimpel-Online vom Zimpel-Verlag, Adressen als Tabelle/Datenbank
  • Der Stamm vom Stamm-Verlag, Adressen als Tabelle/Datenbank
  • Der Verteiler-Service von News-Aktuelle (von der DPA), Adressen als Tabelle/Datenbank
  • Pressehandbücher von Kroll, alles Print, für relativ wenig Geld (gut 30,- Euro) kann man sich auch die kleineren Themenbroschüren besorgen.

Redaktionsadressen – kostenlose/-günstige Recherchemöglichkeiten

Regional bieten teilweise auch IHKen eigene Medien-Verzeichnisse kostenlos oder gegen eine kleine Schutzgebühr an. Beispielhaft genannt sei das …

Das ist zumindest interessant, wenn das Thema einen regionalen Zuschnitt hat.
Außerdem kann man sich im Netz einen Überblick über bestehende (Print- und Online-)Medien verschaffen: Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung und Verbreitung von Werbeträgern (IVW) ist die zentrale Stelle zur Prüfung von Auflagen und Reichweiten, die u.a. für die Anzeigenpreise ausschlaggebend sind. Auf der Webseite kann man Medien thematisch recherchieren und deren Bedeutung abgeschätzen. Allerdings stehen keine Kontaktdaten zur Verfügung.

Eine kleine PR-Perle im Netz ist die Webseite

Auch wenn sich die Datenbank auf Fachzeitschriften beschränkt, so dürfte sie doch zumindest für Sach- und Fachbücher eine ergiebige Quelle sein. Die Datenbank lässt sich nach Themen durchsuchen und liefert neben den Auflagen und Reichweiten häufig auch die Kontaktdaten des Mediums. Mit ein wenig Phantasie lassen sich ggf. auch andere Gattungen in Fachzeitschriften unterbringen:

Nehmen wir einen Krimi, bei dem der Gärtner ausnahmesweise nicht der Mörder ist, sondern die Gärtnerin ermordet wurde und der Inspektor Blumen über alles liebt. Mit dieser Rahmenhandlung könnte man durchaus über das Fachzeitschriftenportal die etwa 100 Gartenmagazine abklappern und den Redakteuren ein Rezensionsexemplar anbieten. Nicht ausgeschlossen, dass sich ein Redakteur über einen exotischen Gimmik als Seitenfüller freut, und auch die lesenden Gartenprofis interessiert es selbstredend brennend, wer zu solch einer Tat fähig sein könnte …

Ergebniskontrolle/Monitoring

Hier ist nicht der Platz, um eine Einführung in die Ergebniskontrolle zu liefern. Bei einer Aktion für ein einzelnes Buch ist das auch schlicht übertrieben. Im professionellen Bereich wird das Monitoring ohnehin von spezialisierten Dienstleistern (z.B. Landau-Medien im klassischen Bereich oder ethority im Web2.0) übernommen. So ganz unwichtig ist das Monitoring dennoch nicht, denn die Zahl der Rezensionen und die Stimmen der Kritiker sind für die weitere Arbeit natürlich enorm wichtig.
Bei klassischen Print-Medien kann man in der Regel um ein Belegexemplar bitten. Bei Online-Medien bieten sich viele Möglichkeiten an (auch hier ist die o.g. Excel-Liste oder Access-Datenbank wieder nützlich). Ein Einstieg in das Thema ist z.B. über folgende Beiträge möglich:

Es gibt unzählige weitere Berichte und Tools, die grundsätzlich nützlich sind, wenn es zum Beispiel ohne direkten Kontakt zu weiteren Buchbesprechungen kommt oder gar virale Effekte eintreten (Verbreitung über Mund-zu-Mund-Propaganda). Aber ganz ehrlich: Wir rechnen erst einmal nicht damit…

Media-Guidelines für Selfpublisher im Web

Ein paar Hinweise auf Media-Guidelines, weitere Tipps werden gerne aufgenommen:
Ein kleiner Check vom PR-Doktor, bevor man sich für das Bücher-Schreiben entscheidet.
Social-Media-Marketing für Autoren von XinXii
Smashwords Book Marketing Guide, auch als Download in verschiedenen Formaten
Buchmarketing-Forum von Books on Demand (BoD)
Marketing-Infos von Lulu, nicht sehr viel, allerdings einige Schreibcommunities, die ggf. interessant sind.
Epublizisten: Ein feiner Marketing-Blog für Selfpublisher von ePubli.

Fortsetzung (Social Media) folgt…


DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 08.Februar 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

Dokumentenplattformen im Überblick

Posted: Januar 24th, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Sharing | 8 Comments »

Dokumentenplattformen haben vor allem mit dem amerikanischen Anbieter Scribd einen Aufschwung erlebt und sind heute feste Größen im Web. Dabei ist der Übergang zu anderen Sharing-Plattformen wie Issuu für Magazine oder auch Filestoring-Diensten wie Box.net fließend. Im Gegensatz zu Selfpublishern bieten die Dokumenten-Plattformen allerdings keine Printversionen und auch keinen Vertrieb über den klassischen Handel an. Vorgestellt werden in diesem Beitrag die Anbieter Docstoc, Doktus, DoXtop, PEO, Txtr, Scribd und XinXii.

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Docstoc

Docstoc ist seit November 2007 auf dem Markt und wird seitdem als Hauptkonkurrent von Scribd gehandelt. Ebenso wie bei Scribd lassen sich bei Docstoc Dokumente in den verschiedensten Formaten (doc, xls, ppt, pps, pdf, rtf, txt, docx, xlsx, ppts) hochladen. Anschließend können die Dokumente online über einen Reader gelesen oder auch auf externen Seiten eingebettet werden:


Complete ACORN Baltimore Prostitution Investigation Transcript

Bislang wurden auf Docstoc ca. 11 Mio. Dokumente hochgeladen, wobei der Schwerpunkt auf Business- und Legal-Inhalten liegt. Die beliebtesten Dokumente weisen knapp 1 Mio. Views aus. Damit ist die Plattform zwar bereits recht groß, liegt insg. jedoch noch deutlich hinter Scribd, zumindest in Bezug auf die Anzahl der Views. Allerdings versucht sich Docstoc mit diversen Zusatztools abzuheben: Interessant ist z.B. die Synchronisationsfunktion oder die Möglichkeit, über DocCash mittels eingeblendeter Google-Adwords-Layern an Werbeeinnahmen zu partizipieren (50% gehen an den Autor).
Scribd und Docstoc haben in 2009 diametrale Strategien verfolgt: Beide haben einen Store zum Verkauf von Dokumenten eröffnet (Scribd im Mai 2009, Docstoc im August 2009). Scribd hat dabei Verträge mit verschiedenen namhaften Verlagen geschlossen und versucht nun über die inhaltliche Aufwertung einen ernstzunehmenden eBook-Store zu etablieren. Anders Docstoc: Die Plattform hat Verträge mit zahlreichen Dokumentensellern geschlossen und verbessert dadurch die Vertriebswege für die Inhalte der Uploader.
Glaubt man der Statistik von compete.com, so hat Scribd seit Mitte 2009 deutlich nachgelassen, während Docstoc leicht zulegen konnte und sich nun beide Plattformen auf einem ähnlichen Niveau bewegen:

Allerdings sind bei Scribd die Viewer-Zahlen bei eBooks nach wie vor deutlich höher als bei Docstoc. Zudem sind bei Docstoc leider nirgendwo die genauen Konditionen für einen Verkauf im eStore auffindbar.

Doktus

Doktus ist eine Dokumentenplattform mit Schwerpunkt auf Business-Dokumenten und Vorlagen. Ebooks finden sich hier nicht, allerdings verstreut etwas Literatur oder Ratgeber. Der Schwerpunkt liegt jedoch klar Gebrauchsdokumenten wie Kündigungsvorlagen etc., mit denen die Plattform eine beachtliche Leserschaft anzieht: Über 300.000 Views zählt das Top-Dokument auf Doktus.
Die Dokumente können per Flashpaper online gelesen werden, ein Einbetten in externe Seiten ist nicht möglich. Ebenso wenig bietet Doktus einen Verkauf für Uploader an, es gibt lediglich einen Store mit einigen Dutzend Profi-Vorlagen. Leider ist die Vorschau recht klein geraten und auch sonst mangelt es an weiteren Informationen (Verfasser?), sodass man die Katze im Sack kaufen muss. Kurios ebenfalls, dass Doktus ein recht eigenes Verständnis von Tagging mitbringt: Über die Tags erhält man nicht etwa weitere getaggte Dokumente, sondern es wird offensichtlich eine Suchanfrage mit dem Tag-Begriff generiert, die anschließend alles sinnige und unsinnige wieder ausswirft (”Roman” findet dann auch “necromancer”). Das mag zwar gut sein, um die Trefferzahlen zu erhöhen, aber nicht unbedingt, um passende Informationen zu finden…

DoXtop

Eine recht unbekannte Dokumentenplattform aus Deutschland ist DoXtop, die irgendwo zwischen Scribd und Issuu angesiedelt ist. Etwas mehr “Web-Publicity” hat DoXtop als Partner von dem online-basierten und recht bekannten feed-to-mag-Konverter Feedjournal erhalten, der an anderer Stelle bereits vorgestellt wurde. Die Plattform ist inzwischen mit über 11.000 Dokumenten gefüllt, während die Leserzahlen mit gut 5.000 an der Spitze noch steigerungsfähig sind. Dass DoXtop hierzulande nahezu unbekannt ist, spiegelt sich auch in den Dokumenten wieder: Fasst alle sind englischsprachig:

DoXtop zeigt sich mit einer Vielzahl von Funktionen auf der Höhe der Zeit: Communities, ein eigener Magazin-Bereich, Embedding, Statistik-Funktionen bis hin zu kollaborativen Workflows – so ziemlich alles wird aufgefahren. Allerdings ist die Plattform nicht ganz so übersichtlich und intuitiv in der Bedienung und ev. macht sich auch im Marketing bemerkbar, dass DoXtop eher das (sehr gute) Nebenprodukt eines Stuttgarter Software-Hauses ist, das sich ansonsten als Dienstleister z.B. im Bereich SharePoint bewegt. Trotzdem nicht ausgeschlossen, dass die Plattform noch einen späten Frühling erlebt, denn die Funktionalitäten überzeugen.

Peo

Peo ist eine weitere Dokumentenplattform aus Deutschland, die ähnlich wie XinXii einen Upload und Verkauf von Dokumenten und eBooks ermöglicht. Die unterstützten Formate sind pdf, txt, rtf und doc sowie die Bildformate jpg, gif und png. Ebooks erhalten von Peo kostenlos eine ISBN, außerdem bietet PEO den Autoren eine Unterstützung beim Layout an.
Im Gegensatz z.B. zu XinXii bietet PEO eine komplette Onlinevorschau aller (freien und sogar kommerziellen) Dokumente an. Hübsch ist zudem die Idee, aus den verschiedenen Kategorien Online-Magazine zu generieren. Zwar wirken einige Magazine wie Spielwiesen für Selbstdarsteller, andere – wie das Magazin für Theatertexte – kommen jedoch recht lebendig und gut gestaltet daher:

peotheater

PEO hat wohl eher ein Problem mit dem Marketing: Es wurden zwar bereits über 9.000 Dokumente hochgeladen, allerdings halten sich die Viewer-Zahlne mit etwa 7.000 an der Spitze noch in Grenzen.

Scribd

Die Dokumentenplattform Scribd aus San Francisco dürfte wohl jedem bekannt sein, denn in seinem dreijährigen Bestehen (März 2007) hat sich eine beachtliche Usergruppe gebildet und es gab viel Publicity im Web: Mit ein paar Klicks können Texte und Dokumente hochgeladen, anschließend über den Scribd-Reader gelesen und auf externen Webseiten eingebettet werden. Nach Scribd-Angaben wurden bislang ca. 10 Mio. Dokumente hochgeladen, das populärste Dokument zählt immerhin über 2 Mio. aufrufe (ein Data-Sheet vom USaid) und auch die diversen Communities auf Scribd weisen recht beeindruckende Zahlen auf. Zur Verbreitung (zumindest englischsprachiger) Dokumente dürfte die Plattform zusammen mit docstoc die erste Wahl sein:

World Population Datasheet 2007

Als Verkaufsplattform für Dokumente ist Scribd hingegen für deutsche Autoren noch nicht interessant: Der Store befindet sich derzeit noch in der Beta-Phase und ist nur in den USA verfügbar. Dort kann der Autor den Preis für den Verkauf – ähnlich wie bei den Self-Publisher-Verlagen – selbst festlegen und nachträglich anpassen. Von den Einnahmen erhält der Uploader einen Anteil von 80%. Hauptaugenmerk liegt bei Scribd jedoch auf eBooks, die er von Partnerverlagen erhält.

An Formaten akzeptiert Scribd die gängigen PDF-, Office- und Text-Dokumente. Ein Upload von Bildern ist nicht möglich, und leider wird auch das ePub-Format derzeit nicht mehr unterstützt. Das scheint vor dem Hintergrund des neu etablierten eBook-Stores etwas unverständlich, kurios wird es dadurch, dass Scribd über eine mobile-optimierte Webseite verfügt, über die jedoch nur “Smartphone-feindliche” Formate wie PDFs heruntergeladen werden können.

Trotz des Verbesserungspotentials: Scribd hat dem Dokumenten-Sharing in den letzten Jahren sicherlich einen großen Schub gegeben und zahlreiche ambitionierte Nacheiferer gefunden.

txtr

Das Startup txtr ist 2008 als einfaches Texterstellungs- und Verwaltungs-Tool angetreten. Die Grundfunktionalität – Texte erstellen resp. kopieren, in Ordnern sammeln und ggf. freizugeben – ist bis heute geblieben, mit einem zeitgemäßen Text-Snipper gab es einen netten Update, insgesamt hat sich die Plattform jedoch zu einem Online-Ebook-Store gewandelt, wobei txtr vor allem mit seinem eigenen Ebook-Reader für Aufmerksamkeit sorgte.

Txtr sticht vor allem durch ein sehr gutes und immer zeitgemäßes Web-Design hervor. Eigene Texte lassen sich hier jedoch nur bedingt verbreiten, sodass die Plattform für Selfpublisher allenfalls als Notizsammler in Frage kommt.

XinXii

XinXii ist eine etablierte, deutschsprachige Plattform, über die sich Dokumente jeder Art verkaufen lassen. Die Überschneidungen mit klassischen Selfpublisher-Verlagen sind groß, zumal auch eBooks mit ISBN und ebenso eMagazine veröffentlicht werden können. Wie bei allen Dokumentenplattformen ist jedoch keine Veröffentlichung von Print-Versionen auf XinXii möglich und die Dokumente werden auch nicht über klassische Vertriebswege wie dem Buchhandel verkauft, sondern nur über den XinXii-Shop, in dem zurzeit etwa 6.500 Dokumente angeboten werden. Bei den meisten Selfpublisher-Titeln dürften die Vertriebswege jedoch ohnehin keine große Rolle spielen: Allenfalls ist die einfache Verfügbarkeit über den Amazon-Account ein Plus (keine erneute Eingabe von Bankdaten, bekannter Anbieter etc.), aber den Verkauf anheizen dürften das nicht.

Auch bei XinXii legen die Autoren den Preis selbst fest, wobei je nach Publikationsart mehr oder weniger Freiheiten bestehen:

  • Bei Publikationen mit ISBN greift die Buchpreisbindung und nachträgliche Änderungen sind nicht mehr möglich;
  • Bei Publikationen ohne ISBN kann der Preis nachträglich geändert werden.

Vom Netto-Verkaufspreis erhalten die Autoren ein Honorar von 70%.

Der Publikationsprozess ist bei XinXii beschrieben und denkbar einfach: Man macht Angaben zu Titel, Untertitel und Inhalt, füllt ein Autorenprofil aus, gibt eine Kategorie an, setzt den Preis fest und lädt schließlich die Datei hoch. Bei den Eingabeformaten zeigt sich XinXii flexibel: Word-, Excel-, Power-Point und PDFs sind erlaubt. Bei den Ausgabeformaten kam Ende 2009 noch das ePub-Format hinzu, das allerdings bislang von den Autoren nicht in Anspruch genommen wurde.

Die eigene Saftbar - Ratgeber zum Aufbau einer Smoothie & Saftbar

Wie es um die Verkaufsaussichten steht, ist schwer einzuschätzen: Nach eigener Aussage hat XinXii pro Tag mehrere Tausend Besucher. Bei der Bestseller-Liste schwanken die Views zwischen ca. 43.000 (Platz 1, erstaunlich bei dem stolzen Preis von 23,80 Euro) und 460 (Platz 8). Der aktuelle Titel auf Rang 10 weist wieder über 6000 Views aus (alles Stand Jan. 2010). Die Conversation-Rate (Käufer im Verhältnis zu Besuchern) schwankt also stark und über die Verkaufszahlen kann man nur Vermutungen anstellen: Für Platz 8 wären 460 Verkäufe bei einer Conversation-Rate von 1:1 das Maximum, angesichts der ansonsten offensichtlich eher geringen Konversationsraten und einem sehr hochpreisigen Verkaufsschlager sollte man eher von einigen Dutzend Exemplaren bis max. niedrigen dreistelligen Zahlen bei den Bestsellern ausgehen (was für Selfpublisher allerdings schon einen beachtlichen Erfolg darstellt).

XinXii bemüht sich wie kaum eine andere Plattform um eine Präsenz im Social Web: Die Plattform ist von Twitter bis Facebook so ziemlich überall zu finden und animiert auch die Autoren zu einem Engagement im Netz. Damit setzt XinXii sicher auf den für Selfpublisher mit Abstand vielversprechendsten Ansatz. Zudem gibt es Embed-Funktionen, mit denen die Bücher auf externen Seiten beworben werden können (leider ohne Preview-Funktionen, generell kommt das “Eeinschnuppern” etwas zu kurz). Obwohl man allen Selfpublishing-Autoren grundsätzlich Bestseller-Träume ausreden sollte, kann sich für ambitionierte Schreiber die Frage nach der Vertriebsstärke der Plattform und der Verfügbarkeit des Titels stellen.


DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 24.Januar 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

Buchpublisher im Überblick

Posted: Januar 2nd, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Printing & Selling | 14 Comments »

Wer heute ein Buch publizieren will, trifft auch abseits der traditionellen Verlage auf ein reichhaltiges Angebot: Neben den etablierten Dienstleistern wie BoD in Deutschland oder Lulu aus den USA existiert eine Vielfalt an Nischenanbietern mit sehr unterschiedlicher Ausprägung. Dennoch findet man keinen Service, der alle Wünsche vereint oder durch Design und Funktionalität ähnlich zu überzeugen weiß, wie beispielsweise Issuu im Magazin-Sharing-Bereich. Einige neue Plattformen schicken sich jedoch an, diese Lücke zumindest teilweise zu schließen. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Selfpublisher und interessantesten Newcomer mit ihren Besonderheiten kurz skizziert und abschließend in tabellarischer Form grob verglichen. Detaillierte Beschreibungen einzelner Anbieter folgen in separaten Beiträgen.

Tweet &



Hinweis: Hier geht’s zu einer ergänzbaren Spreadsheet-Übersicht über Selfpublisher, initiiert von Christian Schulzki-Haddouti von Kooptech.

Amazon Digital Text Platform (Kindle)

Bereits seit 2008 online und dennoch weitestgehend unbekannt: Über die Digital Text Platform von Amazon kann man ohne Umwege seinen Text für den Kindle veröffentlichen. Für die Amazon-Plattform hat sich zuletzt eine SF-Autorengruppe in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion entschieden. Denn auch die Konditionen klingen im Vergleich zu traditionellen Verlagen zunächst verlockend: Ein Autorenhonorar von 35%.

adobe digital text

Dennoch bleibt der Bekanntheitsgrad der Plattform gering – und ein genauerer Blick macht die Gründe verständlich: Zunächst verspricht die Veröffentlichung für den Kindle zumindest in Deutschland noch keine große Zielgruppe, zumal auch der Kindle nicht ohne Konkurrenz dasteht. Weiter benötigt man für die Veröffentlichung eine amerikanische Sozialnummer (SSN) sowie einen amerikanischen Bank-Account – Nicht-US-Bürger bleiben also außen vor. Auch die Konditionen sind weniger gut, als es zunächst den Anschein hat: andere Selfpublisher gewähren bei Ebooks 50% bis 85% Autorenhonorar – freilich ohne die Vertriebskraft eines externen Händlers. Über externe Händler sinken auch bei anderen Anbietern die Honorare auf 20-40%. Nicht zuletzt lässt auch die Benutzerfreundlichkeit zu Wünschen übrig: Die Konditionen sind in einem Agreement mit entsprechend juristischen Formulierungen aufgelistet, aus den weit verzweigten FAQs wird man kaum schlau und schließlich wird eine html-Formatierung empfohlen, was für die meisten Autoren eine nicht unerhebliche Hürde darstellen dürfte. Nicht ausgeschlossen, dass Amazon mit der stiefmütterlichen Behandlung der Plattform Rücksicht auf seine Geschäftskunden demonstrieren will, die über eine starke Konkurrent durch den Buchhändler wohl kaum begeistert wären.
Update: Mitte Januar 2010 hat Amazon seinen Kindle-Store sowie auch die Digital Text Plattform für deutsche Autoren und Verlage geöffnet. Auf Lesen.net hat Thomas Knip einen ausführlichen Bericht über die Amazons DTP geschrieben.

Blurb

Der Selfpublisher Blurb aus den USA hat sich auf Bildbücher spezialisiert und dürfte in dieser Nische der bekannteste Anbieter sein.

blurb cover

Eine Übersicht gibt Auskunft über die Herstellungskosten, die je nach Format, Umfang und Auflage variieren. Ein 160-Seiten umfassendes Softcover-Buch kostet demnach ca. 21,- Euro, zzgl. Versandkosten von 5,- (standard) bis 28,- Euro (express).
Autoren können bei Blurb ihre Bücher verkaufen und ihr Honorar selbst bestimmen: es wird schlicht zum Herstellungspreis addiert. Hinzu kommt eine einmalige “processing fee” von 4,- Euro.
Blurb-Bücher haben keine ISBN und können daher nicht über den normalen Buchhandel erworben werden, sondern nur über den Blurb-Shop. Käufer aus Europa müssen daher recht hohe Versandkosten tragen oder (bei Standard-Versand) lange Lieferzeiten in Kauf nehmen.
Für die Herstellung bietet Blurb mit BookSmart ein eigenes kleines Layout-Programm an. Passende Templates können über QuickStart Books gezogen werden. Als Ausgabeformat gibt es über den Blurb-Shop lediglich Print-Bücher, keine e-Formate.
Für überforderte Autoren bietet Blurb ein Vereichnis mit Grafikern, Editoren etc. an, zudem gibt es ein recht reduziertes, aber dennoch lebendiges Forum.
Fazit
Ohne ISBN und Anbindung an den Buchhandel bleibt Blurb ein Nischenanbieter für Foto- und Design-Bücher für den Eigenbedarf. Das macht Blurb allerdings gut: Das Angebot ist einfach und klar, die Seite übersichtlich und gut gestaltet, die Hilfestellungen praktikabel. Wer ein Fotobuch oder ähnliches für den privaten Kreis erhalten will, ist hier richtig. Wer jedoch auf eine möglichst hohe Verbreitung oder einen Verkauf setzt, wird es mit blurb schwer haben.

BoD

BoD ist der älteste und wohl größte Selfpublishing-Dienstleister im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen wurde 1997 gegründet und führt heute über 20.000 lieferbare Titel, an anderer Stelle ist von 150.000 Titeln die Rede, was vermutlich die Backlisten einschließt, die BoD für diverse Verlage druckt.

bod cover

Den Autoren stehen drei Möglichkeiten offen:

  • BoD-Fun = 0,- Euro | Verkauf nur über den BoD-Buchshop ohne ISBN
  • BoD-Classic = 39,- Euro | Mit ISBN und Verkauf über Buchhandelspartner (u.a. libri und amazon.de)
  • BoD-Comfort = 399,- Euro | Zusätzliches Ansichtsexemplar vor Drucklegung und persönliche Beratung

Hinzu kommt eine monatliche Gebühr von 1,99 Euro für die Datenspeicherung. Für noch einmal 9,90 Euro ist das Buch auch in den USA, GB und Kanada (z.B. über Amazon.com) erhältlich.
Die Daten werden bei BoD hochgeladen, nur für die Comfort-Version können Manuskripte auch per CD eingeschickt werden. Für den Satz gibt es mit EasyBook ein eigenes kleines Layout-Programm.
Bei BoD legt der Autor den Buchpreis und damit sein Honorar über den Buchkalkulator selbst fest. Ein 200-Seiten-Buch kann beispielsweise für 12,90 und einem Autorenhonorar von ca. 10% verkauft werden. Für das Selbstmarketing können eigene Autorenseiten erstellt werden, außerdem wird ein Novitätenkatalog an den Buchhandel geschickt (unwahrscheinlich, dass der gelesen wird).
Fazit
BoD hat sich auf die Herstellung klassischer Print-Bücher spezialisiert und macht diesen Job gut. Andere Formate wie E-Books oder gar Mobil-Ausgaben für eReader oder Smartphones (z.B. ePub) sucht man allerdings vergeblich. Auch in Sachen Marketing bleibt die große Frage, wie man seine Zielgruppe erreichen soll: Eine Webseite zu starten ist ein guter Anfang und auch die angebotenen PR-Instrumente können ein wirksames Mittel sein. Die Chancen für Selfpublisher, in althergebrachten Medien Aufmerksamkeit zu finden, ist jedoch marginal. Vielversprechender sind Communities, Social-Media-Netzwerke und ähnliches – auf diesen Zug ist BoD bislang allerdings noch nicht aufgesprungen.

Bookoven

Das junge und spannende Startup Bookoven aus Kanada setzt vor allem auf kollaboratives Publishing und gefällt mit einem reduzierten, übersichtlichen Design.

bookoven cover

Die Plattform befindet sich noch im Entwicklungsstadium, hält aber bereits einige zentrale Features bereit:

  • Autoren können Texte hochladen und online editieren,
  • sie können andere Personen einladen und mit verschiedenen Rechten ausstatten,
  • sie können einzelne Snippets (Textbausteine) zur Überprüfung / zum Lektorat an die Community freigeben,
  • sie können abschließend das Buch online lesen lassen oder als ePup oder PDF downloaden.

Die Plattform ist bislang noch nicht kommerziell, allerdings arbeiten die Gründer an eine Book-on-Demand-Anbindung und dem Aufbau von Vertriebskanälen.
Fazit
Eine junge und noch recht unschuldige Plattform, die jedoch einiges an Potential birgt. Vor allem das Online-Editieren von Texten, die Online-Lesbarkeit, die Formatausgabe mit PDF und ePub und der kollaborative Ansatz könnte den Grundstein für eine neue Publishing-Plattform liefern, die frei vom Ballast älterer Selfpublishing-Tools ist und eine junge, online-affine und kollaborativ arbeitende Zielgruppe anspricht.

Bookriff

Einen völlig neuen Ansatz verfolgt das junge Startup Bookriff aus England: Texte oder Kapitel werden als “Riff” bezeichnet, die die registrierten User zu einem neuen Buch “mixen” können. Damit macht Bookriff nichts anderes, als vormals iTunes mit den CDs: Werke werden in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und vom User in Compilations neu zusammengesetzt (passend als Playlist bezeichnet). Allerdings konnte iTunes auf die Traditionen der Mixtapes, CD-Compilations und DJs aufsetzen – bei Texten haben sich diese Formen – natürlich auch aus Mangel an technischen Möglichkeiten – noch nicht etabliert.
Der Preis eines neu gemixten Buches hängt von den Herstellungskosten (Seitenumfang) und den Einzelpreisen für die enthaltenen Riffs ab. Die Urheber eines Riffs erhalten bei Verkauf ein Honorar, nicht jedoch die “Composer”.
Noch befindet sich die Plattform im geschlossenen Stadium, erste Einblicke gewährt ein kleines Video:

Fazit
Der Ansatz ist äußerst spannend und ebenso mutig, denn er verlangt den Autoren, Lesern und “Composern” viel Experimentierfreude ab. Interessant ist das Konzept vor allem für Autoren, die nicht gleich ein ganzes Buch veröffentlichen wollen, sondern ggf. nur Schnipsel, Kurzgeschichten oder Kapitel. Herausfordernd ist die Plattform sicherlich für Composer und Leser, die ihre Gewohnheiten umstellen müssen und sich ggf. als Content-DJ neu definieren können. Zwischen Autor und Leser einen neuen Mittler zu installieren, hat jedoch seinen Reiz.

Bookrix

Das Startup BookRix aus München bietet seinen Autoren zwar keine Kommerzialisierung und auch keine Printbücher an (von Einzelaktionen abgesehen), setzt jedoch umso mehr auf die Möglichkeiten des Webs: Das Sharing in der Community und die freie Verbreitung. Die Konditionen sind schnell erklärt: Nach der Registrierung ist für Autoren und Leser alles kostenlos: das Veröffentlichen, das Online-Lesen und das Downloaden.

Das angebotene Buchformat ist recht eigenwillig: Bei Bookrix-Büchern handelt es sich um HTML-Dateien und Media-Files, die in ein Zip-Archiv gepackt werden. Kein Wunder, dass Bookrix inzwischen auch das ebenfalls html/xml-basierte ePub-Format anbietet. Eine Distribution als Print-Buch oder PDF ist nicht im Angebot.
Die Stärke von Bookrix ist die Community: Bislang wurden etwa 15.000 Bookrix-Bücher von über 30.000 Mitgliedern veröffentlicht, der aktuelle “Bestseller” ist ein etwa 200 Seiten starker Manga, der in acht Monaten über 4.600 mal angeklickt wurde und über 600 “Sterne” erhielt. Neben der Community bietet BookRix Bücherregale, Empfehler-Funktionen und diverse Schreib-Wettbewerbe an. Die Zielgruppe ist überwiegend jung, die Publikationen oft nur ein paar Seiten lang, es dominieren Fantasy, Gedichte und Kurzgeschichten. Kein Ort für professionelle Ambitionen, aber ein hervorragender Ort für junge Hobby-Schreiber, die in einer zeitgerechten Weise Erfahrungen als Autor sammeln möchten.

epubli

Epubli ist der Selfpublish-Anbieter der Verlagsgruppe Holtzbrinck.

epubli

Die Plattform hat keine großen Besonderheiten, bietet jedoch alle Standard-Funktionen an: Bücher werden als PDF hochgeladen, anschließend mit einem Cover versehen und schließlich veröffentlicht.
An Kosten werden nur ein Pflichtexemplar zum Herstellerpreis sowie auf Wunsch der Kauf einer ISBN für 19,95 genannt. Zu den unterschiedlichen Vertriebskanälen gibt es keine Preisangaben (kostenlos?):

  • Ohne ISBN im epubli-Shop
  • Mit ISBN im Amazon-Marketplace
  • Mit ISBN im gesamten Buchhandel (amazon.de, buecher.de etc.)

Als Honorar erhält der Autor 75% der Gewinnmarge, anders ausgedrückt behält epubli von der Marge 25% ein, also ähnlich wie bei Fastpencil, Lulu und anderen Anbietern.
Als kleine Besonderheit bietet epubli eine Buchvorschau an, über die sich Käufer einen ersten Eindrück vom Buch verschaffen können. Leider lässt sich die Vorschau nicht extern embedden.
Fazit
Epubli ist ein relativ unspektakuläres, aber solides Angebot für Print-Bücher, das mit knapp 1.000 Publikationen (im Shop finden sich auch Publikationen des Dokumentenhändlers eload24) offensichtlich Zuspruch findet. Die Beschränkung auf Print-Formate lässt epubli vor allem als Alternative zu BoD erscheinen.

Fastpencil

Fastpencil ist eine junge Veröffentlichungsplattform mit viel Potential: Die Konditionen für Autoren bewegen sich im üblichen Rahmen, eine erfreuliche Besonderheit ist das kollaborative Arbeiten an Texten oder das Umschreiben von Klassikern ohne Verwertungsrechte. Ein noch erfreulicheres Tool hält Fastpencil für die Blogszene bereit: Inhalte können auf Knopfdruck per RSS importiert, neu sortiert und online editiert werden. Eine lang ersehnte Möglichkeit, sein Blog ohne viel Umstände in ein Print- oder Ebook zu verwandeln.

fastpencil cover

Der Gebührenkatalog sieht wie folgt aus:

  • Herstellerkosten für privaten Gebrauch ohne ISBN (ca. 7,80 für ein 200 Seiten s/w Paperback).
  • 9.99$ jährliche Bereitstellungsgebühr bei Verkauf des Buches
  • 19.99$ für ISBN und Vermarktung im eigenen Marketplace
  • 149.99$ für Distribution über Amazon & Co. im E-Book ODER Print-Format
  • 199.99$ für Distribution im E-Book UND Print-Format
  • 999.99$ für ein komplettes Betreuungspaket

Individuell können die Herstellungskosten über den Buchkalkulator ausgerechnet werden.
Das Autorenhonorar wird durch den selbst festgesetzten Buchpreis und den Distributionsweg bestimmt: Vom Ladenpreis werden die Herstellungskosten und ggf. 40% Händlerprovision abgezogen. Von der Marge erhält Fastpencil eine Provision von 25%.
Vertriebspartner für Print-Bücher sind unter anderem Amazon.com, Baker & Tailor, Barnes & Nobles sowie Ingram. Regionale Distributoren z.B. für den deutschen Markt sind leider nicht im Angebot. Ebooks werden in PDF und ePub geliefert und bei Amazon Kindle, Ingram Digital Network und einigen anderen amerikanischen E-Book-Sellern vertrieben. Die Distribution ist also derzeit noch auf den amerikanischen Markt ausgerichtet und für deutsche Autoren weniger attraktiv.
Fazit
FastPencil ist möglicherweise nicht der günstigste Anbieter, bietet jedoch einfache und transparente Konditionen. Interessant sind vor allem die Leistungen jenseits des Verkaufs: Der online-Herstellungsprozess macht es für webbasierte Inhalte sehr komfortabel und die Plattform ermöglicht kollaboratives Arbeiten – gute Argumente für Blogger und Webwriter. Auch die Nutzerführung, Formatausgaben und die Medienvielfalt sind ausgezeichnet. Bleibt abzuwarten, ob sich Pastpencil bald auch international aufstellt und die Distribution für deutsche Autoren attraktiver macht.

Fictionwise

Fictionwise ist kein Selfpublisher, sondern ein amerikanischer Audio- und Ebook-Publisher für Verlage oder Unternehmen, die mindestens 25 Titel über die Plattform anbieten möchten. Selfpublishing-Autoren könnten sich zwar zu diesem Zweck zu einem Kleinverlag zusammenschließen, allerdings publiziert Fictionwise nur englisch-sprachige Bücher, sodass das Angebot für deutsche Autoren ohne Relevanz ist. Da Fictionwise vor allem durch die Standard-Präsenz in der iPhone-Bibliothek Stanza bekannt ist, soll der Anbieter jedoch nicht unerwähnt bleiben. Interessierte können sich auf der Infoseite für Publisher über die Konditionen informieren.

GRIN

GRIN ist ein etablierter Selfpublisher im Hochschulbereich, der sich vor allem auf die Veröffentlichung von Abschlussarbeiten spezialisiert hat und zunehmend versucht, auch im Dissertationsbereich und aufwärts Fuß zu fassen. Viele Absolventen werden von GRIN bereits während der Schlussphase ihres Studiums aktiv angerufen und als Autoren angeworben.

grin cover

Die Publikation bei Grin ist kostenfrei, es können Printbücher und Ebooks veröffentlicht werden, Grin bietet den Autoren ein Honorar, gestaltet die Preise jedoch selbst. Entsprechend der klassischen Kalkulation bei Wissenschafts-/Pflichtliteratur geht man schon vorab von einem geringen Interessentenkreis aus und setzt daher die Preise hoch an. Mit einer Handvoll Exemplaren müssen die Kosten wieder eingespielt werden. Ein hoher Verkauf wird damit zwar schon vorab ausgeschlossen, ist jedoch statistisch ohnehin sehr unwahrscheinlich. Für 10,- Euro kann man seine Honorarrechte an GRIN abtreten. Andernfalls staffeln sich die Honorare laut Anbieter wie folgt (Prozent vom Nettoverkaufspreis = Buchhandelspreis abzgl. MwSt.):

  • Ebooks: 40% für Abschlussarbeiten und Diss.,
  • Ebooks: 35% andere Arbeiten,
  • Print-Buch: 10% für alle Arbeiten.

Arbeiten werden ab der Note 3 veröffentlicht. Die Texte können als Word, RTF und – falls qualitativ ausreichend – in PDF hochgeladen oder eingeschickt werden. Das Ausgabeformat für Ebooks ist PDF. Der Vertrieb von E-Books erfolgt über den GRIN-Shop sowie über Partnerseiten wie Zeit.de, Spiegel-Online oder Tagesspiegel. Der Buchvertrieb erfolgt u.a. über Amazon und libri.
Fazit
GRIN ist eine zeitgemäße Spielart des Universitätsverlages und seit Jahren offensichtlich erfolgreich aktiv. Der Verlag hat Elemente eines Selfpublishers, behält sich jedoch die Preisgestaltung vor. Er spricht eine spezielle Zielgruppe an und knüpft die Veröffentlichung mit der Mindest-Benotung an weitere inhaltliche Bedingungen. Für Seminar- und Abschlussarbeiten ist Grin eine interessante Option, im Dissertationsgeschäft tut sich der Verlag noch schwer, was sicherlich dem Renommee geschuldet ist, das sich Autoren über klassische Verlage z.T. teuer erkaufen. Für Autoren außerhalb des Universitätsbetriebs stellt der Verlag keine Option dar. Ein weiteres Angebot im Wissenschaftsbereich macht der vdm-Verlag, der allerdings noch nicht ganz auf ein klassisches Lektorat verzichtet und daher nicht als Selfpublisher gelten kann.

Lulu

Der amerikanische Selfpublishing-Service Lulu.com ist in über 80 Ländern vertreten und Marktführer auf seinem Gebiet.

lulu cover

Bei Lulu legt der Autor entweder den Buchpreis oder sein Autorenhonorar fest. Anschließend rechnet der Kalkulator den Buchpreis oder das Autorenhonorar nach folgendem Muster aus: Druckkosten + Bindung + Honorar + Lulu-Provision (= 25% des Honorars als Aufschlag) = Buchpreis.
Lulu stellt drei verschiedene Vertriebspakete zur Auswahl, die wahlweise eine Listung bei Amazon.com (expanded distribution: free), Amazon Marketplace (25,- $) oder zusätzlich in nationalen Amazon-Portalen plus weiteren Online-Shops (global distribution: 75,- $) ermöglichen. Das deutsche Vertriebspaket “Published-By-You Deutschland” existiert offensichtlich nicht mehr, sodass man ggf. die Global-Version erwerben sollte. Weitere Kosten entstehen durch ein (ggf. mehrmals) zu bestellendes Korrekturexemplar vor Freigabe der Druckdaten.
Die Buchdaten werden bei Lulu als PDF oder in verschiedenen Text-, Bild- oder Audioformaten hochgeladen. Für die Herstellung der Bücher bietet Lulu lediglich ein paar simple Word-Vorlagen an, den Rest muss der Autor selbst erledigen oder sich durch die ausführlichen FAQs durcharbeiten.
Große Vielfalt herrscht dagegen bei den Ausgabeformaten: Neben Kalendern, CDs oder Audio-Books bietet Lulu auch Ebooks im PDF-Format und neuerdings auch im ePub-Format an.
Im Bereich Marketing setzt Lulu auf die eigene Community mit Foren und Gruppen, die durchaus recht mitgliedsstark sind (bis zu 5000 User, im deutschen Forum kommen einzelne Threads auf mehrere tausend Klicks). Für das externe Marketing gibt es einen “buy now”-Button zum Einbinden in die eigene Webseite, Tipps für Suchmaschinen-Optimierung (SEO), FAQs zum Bloggen oder die Veröffentlichung von Pressemitteilungen.
Fazit
Lulu bietet als internationaler Marktführer ein breites Distributionsnetz und – soweit ersichtlich – gute Konditionen. Ein großes Manko von Lulu ist jedoch die völlig unübersichtliche Seitengestaltung: Informationen sind veraltet, widersprüchlich und in jedem Fall extrem schwer auffindbar. Die besten Konditionen mit dem sinnvollsten Vertrieb für deutsche Autoren sind auch im Forum niemandem so recht klar, und nicht einmal der Lulu-Mitarbeiter scheint die passende Antwort zu kennen. Ein weiteres (kleines) Manko ist das Fehlen von Service-Paketen, um z.B. überforderten Autoren die Formatierung abzunehmen. Dafür bietet Lulu jedoch eine große Vielfalt an Medien und Formaten an, vor allem das ePub-Format für E-Reader und Smartphones kann als großes Plus bewertet werden.

quillp

quillp ist ein junges Startup aus St. Gallen/Schweiz und streng genommen kein Angebot für Selfpublisher, sondern eine Mischung aus Leseplattform und Teststrecke für eigene Manuskripte. Für ihre eher skeptische Haltung gegenüber PoD-Verlagen führen die quillp-Macher gute Gründe an: Selbst publizierte Bücher seien für die Leserschaft mit durchschnittlich zwei verkauften Exemplaren schlicht nicht relevant. Statt der eigenen Buchveröffentlichung können die Autoren daher über quillp Texte hochladen und ihr Talent einem breiten Kreis von Lesern zugänglich machen – mit dem Ziel, dann doch von einem klassischen Verlag entdeckt zu werden.
quillp
Das Modell ähnelt in vieler Hinsicht dem weiter unten beschreibenen Ansatz von WeBook: Während dort jedoch Literaturagenten die Auswahl treffen und dementsprechend die Brücken zu den traditionellen Publishern bauen, sollen es bei quillp die Leser allein richten. Zwar besteht diese Leserschaft immerhin aus ca. 2.300 Mitgliedern. Allerdings wurden bislang nur etwa 10 Kommentare zu den knapp 250 Texten und Kurzgeschichten verfasst. Die übrigen Mitglieder scheinen sich mehr für die Publikationen der Verlage zu interessieren, die sie in ihr virtuelles quillp-Regal stellen können. Über die Anzahl der Views geben die Statistiken keine Auskunft.
Quillp ist seit Sommer 2008 live, hat in dieser Zeit jedoch offensichtlich keinen entscheidenden Impuls erfahren. Was nicht ist, kann natürlich noch werden, schließlich ist ein schlüssiges Vermittlungskonzept zwischen Schreibtalenten, Agenten und Verlagen wünschenswert. Nicht zuletzt haben Plattformen wie Myspace im Musikbereich gezeigt, dass der Weg über die Community zum etablierten Label erfolgreich sein kann. Nicht ganz verständlich ist jedoch die klare Ablehnung gegenüber dem Selfpublishing: Natürlich müssen die Möglichkeiten realistisch eingeschätzt werden, allerdings ist auch eine Veröffentlichung in einem Verlag noch lange keine Garantie für den Erfolg. Und überblickt man die Trends in Technologie, Marketing und Social Media, so dürfte das Selfpublishing zumindest für einige Autorenkreise eher an Bedeutung gewinnen.

Readbox

Readbox ist eine Lese- und Rezensionsplattform, die zahlreiche Bücher von Independent-Verlagen zum Online-Lesen und kaufen bereit hält. Über den Partnerverlag ruckzuckbuch.de bietet Readbox den Usern auch eine Veröffentlichung eigener Bücher an – allerdings bleibt der Publishing-Service absolutes Nebengeschäft, während sich die Readbox-Macher vor allem auf die Dateikonvertierung (auch als B2B-Service für Verlage) konzentrieren. Entsprechend bleibt Readbox hierzulande in Sachen Formatvielfalt ungeschlagen: Epub, Mobi, PDB und PDB, alles wird bedient. Ein weiterer Clou: Sämtliche Bücher können komplett online gelesen und sogar in externe Seiten eingebunden werden. Zwar ist die Embed-Box nicht sonderlich lesefreundlich – trotzdem geht Readbox damit einen ungewöhnlicher Schritt, der an Magazin-Plattformen wie Issuu erinnert und einen beträchtlichen Teil zum Erfolg dieser Plattformen beiträgt.

Preislisten für die Publikation eines Buches finden sich bei Ruckzuckbuch.de, und auch wenn einige Bücher von Readbox-Publishing zum Verkauf stehen, gibt es leider keine Informationen über eine Autorenbeteiligung, Distributionskanäle oder sonstige Konditionen.
Fazit
Das Online-Lesen und externe Embedden von Texten und Büchern ist ein Novum, das den anderen Buchpublishern fehlt und an das Angebot von populären Magazin-Plattformen wie Issuu erinnert. Ebenso ist die Formatvielfalt auf der Höhe der Zeit und den meisten anderen Anbietern in Deutschland weit voraus. Umso bedauerlicher, dass die Community mit etwa 550 Mitgliedern nach wie vor überschaubar ist und das Angebot für Selfpublisher eher dürftig bis undurchsichtig ist. Bleibt zu hoffen, dass die guten Ansätze von Readbox Schule machen und von etablierten Selfpublishern übernommen werden.

Smashwords

Smashwords ist eine reine Ebook-Publishing-Plattform aus den USA, die auf den ersten Blick wie ein Relikt aus den 90er Jahren wirkt. Auf den zweiten Blick hat es der Ebook-Publisher jedoch in sich: 85% Autorenhonorar bei dem Verkauf über Smashwords und bis zu 42% bei einer Distribution über Handelspartner wie Barnes&Nobles, außerdem eine Präsenz in den Bibliotheken von Stanza und eReader, die vor allem auf Smartphones wie dem iPhone weit verbreitet sind, und nicht zuletzt eine entsprechende Fülle an Ausgabeformaten von html über mobi bis ePub. Die Konvertierung läuft automatisch, als Eingabeformat akzeptiert smashword Word-Dokumente. Für die Formatierung gibt es einen Styleguide als freies (auch online lesbares) Ebook. Ein zweiter Guide befasst sich auf 30 Seiten mit dem Marketing für Ebooks – auch unabhängig von einer Smashword-Publikation eine lehrreiche Lektüre.
Fazit
Smashwords wirkt auf den ersten Blick altbacken, dürfte jedoch für reine Ebook-Publisher eine ausgezeichnete Alternative darstellen. Die Konditionen sind unschlagbar und auch die Formatauswahl und insbesondere die Präsenz in Handy-Bibliotheken überzeugen. Smashwords existiert erst seit März 2009, es bleibt abzuwarten, wie sich die Plattform in Zukunft entwickelt.

Tredition

Tredition aus Hamburg bezeichnet sich als Netzwerkverlag und bietet Autoren eine Veröffentlichung von Print-, Audio- und E-Books an. Über die angeschlossene Community von Fachleuten (Lektoren, Illustratoren etc.) können die Autoren Dienstleistungen dazu holen.

tredition cover

Die Publikation bei Tredition ist erst einmal kostenfrei und die Preise können vom Autor selbst festgelegt werden. Für E- und Audio-Books erhält der Autor bei einem Verkauf über den Shop von Tredition ein Honorar von 50%. Für den Verkauf von E- und Audio-Books über Partnerseiten fallen einmalig Kosten von 79,- Euro pro Titel an und der Autor erhält ein Honorar von 25%. Eine Liste der Partner-Plattformen findet sich in den FAQs von Tredition. Auch Print-Bücher sind kostenfrei, allerdings fällt ein Honorar erst nach Deckung der Verlagskosten an, alternativ kann man entsprechend viele Bücher als Eigenexemplare erwerben. Bei einem Buch mit 200 Seiten Umfang und einem Ladenpreis von 16,99 Euro erhält der Autor ab dem 26. Exemplar ein Honorar. Ob diese Zahl erreicht werden kann, hängt stark vom Thema und den Marketing-Fähigkeiten des Autors ab.
Fazit
Tredition bietet faire Konditionen, ist im Vertrieb innerhalb Deutschlands sehr stark aufgestellt und vor allem für Ebooks eine gute Option. Wer ambitionen hat, seine Bücher aktiv zu bewerben und das gute Distributionsangebot zu nutzen, dürfte hier richtig sein. Leider fehlen allerdings bislang noch Mobile-Formate wie ePub und Co. Weitere Kritik-Punkte: Tredition versucht vor allem über die kostenlos-Option zu punkten. Möglicherweise würde die Plattform jedoch besser fahren, wenn man am Design (nicht allzu ansprechendes Standard-Cover, mäßiges Look&Feel der Plattform), den Eingabeformaten (RSS-Import für Blogger), der Herstellung (Online-Editor) und dem Marketing (z.B. kostenloses Sharing und Embedding wie bei Readbox) arbeiten würde. Angesichts des insgesamt eher mageren Angebots für deutsche Autoren gäbe es mit solchen Service-Leistungen und technischen Zusatzoptionen noch viele Möglichkeiten, sich von den Mitbewerbern abzusetzen. Ein “Einstieg in den Preiskampf” ist aus meiner Sicht bei den Marktvoraussetzungen nicht unbedingt nötig.

WeBook

Die New Yorker Plattform WeBook ist kein Selfpublisher, trotzdem in diesem Zusammenhang eine erwähnenswerte Spielart: WeBook ist eine Schreiberplattform von Literaturagenten, über die Autoren bei Gefallen auch veröffentlichen können. Faktisch wird damit das Lektorat durch Agenten ersetzt, wovon der Autor erst einmal wenig hat, außer möglicherweise eine noch kritischere Kontrollinstanz, im positiven Fall jedoch auch Kontakte zur klassische Verlagsszene. Sinn und Zweck der Plattform ist das kollaborative Schreiben und die Möglichkeit, über ein professionelles Feedback sein Talent zu entwickeln und das Schreiber-Handwerk zu erlernen. Wohl nicht zufällig ist dieses Modell im angloamerikanischen Raum entstanden, wo die Schreibkunst immer professioneller (auch) als Handwerk gelehrt wurde.

Auf einen Blick: Spezialisierung, Kosten, Honorar, Specials

*Die Tabellen sind noch nicht vollständig und “geproofed”, Korrekturen und Ergänzungen bitte in den Kommentaren.

Anbieter Spezialisierung Kosten Honorar Specials
blurblogo Bildbücher (Fotographie, Hochzeit, Reise etc.) Beispiel: 160 S. softcofer = 21 Euro + Versand aus USA (5,- bis 28,- Euro) + 4 Euro processing fee. Vom Autor selbst bestimmbar (Marge) keine
bodlogo Print-Bücher, alle Genre Fun: 0,- Euro
Classic: 39,- Euro
Comfort: 399,- Euro
Gebühr (montl.): 1,99 Euro
Vom Autor selbst bestimmbar (Marge) Eigenes Formatierungs-Programm
bookovenlogo Webbücher (html, PDF, ePub), alle Genre Kostenlos Kein Verkauf Online Editor, kollaboratives Schreiben.
bookrifflogo Alle Genre Kostenlos Honorar geplant Derzeit noch Einladung nötig. “Composer” können aus Texten (”Riffs”) eigene Bücher zusammenstellen
bookrixlogo Webbücher Text, Bild und Audio, Hobby-Autoren, u.a. Fantasy, Manga, Shortstories Kostenlos Kein Verkauf Bücher sind online/offline frei lesbar
logo_epubli Printbücher, alle Genre 1 Exemplar zu Herstellerkosten, 19,95 für ISBN Buchpreis selbst festlegbar, 75% Honorar von der Gewinnmarge. Online-Vorschau einzelner Seiten und Kapitel für Käufer
fastpencillogo Print und Ebooks, alle Genre Privatausgabe: Herstellungskosten
Gebühr (jährl.): 9,99$
ISBN + interner Shop: 19,99$
Print oder eBook über Handel: 149,99$
Print und ebook über Handel: 199,99$
Komplett-Betreuung:999,99$
Selbst festlegbar (25% der Marge geht an Fastpencil) Online-Editor, Import von Bloginhalten (RSS), Umschreiben von Klassikern
grinlogo Print- und Ebooks, wiss. Abschlussarbeiten ab Note 3 kostenlos Ebook: 40% (Abschlussarbeit und Diss) / 35% (Andere)
Printbuch: 10% (jew. Nettoladenpreis)
Preisgestaltung nur durch Verlag
amazonlogo Nur Ebooks (Kindle) über Amazon Kostenlos Preis selbst festlegbar, 35% Autorenhonorar Amerikanische Sozialnummer und Bankkonto nötig. HTML-Formatierung empfohlen.
Lululogo Print, Ebooks, Audio, Kalender, alle Genre Korrekturexemplar zu Herstellerkosten
Market-Reach (Amazon Marketplace und Ebay): 25,-$
Extended Reach (Amazon.com): 0??
Global Reach (Amazon.de etc.): 75,-$
Preis selbst festlgebar, Lulu erhält 20% vom Profit Große Community
readboxlogo Print und Ebooks, alle Genre Konditionen bei ruckzuckbuch.de einsehbar. Keine Angaben Bucherstellung von externem Dienstleister, eigene Lesecommunity, alle ebook-Formate, Bücher online lesen und extern embedden.
smashwordslogo Nur Ebooks, alle Genre Kostenfrei. Verschieden Formatierungspakete im Angebot. Smashwords: 85%, Händler: bis zu 42% Alle Ebook-Formate, freier Style- und Marketing-Guide
treditionlogo Print, ebook, Audio, alle Genre, auch Science. Print: Kostenlos. 79,90 für E-Book-Vertrieb bei Handelspartnern. Div. Service-Packete zum Verkauf. Preis selbst festlegbar. E- und Audio-book: 50% bei Verkauf über Tredition, 25% bei Verkauf über Partner. Print: Honorar nach Deckung der Verlagskosten abhängig vom Buchpreis. Gut im Vertrieb aufgestellt, insb. im ebook-Bereich. Mit Dienstleister-Community.

Auf einen Blick: Formate und Vertrieb

Anbieter Eingabeformat Ausgabeformat Vertrieb
blurblogo PDF (per InDesign-Templates oder Blurb Formatierungs-Programm) Print (Softcover, Hardcover) Ohne ISBN, nur Blurb-Shop
bodlogo Doc, PDF Print (Softcover, Hardcover) Fun: BoD-Shop ohne ISBN
Classic/comfort: Deutscher Buchhandel (Amazon/libri etc.)
+9,90 Euro: Händel US, Kanada, GB
bookovenlogo Online Editor, Import von docx und txt PDF, ePub, html, Print geplant Nur bookoven, Vertrieb über Handel geplant
bookrifflogo ??? Print (Softcover, Hardcover), Ebook Vertrieb geplant
bookrixlogo PDF, doc, div. Audio-Formate etc. Bookrix-Format (html), ePup Nur über Bookrix
logo_epubli PDF Print epubli-shop, Amazon-Marketplace, Deutscher Buchhandel (Amazon.de etc.)
fastpencillogo Div. Formate, insb. RSS, Online-Editor Print, PDF, ePub Fastpencil, Externe Händler (Amazon & Co.), keine deutschen Händler
grinlogo Doc, PDF Print, PDF Print: Grin, Amazon, Libri / Ebook: Grin, Spiegel, Zeit, Tagesspiegel etc.
amazonlogo html empfohlen Kindle Format Amazon
Lululogo PDF? Doc? Print, CD-ROM (z.B. Audio), PDF, ePub Amazon Marketplace, Ebay, Amazon.com, Amazon.de und div. Händler.
readboxlogo PDF Print, alle eBook-Formate von PDF über ePub bis mobi Nur Readbox?
smashwordslogo Doc Nur Ebooks, alle Formate von html bis epub Smashwords und diverse Retailer wie Amazon und Barnes&Nobles.
treditionlogo PDF, Doc Print, CD-ROM, PDF Nahezu alle deutschen Buch und ebook-Händler

* Ggf. folgt noch eine Tabelle zu Verwertungsrechten und Digital Right Management (DRM).

Linktipps

  • Christiane Schulzki-Haddouti von Kooptech mit einer offenen Vergleichstabelle zu Publishing-Plattformen.
  • Interessanter Vergleich zu den Produktionskosten von Lulu, Tredition, ebubli und BoD im Carecas Blog
  • U.a. Vergleich der Druckqualität von Lulu, BoD und epubli (Erfahrungsbericht) im Carecas Blog
  • U.a. eine Sammlung von Erfahrungsberichten mit verschiedenen Selfpublishern: Wege-zum-Buch.de

DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 02.Januar 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

Mobile Publishing

Posted: Dezember 6th, 2009 | Author: Schuermanns | Filed under: Converting | 6 Comments »

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Publizieren für Smartphones, insbesondere dem iPhone. Nach einer kleinen Einführung über die Bedeutung von Smartphones als eReader folgen Tools und Praxis-Tipps für Selfpublisher: Wie optimiere ich meine Homepage für das iPhone? Wie konvertiere ich mein Feed in Mobile-Formate? Welche Möglichkeiten gibt es für Word-Dokumente? Welche Konvertierungsmöglichkeiten gibt es für andere Formate? Was verbirgt sich hinter dem derzeit so populären ePub-Format? Der Beitrag ist ein erster Entwurf und wird künftig ergänzt und überarbeitet.

Tweet &

Lesen auf dem Handy?!

Wie jetzt, lesen auf dem Handy? Das mag für viele unvorstellbar sein, und doch hat sich das Handy inzwischen zu einem ernstzunehmenden E-Reader etabliert. In Asien gehören Handy-Romane schon länger zum Alltag und als Ursprungsland gilt allgemein Japan, genauer gesagt das Tokioter Hip-Viertel Shibuya (Pizzicato-Five-Fans werden es kennen), wo ein junger Autor mit “Deep Love” den ersten Bestseller aus seinem Handy-Roman machte. Auch China dürfte angesichts der großen Bedeutung des Internets für den Publishing-Sektor seinem Nachbarn in Sachen Mobile Reading kaum nachstehen.

In der westlichen Welt schickt sich vor allem das iPhone an, den neuen eReadern wie Kindle & Sony die Show zu stehlen und das Mobile Reading zu etablieren – das zumindest wurde im November von einigen Experten hochgerechnet: Danach dürfte sich der Kindle im Jahr 2009 etwa 3 Mio. mal in den USA verkaufen; dem stehen weltweit knapp 60 Mio. iPhones und iPodTouches gegenüber. Und auch der eBook-Download boomt: Im September 2009 wurden erstmals mehr eBooks als Games auf dem Handy heruntergeladen, das verkündete Ende 2009 die Mobile Analytics Company Flurry).


Nun leben und publizieren wir jedoch nicht in den USA, Japan oder China, und Deutschland ist bekanntermaßen in digitalen Angelegenheiten äußerst konservativ: In diesem Jahr hat das GfK erstmals Daten zum Kauf von eBooks (allg.) veröffentlicht und dabei kam man im erste Halbjahr 2009 auf gerade einmal 65.000 Downloads (hier geht’s zur Zusammenfassung der Studie). Zum Download von eBooks auf dem Handy sind mir bislang keine Zahlen für Deutschland bekannt. Doch die Verbreitung des iPhones ist auch hierzulande recht hoch: Bis Juni 2009 wurden etwa 620.000 iPhones in Deutschland verkauft. Und vielleicht liegt gerade hier die Chance für Self-Publisher: Denn wer hierzulande den ersten Mobile-Bestseller schafft, dem dürften massenhaft Presseberichte gewiss sein. Doch wie stellt man das richtig an?

Womit liest man auf dem Smartphone?

Leser nutzen verschiendene Programme und Applikationen, um Inhalte und eBooks auf Smartphones wie iPhone, Blackberry & Co. zu lesen – und ein Selfpublisher sollte eine Vorstellung von den Lesegewohnheiten seiner Zielgruppe haben. Populäre Möglichkeiten sind derzeit:

  • Webbrowser: Selfpublishing kann natürlich auch ausschließlich über Webseiten (Blogs & Co.) stattfinden. Diese Inhalte werden dann über den Web-Browser des Mobile-Gerätes betrachtet. Auch dabei gibt es etwas zu beachten, dazu unten mehr.
  • Kindle for iPhone: Die iPhone-App von Amazons E-Reader “Kindle” ist erst seit März 09 auf dem Markt. In Deutschland kann man diese Software-Applikation bislang nur über Umwege nutzen.
  • Stanza: Mit 2 Mio. Usern und 12 Mio. Book-Downloads im Juli 09 ist Stanza wohl die ebook-Software der Wahl für das iPhone. Stanza wurde im April 2009 von Amazon (Kindle) übernommen.
  • Barnes & Noble Bookstore App: Auch der größte Bookstore B&N ist mit einer App für das iPhone vertreten, die in Deutschland bislang jedoch nicht nutzbar ist (sprich: es sind keine eBook-Downloads möglich).
  • eReader: Diese App gehört zu B&N, unterstützt allerdings nur das recht exotische PDB-Format. Auf der Seite von eReader gibt es eine ausführliche Beschreibung, wie man eigene Inhalte zur Verfügung stellt. Außerdem gibt es ein E-Book-Studio zur Erstellung eigener Bücher.
  • Mobipocket: Hat man nicht nur das iPhone im Blick, sondern will auch andere Smartphones wie Blackberry, Palm oder Windows Mobile bedienen, kommt die Reader-Software Mobipocket mit dem mobi-Format ins Spiel. Mobipocket gehört ebenfalls zu Amazon.

Das richtige Format

Die kleine (und unvollständige) Liste oben macht es deutlich: Bei Smartphones herrscht der gleiche E-Book-Format-Krieg, wie bei den E-Readern Kindle, Sony & Co. Je nach Zielgruppe sollte man diesen Formatkrieg jedoch ein stückweit mitmachen: Bei Business-Büchern verzichtet man nur ungern auf das Blackberry und das damit verbundene mobi-Format, bei jungen Zielgruppen dürfte man ohne das iPhone und dem ePub-Format kaum eine Chance haben, und obgleich man das Exoten-Format PDB am liebsten überspringen würde, macht die Beliebtheit der eReader-Software einem das Leben schwer.
Die Formatvorlieben finden ihre Fortsetzung (oder ihren Ursprung) bei den klassischen E-Reader: Mobipocket ist das Hausformat von Amazon’s Kindle, während fasst alle anderen Reader (Sony, Hanlin, etc.) das offene ePub-Format unterstützen. Bevor es dem Leser an dieser Stelle zu viel wird: Glücklicherweise gibt es inzwischen einige Tools und Plattformen, mit denen auch Selfpublisher die wichtigsten Formate erstellen lassen. Im Folgenden werden verschiedene Ausgangssituationen und dazu passende Lösungen dargestellt.

Ich publiziere auf meiner Website. Wie optimiere ich die Seite für Mobile?

Eigentlich die beste Lösung: Das Manuskript im Web! Hat man die Seite selbst gehostet, kann man sie über verschiedene Tools leicht optimieren. Ist man jedoch bei einem Bloghoster (twoday, blogger und co.), hat man u.U. Pech gehabt. In diesem Fall muss man darauf vertrauen, dass iPhone-Nutzer beispielsweise die iPhone-App Instapaper kennen, mit der sich Webseiten bookmarken und optimiert lesen lassen.
Wer Wordpress benutzt, der kann auf eine der zahlreichen Mobile-Optimierungs-Plugins zurückgreifen. Eine aktuelle Übersicht (Nov. 09) von acht Wordpress-Plugins hat Tech-Zoom-In erstellt. Ein ebenso lesenswerter Beitrag über die Optimierung von Webseiten für Mobile findet sich im open forum (Nov. 09). Hier wird vor allem der Service Mobify angepriesen, der sowohl mit Wordpress, als auch mit anderen Seiten läuft. Die Case Studies sind wirklich beeindruckend und offensichtlich lässt sich die Optimierung leicht bewerkstelligen: Man legt bei Mobify einen Account an, gestaltet seine Seite mit ein paar Mausklicks neu, und anschließend werden Anfragen von Mobile-Applikationen automatisch auf die Mobify-Version seiner Seite umgeleitet (beispielsweise h**t://diyg.mobify.com).

Ich habe einen RSS-Feed. Wie mache ich daraus ein ePub?

Zwei Möglichkeiten:

  • Feedbooks: Über diese Plattform lassen sich RSS-Feeds in verschiedene Formate umwandeln: ePub (z.B. iPhone und Sony), Mobipocket (Kindle) und PDF (universell). Wie es funktioniert, ist in einem anderen Kapitel kurz beschrieben. Der große Vorteil: Feedbooks ist in der Stanza-Bibliothek für das iPhone gelistet, man kann also seine Publikationen ohne Umwege auf das iPhone bringen. Ob auch die per Feeds eingespielten und gewandelten eBooks in der Bibliothek gelistet werden, kann ich nicht prüfen, man kann jedoch davon ausgehen.
  • Zinepal: Dieser Webdienst ist eine Erweiterung der bekannten Feed2Mag-Dienste wie Tabbloid, Feedjournal & Co. Zinepal liefert jedoch nicht nur ein PDF, sondern bietet auch ein Mobipocket und ein ePub-File zum Download an. Ob sich das ganze gut im iPhone lesen lässt, müsste getestet werden. Der Vorteil ist sicher, dass auch Bilder importiert werden, der Nachteil möglicherweise, dass die Navigation erschwert ist. Die Satzqualität des PDFs ist vergleichbar mit Tabbloid – und auch hier gibt es leider keine Kontrollmöglichkeiten über den Output. Wer das ePub-Format etwas kennt (kurze Erklärung ganz unten), kann die Datei jedoch auch nachträglich anpassen (z.B. das CSS-Stylesheet). Eine Anbindung an eine iPhone-Bibliothek besteht nicht, man müsste das ePub also z.B. per Stanza separat zur Verfügung stellen.

Ich habe ein Word-Manuskript. Wie mache ich daraus ein Mobile-Format?

Auch hier gibt es wieder verschiedene Möglichkeiten:

  • Stanza: Eine Möglichkeit ist die Desktop-Application von Stanza. Damit können u.a. Word-Dokumente in verschiedene Formate konvertiert werden.
  • Calibre: Calibre ist eine E-Book-Bibliothek als Desktop-Anwendung, die zusätzlich eine umfangreiche Konvertierung von verschiedenen Formaten zulässt und (über eine etwas kompliziert wirkende Prozedur) auch mit Stanza synchronisiert werden kann. Der Stanza-Anbieter lexcycle schreibt auf seiner Seite, dass die Desktop-Anwendung Calibre derzeit noch einen besseren Job macht, was die Beibehaltung von Formatierungen angeht. Calibre ist sicherlich derzeit das Tool der Wahl, wenn es um die Vorbereitung auf die Mobile-Welt geht.
  • Feedbooks scheidet als Tool leider aus, denn es lassen sich keine Dokumente importieren. Man müsste also die Texte mühsam in den Online-Editor kopieren und so sein Buch erstellen.
  • Apose Word-Plugin: Es gibt seit kurzem ein Plugin für Word, mit dem sich Dokumente in das ePub-Format speicher lassen. Für den Download muss man sich allerdings registrieren und diverse Angaben machen, die man natürlich auch fantasieren kann. Laut Forendiskussion funktioniert das Plugin gut.

Ich habe ein anderes Format, wie konvertiere ich das?

Es gibt zahlreiche weitere Konvertierungstools, die kaum einen Wunsch offen lassen. Eine gute Liste hat Lexcycle (Stanza) auf seiner Seite zusammengestellt. Neuerdings bietet auch Buzzwords von Adobe eine Speicherung von Dokumenten in ePub an. Angesichts der vielen Möglichkeiten ist das allerdings nur eine von vielen Möglichkeiten.

Welche Selfpublishing-Verlage und Verkaufsmöglichkeiten gibt es?

In einem Podcast hat der Autor Oliver Bendel über seine Erfahrungen mit dem Handy-Roman-Verkauf berichtet. Bendel publiziert über den Österreichischen Mobile-Ebook-Verlag blackbetty. Der Verlag nutzt die Pay-Gewohnheiten der jungen Zielgruppe und lässt die Leser über eine Nummer (ähnlich dem kostenpflichtigen Klingelton-Download) bezahlen. Die Konditionen klingen allerdings mager: Gerade einmal 10% Honorar erhält der Autor, also ähnlich wie mit Print-Büchern in klassischen Verlagen. Blackbetty ist kein Selfpublisher-Verlag: Manuskripte werden normal eingesand und nach klassischen Verlagskriterien ausgewählt.

Selfpublisher-Verlage, die Mobile-Formate anbieten, sind u.a.:

  • Xinxii: Auf der Xinxii-Plattform kann man Dokumente neuerdings auch im EPub-Formate hochladen und zum Verkauf anbieten.
  • Bookrix: Auch die Selbpublisher-Plattform Bookrix bietet inzwischen das ePub-Format an. Über Bookrix lassen sich Bücher allerdings nicht verkaufen.
  • Readbox: Der Anbieter Readbox zählt hierzulande zu den Mobile-Spezialisten, entsprechend können dort alle Bücher auch in Mobile-Formaten erworben werden. Readbox kooperiert mit Verlagen, bietet jedoch auch eine freie Publikationsmöglichkeit an.
  • Tredition: Vereinzelt können auch Bücher des Selfpublisher-Verlags Tredition über die Readbox-Plattform erworben werden, so hätte man auch hier grundsätzlich die Möglichkeit zum Mobile-Publishing.
  • Lulu: Auch der Marktführer (?) Lulu bietet seit November den Upload und Verkauf des ePub-Formats an.
  • Weitere? Bitte ergänzen

Die Vertriebskanäle und Verkaufsmodelle (Mobile-Payment?) sind im Einzelfall noch unklar.

EPub selbst erstellen

Grundsätzlich gibt es inzwischen so viele Tools, dass man sich über das ePub-Format keine Gedanken mehr machen muss. Trotzdem kann etwas Hintergrundwissen nützlich sein: EPup ist ein Datei-Archiv, ähnlich wie zip (winzip) oder gz (winrar). Und tatsächlich kann man eine ePup-Datei schlicht umbenennen (Endung .gz/.rar anhängen) und anschließend mit dem entsprechenden Programm entpacken. So erhält man drei Dateien bzw. Ordner:

  • mimetype: In dieser Datei stehen lediglich zwei Wörter, die dem Reader den Dateityp verrät (z.B.: application/epub+zip)
  • META-INFAuch in diesem Ordner befindet sich oft nur eine XML-Datei, die dem Reader kurz erklärt, wo sich die Inhalte des ebooks befinden.
  • Ops In diesem Ordner befinden sich die eigentlichen Inhalte. In einem separaten Ordner werden die Bilder abgelegt, die Text-Inhalte befinden sich in einer html-Datei, für Typographie und Layout gibt es eine eigene CSS-Datei, das Inhaltsverzeichnis wird in der Datei toc.ncx abgelegt, während schließlich die Content.opf Meta-Daten (Autor, Genre etc.) sowie die Pfade zu den übrigen Dateien enthält.

Wer schon einmal eine Word-Datei als html oder filtered html gespeichert hat, dem ist dieses Prinzip nicht ganz fremd. Wer sich zudem mit html und css auskennt, der dürfte keine großen Probleme haben, die ePup-Datei nach seinen Wünschen zu editieren und beispielsweise Meta-Daten zu ergänzen oder Schriftarten zu ändern.
Es gibt im Netz zwei Anleitungen, wie ePub-Dateien händisch hergestellt werden können. Das mag heute nicht mehr sinnvoll sein, zum besseren Verständnis sind beide Beiträge jedoch empflohlen:

  • jedisaber Eine ausführliche und gut verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitung zu ePub.
  • Der ePub Format Construction Guide ist deutlich knapper und eher für Leute mit umfangreicheren Vorkenntnissen in html und CSS geschrieben.

Weitere Lesetipps

  • Jan Tißler hat im Upload Magazin einige Vorüberlegungen zum Mobile Publishing angestellt.
  • Manybooks: Gute Quick Instructions und Software-Übersicht für alle Ausgabegeräte (von iPhone bis Kindle).
  • Lexcycle/Stanza: Eine gute Übersicht über Konvertierungs-Tools und Plattformen für Mobile-Formate.
  • CNET: Etwas älterer Vergleich zwischen den drei dominierenden iPhone Readerapps Stanza, eReader und iPhone for Kindle.
  • to be continued…

DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 06.Dezember 2009 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.