Buchpreise – Teuer, günstig oder kostenfrei?

Posted: März 15th, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Printing & Selling | 1 Comment »

Noch vor wenigen Jahren war die Frage der Preisbildung und Verkaufsstrategie bei Büchern schnell geklärt: Fachbücher werden teuer verkauft und am besten direkt vertrieben, Belletristik wird günstig und in möglichst großer Stückzahl über den Buchhandel abgesetzt. Und umsonst – klar – gibt es natürlich überhaupt nichts. Mit der Digitalisierung änderten sich die Verhältnisse jedoch: Den Anfang machte die Musikbranche mit dem mp3-Format und der entstehenden Sharing-Kultur – und mit dem Boom der E-Book-Formate hat der Wandel nun auch die Buchbranche erreicht. Dabei sorgt jedesmal der Fall der Kopier- und Verbreitungskosten von digitalen Produkten für Druck auf Labels, Verlage und Kreative. Wie also in diesem Umfeld eine passende Preis- und Verkaufsstrategie finden? Auch Selfpublisher sollten sich mit diesen Fragen beschäftigen, da sie die Preise und Strategien für ihre Bücher meist selbst festlegen…

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Über Buchpreise und Verkaufsstrategien

Die Preisfindung und Verkaufsstrategie für Bücher ist eigentlich recht simpel: Man schaut sich das Thema des Buches an, bestimmt die Zielgruppe resp. Verkaufsaussichten und legt schließlich den Preis mit der größtmöglichen Gewinnspanne fest. Das entscheidende dabei sind die Zielgruppen und die Verkaufsaussichten:

  • Ist die potentielle Zielgruppe sehr klein, klar definiert und herrscht ein hoher Informationsbedarf, dann verkaufe ich das Buch i.d.R. zu einem hohen Preis. Bei kleinen Zielgruppen rechnet man mit geringen Auflagen und einem kalkulierbaren Mindestabsatz, über den die Produktionskosten wieder hereingeholt und der Gewinn erwirtschaftet werden muss. Zumal finden sich in der kleinen Zielgruppe – sofern meine Informationen relevant sind – immer eine handvoll Käufer, die bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen, während sich andersherum der Käuferkreis durch einen niedrigeren Preis nicht signifikant vergrößern lässt. Klassische Beispiele sind wissenschaftliche Bücher oder Special-Interest-Titel. Der Buchhandel spielt in diesem Bereich keine Rolle, da eine kleine und klar definierte Zielgruppe mit wenig Aufwand direkt erreicht werden kann.
  • Ist die potentielle Zielgruppe eher groß, unklar umrissen und herrscht kein Informationsbedarf, sondern eher ein “Vergnügungswunsch”, dann werden die Bücher i.d.R. zu einem niedrigen Preis und in hoher Stückzahl angeboten. Das betrifft natürlich vor allem Romane, Krimis, Kochbücher etc., bei denen eine undefinierte “Masse” vergnügungswilliger Leser über den Buchhandel angesprochen und über das Marketing zum Kauf verführt werden muss. In der riesigen Konkurrenz kann ich nur über niedrige Preise bestehen und auf einen Gewinn durch zahlreiche Verkäufe hoffen. Ein Risikogeschäft, versteht sich…

Noch einmal als Tabelle: (spaltenweise gelesen)

Spezielles Thema kleine, definierte Zielgruppe hoher Informationsbedarf kleine Auflage / wenige Verkäufe hoher Preis
Allgemeines Thema große, undefinierte Zielgruppe kein Informationsbedarf sondern Vergnügen hohe Auflage / viele Verkäufe niedriger Preis

Kostenlos gibt es natürlich nichts, abgesehen von Aktionen wie “Eine Stadt. Ein Buch“, bei der in Wien jedes Jahr 100.000 Gratisexemplare eines ausgewählten Buches verteilt werden. Das aber nur am Rande…

Print-Buch und E-Book. Was kostet was?

Mit dem Boom des E-Books und dem Aufkommen neuer Lesemedien wie dem PC, dem Laptop, die E-Reader oder gar den Smartphones ist diese einfache Kalkulation etwas bunter geworden: Denn E-Books sind

  1. günstiger in der Herstellung,
  2. günstiger im Vertrieb und
  3. kostenlos in der Vervielfältigung.

Bei den E-Book-Preisen fahren die deutschen Verlage aus unerfindlichen Gründen eine Hochpreisstrategie, bei der die E-Book-Preise nur geringfügig unter den Preisen der Printausgaben liegen. Die amerikanischen Verlage verkaufen die E-Books – zähneknirschend und aufgrund des Drucks von Amazon und B&N – etwa zum halben Preis, was der tatsächlichen Kosten-/Einnahme-Relation laut einer Rechnung der NYT und Gizmodo jedoch durchaus entspricht (Wer sich für die Details interessiert, sollte den Beitrag zur Preisbildung von Johannes Haupt auf Lesen.net studieren):

Buchpreis Gizmodo

Während sich die Verlagswelt noch über die Höhe der E-Book-Preise streitet, bahnt sich durch die Hintertür noch ein weiterer Faktor seinen Weg: Das kostenlose E-Book – sei es als Raubkopie oder als bewusste Aktion von Verlegern oder Autoren. Und mit der Frage der Verbreitung und der (Raub-)Kopien kommt automatisch ein weiterer Aspekt ins Spiel: Der Kopierschutz …

Mit oder ohne DRM?

Völlig klar: Wenn Daten digital vorliegen, können sie (früher oder später) per Knopfdruck kopiert werden. Die Musik-Industrie kann davon ein Lied singen, und auch wenn das “rippen” von geschützten E-Books in der Form nicht möglich ist, stehen auch die Verlage zunehmend vor dem “torrent-Problem”. Das Zaubermittel gegen die kostenlose Verbreitung lautet seit eh und je Digital Rights Management (DRM), im Volksmund auch Kopierschutz genannt. Und ähnlich wie im Musik-Business sorgt der Kopierschutz auch im E-Book-Bereich für unzufriedene Kunden, die ihr Buch nur auf einem oder wenigen Geräten lesen können. Liest man sich beispielsweise die DRM-Erklärung des Addison Wessley Verlags durch, so bekommt man einen Eindruck davon, welchen Spagat zwischen Kundenzufriedenheit und Verbreitungsschutz die Verlage unternehmen. (Einen ausführlichen und sehr lesenswerten Beitrag über DRM bei E-Books hat der Blog Gizmodo veröffentlicht).

Einige E-Book-Stores wie Beam und Selfpublishing-Anbieter wie Smashwords haben auf das Problem reagiert und DRM-Bücher aus dem Programm geworfen oder ihren Autoren eine Publikation ohne DRM nahegelegt. Und tatsächlich gibt es mit O’Reilly auch (mehr oder weniger) klassische Verlage, die sich gegen ein DRM-System bei ihren E-Books entschieden haben. Die Frage, wie Selfpublisher mit DRM umgehen sollen, kann pauschal zwar nicht beantwortet werden, in der Regel düfte ein Kopierschutz jedoch eher hinderlich sein. Letztlich hängt es jedoch von der Preis- und Verkaufsstrategie ab, für die sich der Autor entscheidet…

E-Books – kostenpflichtig oder kostenlos?

Das Aufkommen der E-Books mag zwar den Preisdruck erhöhen und die Frage des illegalen Kopierens neu beleben. Auf der anderen Seite bringt das E-Book jedoch auch mehr Farbe in’s Spiel und erhöht den Gestaltungsspielraum – vor allem, wenn zusätzlich eine Print-Ausgabe existiert. Die folgende Tabelle soll die Kombinationsmöglichkeiten entsprechend bunt veranschaulichen (rot = nicht vorhanden, grün = kostenpflichtig, blau = kostenlos):

Print-Buch E-Buch
Fall 1 verkauf verkauf
Fall 2 verkauf verkauf
Fall 3 verkauf free
Fall 4 verkauf verkauf
Fall 5 verkauf free

Welche Strategie soll nun ein Selfpublisher verfolgen? Um die Entscheidung zu erleichtern und die Strategien zu veranschaulichen, sind ein paar Beispiele aus dem “echten Bücherleben” sicher hilfreich…

Kostenloses E-Book

Print-Buch E-Buch
Fall 5 verkauf free

Auf den ersten Blick bringen kostenlose E-Books vor allem eins: Ruhm und Ehre. Und wenn es nach der Logik von Chris Anderson geht, die er in seinem viel diskutierten Buch “Free” darlegte, dürfte die Kostenlos-Kultur im Internet den Sieg davon tragen, da auf der Angebotsseite eine Überfluss herrscht und die materiellen Kosten gen null tendieren. Auch für Ruhm und Ehre kann sich die Mühe natürlich lohnen. Und in einigen Fälle produzieren die kostenlosen Bücher bzw. Inhalte durch die Hintertür wiederum neue Einnahmen:

  1. Mit einem kostenlosen E-Book über Facebook hatte sich Annette Schwindt die berühmt-berüchtigte Online-Reputation als PR-Beraterin mit aufgebaut und so indirekt von dem Buch profitiert. Schließlich kam sogar ein Vertrag mit O’Reilly über ein Printbuch zum Thema zustande. Ganz “umsonst” war die Mühe also nicht…
  2. Leander Wattig monetarisiert seine Aktion “Ich mache was mit Büchern” (kein E-Book, sondern “nur” Webcontent) nicht nur über Werbeschaltungen, sondern neuerdings auch über einen Shop für Fan-Artikel… Die Logik ist klar: Das Buch, die CD oder der Film sind nicht mehr die Produkte, sondern Werbeträger, die Aufmerksamkeit erzeugen und Einnahmen über “Nebenschauplätze” ermöglichen.
  3. Recht großen Erfolg mit dieser Strategie hatte die Comic-Zeichnerin Nina Paley, die mit ihrem freien Comic-Film “Power to the Pixel” immerhin 55.000 $ einnehmen konnte – durch Fanartikel, Spenden, Aufführungen etc.

Kostenpflichtiges E-Book

Print-Buch E-Buch
Fall 4 verkauf verkauf

Die Strategie eines kostenpflichtigen E-Books ohne zusätzliches Print-Buch hat z.B. der Autor Markus Albers mit seinem Selfpublishing-Experiment “Meconomy” verfolgt. Auch diese Strategie ging auf: Die Verkäufe lagen nach wenigen Tagen im dreistelligen Bereich. Klar ist allerdings auch, dass ein kostenpflichtiges E-Book dem Autor einiges an Marketing abverlangt, und auch die Startinvestitionen waren bei Meconomy nicht unerheblich. Als Journalist war für Markus Albers die Ausgangssituation recht günstig, und für medienafine Autoren ist diese Strategie sicherlich eine interessante Option. Wer dagegen völlig unbekannt ist und nur wenig Erfahrung im Umgang mit Medien mitbringt, könnte angesichts der erhöhten Anforderungen an das Marketing überfordert sein…

Kostenpflichtiges Buch und kostenfreies E-Book

Print-Buch E-Buch
Fall 3 verkauf free

Die Strategie, neben dem kostenpflichtigen Print-Buch ein kostenloses E-Book herauszubringen, ist gerade auch für Selfpulisher sehr vielversprechend, zumal sie bereits mehrfach erprobt wurde und sogar einige Zahlen vorliegen. Das prominenteste Beispiel ist wohl Paulo Coelho, der in Russland den illegalen Download seines Buches “Der Alchemist” unterstützt hat bzw. die Raubkopie einfach auf seiner Seite zur Verfügung stellte. Als Ergebnis steigerte sich der Bekanntheitsgrad seines Buches in Russland massiv, was – zumindest laut Coelho – den Verkauf der Print-Version enorm beflügelte bzw. erst ermöglichte.
Eine ähnlich Strategie hat versuchsweise der Verlag O’Reilly bei dem Autor David Pogues verfolgt: Auch von dessen Print-Buch wurde die E-Book-Version verschenkt. Laut Verlag hat das freie E-Book die Verkäufe des Print-Buchs eher unterstützt, als geschädigt, und ganz ähnlich lauten inzwischen auch die Empfehlungen einiger Buchmarketing-Experten. Unterstützt wurde diese Annahme zuletzt von zwei Forschern der Brigham Young Universität, die diese Publikations-Strategie über einen längeren Zeitraum untersucht haben:


rhfreeebookstats

Inzwischen ist der Einsatz von freien E-Books als Marketing-Instrument in der Verlagswelt offensichtlich ein akzeptiertes Mittel – vor allem, um in den Ranglisten nach oben zu klettern und so den Verkauf zu unterstützen. Nicht zuletzt hatte auch Chris Anderson sein Buch parallel als kostenfreies Hörbuch veröffentlicht und so sicherlich den einen oder anderen Backlink aus der Blogszene kassiert…
Abschließend noch ein schönes Beispiel aus der Comic-Szene, über das der Blog e-book-news vor einiger Zeit berichtete: Der iranische Webcomic Zahra’s Paradise soll im Internet frei verfügbar sein, während die Einnahmen erst später über den Verkauf einer Print-Version an die im Web aufgebaute Leserschaft sprudeln sollen.

webcomic-zahras-paradise-gr
Auch hier gilt also: Erst eine Lesergemeinde aufbauen, dann ein kostenpflichtiges Zusatzprodukt anbieten…

Kostenpflichtes Printbuch (und E-Book)

Print-Buch E-Buch
Fall 1 verkauf verkauf
Fall 2 verkauf verkauf

Für diese beiden Strategien bedarf es wohl keiner Beispiele, denn sie sind derzeit state-of-the-art in der Verlagswelt. Und auch unter Selfpublishern ist diese Strategie nach wie vor sehr verbreitet. Zwei Fragen sollte man vor der Entscheidung für oder gegen diese Strategie für sich beantworten:

  1. Wie groß ist meine Zielgruppe, wie gut ist sie definiert und wie relevant sind die Informationen, die ich in meiner Publikation biete? Je klarer eine Zielgruppe definiert ist und je relevanter meine Inforationen sind, desto eher habe ich eine Chance, die Zielgruppe leicht zu erreichen und auf interessierte Käufer zu treffen. Andersherum wäre der Markt durch kostenfreie Ausgaben schnell gesättigt, ohne dass – mangels weiterer Interessenten – ein Werbeeffekt entstehen kann .
  2. In den übrigen Fällen – also bei unspezifischen Zielgruppen – stellt sich die Situation anders dar: Um in der riesigen Konkurrenz so viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, dass ein unbekanntes Buch gekauft wird, ist ein enorm gutes Marketing nötig. Autoren wie Markus Albers, die aus der Medienszene kommen und auf viel KnowHow zurückgreifen können, haben eine komfortablere Ausgangssituation. Für unbekannte und branchenfremde Autoren sprechen die oft sehr niedrigen Buchverkäufe eher gegen diese Strategie und für eine kombinierte kostenpflichtige/kostenfreie Publikation, mit der zumindest das Potential des Sharings angezapft werden kann. Klar ist jedoch auch: Selbst das kostenlose Sharing läuft in der Überflussgesellschaft nicht von allein: Ironischerweise muss selbst bei guten Inhalten das Schenken erst einmal mühsam angestoßen werden …

DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 15.März 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

Buchpublisher im Überblick

Posted: Januar 2nd, 2010 | Author: Schuermanns | Filed under: Printing & Selling | 14 Comments »

Wer heute ein Buch publizieren will, trifft auch abseits der traditionellen Verlage auf ein reichhaltiges Angebot: Neben den etablierten Dienstleistern wie BoD in Deutschland oder Lulu aus den USA existiert eine Vielfalt an Nischenanbietern mit sehr unterschiedlicher Ausprägung. Dennoch findet man keinen Service, der alle Wünsche vereint oder durch Design und Funktionalität ähnlich zu überzeugen weiß, wie beispielsweise Issuu im Magazin-Sharing-Bereich. Einige neue Plattformen schicken sich jedoch an, diese Lücke zumindest teilweise zu schließen. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Selfpublisher und interessantesten Newcomer mit ihren Besonderheiten kurz skizziert und abschließend in tabellarischer Form grob verglichen. Detaillierte Beschreibungen einzelner Anbieter folgen in separaten Beiträgen.

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Hinweis: Hier geht’s zu einer ergänzbaren Spreadsheet-Übersicht über Selfpublisher, initiiert von Christian Schulzki-Haddouti von Kooptech.

Amazon Digital Text Platform (Kindle)

Bereits seit 2008 online und dennoch weitestgehend unbekannt: Über die Digital Text Platform von Amazon kann man ohne Umwege seinen Text für den Kindle veröffentlichen. Für die Amazon-Plattform hat sich zuletzt eine SF-Autorengruppe in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion entschieden. Denn auch die Konditionen klingen im Vergleich zu traditionellen Verlagen zunächst verlockend: Ein Autorenhonorar von 35%.

adobe digital text

Dennoch bleibt der Bekanntheitsgrad der Plattform gering – und ein genauerer Blick macht die Gründe verständlich: Zunächst verspricht die Veröffentlichung für den Kindle zumindest in Deutschland noch keine große Zielgruppe, zumal auch der Kindle nicht ohne Konkurrenz dasteht. Weiter benötigt man für die Veröffentlichung eine amerikanische Sozialnummer (SSN) sowie einen amerikanischen Bank-Account – Nicht-US-Bürger bleiben also außen vor. Auch die Konditionen sind weniger gut, als es zunächst den Anschein hat: andere Selfpublisher gewähren bei Ebooks 50% bis 85% Autorenhonorar – freilich ohne die Vertriebskraft eines externen Händlers. Über externe Händler sinken auch bei anderen Anbietern die Honorare auf 20-40%. Nicht zuletzt lässt auch die Benutzerfreundlichkeit zu Wünschen übrig: Die Konditionen sind in einem Agreement mit entsprechend juristischen Formulierungen aufgelistet, aus den weit verzweigten FAQs wird man kaum schlau und schließlich wird eine html-Formatierung empfohlen, was für die meisten Autoren eine nicht unerhebliche Hürde darstellen dürfte. Nicht ausgeschlossen, dass Amazon mit der stiefmütterlichen Behandlung der Plattform Rücksicht auf seine Geschäftskunden demonstrieren will, die über eine starke Konkurrent durch den Buchhändler wohl kaum begeistert wären.
Update: Mitte Januar 2010 hat Amazon seinen Kindle-Store sowie auch die Digital Text Plattform für deutsche Autoren und Verlage geöffnet. Auf Lesen.net hat Thomas Knip einen ausführlichen Bericht über die Amazons DTP geschrieben.

Blurb

Der Selfpublisher Blurb aus den USA hat sich auf Bildbücher spezialisiert und dürfte in dieser Nische der bekannteste Anbieter sein.

blurb cover

Eine Übersicht gibt Auskunft über die Herstellungskosten, die je nach Format, Umfang und Auflage variieren. Ein 160-Seiten umfassendes Softcover-Buch kostet demnach ca. 21,- Euro, zzgl. Versandkosten von 5,- (standard) bis 28,- Euro (express).
Autoren können bei Blurb ihre Bücher verkaufen und ihr Honorar selbst bestimmen: es wird schlicht zum Herstellungspreis addiert. Hinzu kommt eine einmalige “processing fee” von 4,- Euro.
Blurb-Bücher haben keine ISBN und können daher nicht über den normalen Buchhandel erworben werden, sondern nur über den Blurb-Shop. Käufer aus Europa müssen daher recht hohe Versandkosten tragen oder (bei Standard-Versand) lange Lieferzeiten in Kauf nehmen.
Für die Herstellung bietet Blurb mit BookSmart ein eigenes kleines Layout-Programm an. Passende Templates können über QuickStart Books gezogen werden. Als Ausgabeformat gibt es über den Blurb-Shop lediglich Print-Bücher, keine e-Formate.
Für überforderte Autoren bietet Blurb ein Vereichnis mit Grafikern, Editoren etc. an, zudem gibt es ein recht reduziertes, aber dennoch lebendiges Forum.
Fazit
Ohne ISBN und Anbindung an den Buchhandel bleibt Blurb ein Nischenanbieter für Foto- und Design-Bücher für den Eigenbedarf. Das macht Blurb allerdings gut: Das Angebot ist einfach und klar, die Seite übersichtlich und gut gestaltet, die Hilfestellungen praktikabel. Wer ein Fotobuch oder ähnliches für den privaten Kreis erhalten will, ist hier richtig. Wer jedoch auf eine möglichst hohe Verbreitung oder einen Verkauf setzt, wird es mit blurb schwer haben.

BoD

BoD ist der älteste und wohl größte Selfpublishing-Dienstleister im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen wurde 1997 gegründet und führt heute über 20.000 lieferbare Titel, an anderer Stelle ist von 150.000 Titeln die Rede, was vermutlich die Backlisten einschließt, die BoD für diverse Verlage druckt.

bod cover

Den Autoren stehen drei Möglichkeiten offen:

  • BoD-Fun = 0,- Euro | Verkauf nur über den BoD-Buchshop ohne ISBN
  • BoD-Classic = 39,- Euro | Mit ISBN und Verkauf über Buchhandelspartner (u.a. libri und amazon.de)
  • BoD-Comfort = 399,- Euro | Zusätzliches Ansichtsexemplar vor Drucklegung und persönliche Beratung

Hinzu kommt eine monatliche Gebühr von 1,99 Euro für die Datenspeicherung. Für noch einmal 9,90 Euro ist das Buch auch in den USA, GB und Kanada (z.B. über Amazon.com) erhältlich.
Die Daten werden bei BoD hochgeladen, nur für die Comfort-Version können Manuskripte auch per CD eingeschickt werden. Für den Satz gibt es mit EasyBook ein eigenes kleines Layout-Programm.
Bei BoD legt der Autor den Buchpreis und damit sein Honorar über den Buchkalkulator selbst fest. Ein 200-Seiten-Buch kann beispielsweise für 12,90 und einem Autorenhonorar von ca. 10% verkauft werden. Für das Selbstmarketing können eigene Autorenseiten erstellt werden, außerdem wird ein Novitätenkatalog an den Buchhandel geschickt (unwahrscheinlich, dass der gelesen wird).
Fazit
BoD hat sich auf die Herstellung klassischer Print-Bücher spezialisiert und macht diesen Job gut. Andere Formate wie E-Books oder gar Mobil-Ausgaben für eReader oder Smartphones (z.B. ePub) sucht man allerdings vergeblich. Auch in Sachen Marketing bleibt die große Frage, wie man seine Zielgruppe erreichen soll: Eine Webseite zu starten ist ein guter Anfang und auch die angebotenen PR-Instrumente können ein wirksames Mittel sein. Die Chancen für Selfpublisher, in althergebrachten Medien Aufmerksamkeit zu finden, ist jedoch marginal. Vielversprechender sind Communities, Social-Media-Netzwerke und ähnliches – auf diesen Zug ist BoD bislang allerdings noch nicht aufgesprungen.

Bookoven

Das junge und spannende Startup Bookoven aus Kanada setzt vor allem auf kollaboratives Publishing und gefällt mit einem reduzierten, übersichtlichen Design.

bookoven cover

Die Plattform befindet sich noch im Entwicklungsstadium, hält aber bereits einige zentrale Features bereit:

  • Autoren können Texte hochladen und online editieren,
  • sie können andere Personen einladen und mit verschiedenen Rechten ausstatten,
  • sie können einzelne Snippets (Textbausteine) zur Überprüfung / zum Lektorat an die Community freigeben,
  • sie können abschließend das Buch online lesen lassen oder als ePup oder PDF downloaden.

Die Plattform ist bislang noch nicht kommerziell, allerdings arbeiten die Gründer an eine Book-on-Demand-Anbindung und dem Aufbau von Vertriebskanälen.
Fazit
Eine junge und noch recht unschuldige Plattform, die jedoch einiges an Potential birgt. Vor allem das Online-Editieren von Texten, die Online-Lesbarkeit, die Formatausgabe mit PDF und ePub und der kollaborative Ansatz könnte den Grundstein für eine neue Publishing-Plattform liefern, die frei vom Ballast älterer Selfpublishing-Tools ist und eine junge, online-affine und kollaborativ arbeitende Zielgruppe anspricht.

Bookriff

Einen völlig neuen Ansatz verfolgt das junge Startup Bookriff aus England: Texte oder Kapitel werden als “Riff” bezeichnet, die die registrierten User zu einem neuen Buch “mixen” können. Damit macht Bookriff nichts anderes, als vormals iTunes mit den CDs: Werke werden in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und vom User in Compilations neu zusammengesetzt (passend als Playlist bezeichnet). Allerdings konnte iTunes auf die Traditionen der Mixtapes, CD-Compilations und DJs aufsetzen – bei Texten haben sich diese Formen – natürlich auch aus Mangel an technischen Möglichkeiten – noch nicht etabliert.
Der Preis eines neu gemixten Buches hängt von den Herstellungskosten (Seitenumfang) und den Einzelpreisen für die enthaltenen Riffs ab. Die Urheber eines Riffs erhalten bei Verkauf ein Honorar, nicht jedoch die “Composer”.
Noch befindet sich die Plattform im geschlossenen Stadium, erste Einblicke gewährt ein kleines Video:

Fazit
Der Ansatz ist äußerst spannend und ebenso mutig, denn er verlangt den Autoren, Lesern und “Composern” viel Experimentierfreude ab. Interessant ist das Konzept vor allem für Autoren, die nicht gleich ein ganzes Buch veröffentlichen wollen, sondern ggf. nur Schnipsel, Kurzgeschichten oder Kapitel. Herausfordernd ist die Plattform sicherlich für Composer und Leser, die ihre Gewohnheiten umstellen müssen und sich ggf. als Content-DJ neu definieren können. Zwischen Autor und Leser einen neuen Mittler zu installieren, hat jedoch seinen Reiz.

Bookrix

Das Startup BookRix aus München bietet seinen Autoren zwar keine Kommerzialisierung und auch keine Printbücher an (von Einzelaktionen abgesehen), setzt jedoch umso mehr auf die Möglichkeiten des Webs: Das Sharing in der Community und die freie Verbreitung. Die Konditionen sind schnell erklärt: Nach der Registrierung ist für Autoren und Leser alles kostenlos: das Veröffentlichen, das Online-Lesen und das Downloaden.

Das angebotene Buchformat ist recht eigenwillig: Bei Bookrix-Büchern handelt es sich um HTML-Dateien und Media-Files, die in ein Zip-Archiv gepackt werden. Kein Wunder, dass Bookrix inzwischen auch das ebenfalls html/xml-basierte ePub-Format anbietet. Eine Distribution als Print-Buch oder PDF ist nicht im Angebot.
Die Stärke von Bookrix ist die Community: Bislang wurden etwa 15.000 Bookrix-Bücher von über 30.000 Mitgliedern veröffentlicht, der aktuelle “Bestseller” ist ein etwa 200 Seiten starker Manga, der in acht Monaten über 4.600 mal angeklickt wurde und über 600 “Sterne” erhielt. Neben der Community bietet BookRix Bücherregale, Empfehler-Funktionen und diverse Schreib-Wettbewerbe an. Die Zielgruppe ist überwiegend jung, die Publikationen oft nur ein paar Seiten lang, es dominieren Fantasy, Gedichte und Kurzgeschichten. Kein Ort für professionelle Ambitionen, aber ein hervorragender Ort für junge Hobby-Schreiber, die in einer zeitgerechten Weise Erfahrungen als Autor sammeln möchten.

epubli

Epubli ist der Selfpublish-Anbieter der Verlagsgruppe Holtzbrinck.

epubli

Die Plattform hat keine großen Besonderheiten, bietet jedoch alle Standard-Funktionen an: Bücher werden als PDF hochgeladen, anschließend mit einem Cover versehen und schließlich veröffentlicht.
An Kosten werden nur ein Pflichtexemplar zum Herstellerpreis sowie auf Wunsch der Kauf einer ISBN für 19,95 genannt. Zu den unterschiedlichen Vertriebskanälen gibt es keine Preisangaben (kostenlos?):

  • Ohne ISBN im epubli-Shop
  • Mit ISBN im Amazon-Marketplace
  • Mit ISBN im gesamten Buchhandel (amazon.de, buecher.de etc.)

Als Honorar erhält der Autor 75% der Gewinnmarge, anders ausgedrückt behält epubli von der Marge 25% ein, also ähnlich wie bei Fastpencil, Lulu und anderen Anbietern.
Als kleine Besonderheit bietet epubli eine Buchvorschau an, über die sich Käufer einen ersten Eindrück vom Buch verschaffen können. Leider lässt sich die Vorschau nicht extern embedden.
Fazit
Epubli ist ein relativ unspektakuläres, aber solides Angebot für Print-Bücher, das mit knapp 1.000 Publikationen (im Shop finden sich auch Publikationen des Dokumentenhändlers eload24) offensichtlich Zuspruch findet. Die Beschränkung auf Print-Formate lässt epubli vor allem als Alternative zu BoD erscheinen.

Fastpencil

Fastpencil ist eine junge Veröffentlichungsplattform mit viel Potential: Die Konditionen für Autoren bewegen sich im üblichen Rahmen, eine erfreuliche Besonderheit ist das kollaborative Arbeiten an Texten oder das Umschreiben von Klassikern ohne Verwertungsrechte. Ein noch erfreulicheres Tool hält Fastpencil für die Blogszene bereit: Inhalte können auf Knopfdruck per RSS importiert, neu sortiert und online editiert werden. Eine lang ersehnte Möglichkeit, sein Blog ohne viel Umstände in ein Print- oder Ebook zu verwandeln.

fastpencil cover

Der Gebührenkatalog sieht wie folgt aus:

  • Herstellerkosten für privaten Gebrauch ohne ISBN (ca. 7,80 für ein 200 Seiten s/w Paperback).
  • 9.99$ jährliche Bereitstellungsgebühr bei Verkauf des Buches
  • 19.99$ für ISBN und Vermarktung im eigenen Marketplace
  • 149.99$ für Distribution über Amazon & Co. im E-Book ODER Print-Format
  • 199.99$ für Distribution im E-Book UND Print-Format
  • 999.99$ für ein komplettes Betreuungspaket

Individuell können die Herstellungskosten über den Buchkalkulator ausgerechnet werden.
Das Autorenhonorar wird durch den selbst festgesetzten Buchpreis und den Distributionsweg bestimmt: Vom Ladenpreis werden die Herstellungskosten und ggf. 40% Händlerprovision abgezogen. Von der Marge erhält Fastpencil eine Provision von 25%.
Vertriebspartner für Print-Bücher sind unter anderem Amazon.com, Baker & Tailor, Barnes & Nobles sowie Ingram. Regionale Distributoren z.B. für den deutschen Markt sind leider nicht im Angebot. Ebooks werden in PDF und ePub geliefert und bei Amazon Kindle, Ingram Digital Network und einigen anderen amerikanischen E-Book-Sellern vertrieben. Die Distribution ist also derzeit noch auf den amerikanischen Markt ausgerichtet und für deutsche Autoren weniger attraktiv.
Fazit
FastPencil ist möglicherweise nicht der günstigste Anbieter, bietet jedoch einfache und transparente Konditionen. Interessant sind vor allem die Leistungen jenseits des Verkaufs: Der online-Herstellungsprozess macht es für webbasierte Inhalte sehr komfortabel und die Plattform ermöglicht kollaboratives Arbeiten – gute Argumente für Blogger und Webwriter. Auch die Nutzerführung, Formatausgaben und die Medienvielfalt sind ausgezeichnet. Bleibt abzuwarten, ob sich Pastpencil bald auch international aufstellt und die Distribution für deutsche Autoren attraktiver macht.

Fictionwise

Fictionwise ist kein Selfpublisher, sondern ein amerikanischer Audio- und Ebook-Publisher für Verlage oder Unternehmen, die mindestens 25 Titel über die Plattform anbieten möchten. Selfpublishing-Autoren könnten sich zwar zu diesem Zweck zu einem Kleinverlag zusammenschließen, allerdings publiziert Fictionwise nur englisch-sprachige Bücher, sodass das Angebot für deutsche Autoren ohne Relevanz ist. Da Fictionwise vor allem durch die Standard-Präsenz in der iPhone-Bibliothek Stanza bekannt ist, soll der Anbieter jedoch nicht unerwähnt bleiben. Interessierte können sich auf der Infoseite für Publisher über die Konditionen informieren.

GRIN

GRIN ist ein etablierter Selfpublisher im Hochschulbereich, der sich vor allem auf die Veröffentlichung von Abschlussarbeiten spezialisiert hat und zunehmend versucht, auch im Dissertationsbereich und aufwärts Fuß zu fassen. Viele Absolventen werden von GRIN bereits während der Schlussphase ihres Studiums aktiv angerufen und als Autoren angeworben.

grin cover

Die Publikation bei Grin ist kostenfrei, es können Printbücher und Ebooks veröffentlicht werden, Grin bietet den Autoren ein Honorar, gestaltet die Preise jedoch selbst. Entsprechend der klassischen Kalkulation bei Wissenschafts-/Pflichtliteratur geht man schon vorab von einem geringen Interessentenkreis aus und setzt daher die Preise hoch an. Mit einer Handvoll Exemplaren müssen die Kosten wieder eingespielt werden. Ein hoher Verkauf wird damit zwar schon vorab ausgeschlossen, ist jedoch statistisch ohnehin sehr unwahrscheinlich. Für 10,- Euro kann man seine Honorarrechte an GRIN abtreten. Andernfalls staffeln sich die Honorare laut Anbieter wie folgt (Prozent vom Nettoverkaufspreis = Buchhandelspreis abzgl. MwSt.):

  • Ebooks: 40% für Abschlussarbeiten und Diss.,
  • Ebooks: 35% andere Arbeiten,
  • Print-Buch: 10% für alle Arbeiten.

Arbeiten werden ab der Note 3 veröffentlicht. Die Texte können als Word, RTF und – falls qualitativ ausreichend – in PDF hochgeladen oder eingeschickt werden. Das Ausgabeformat für Ebooks ist PDF. Der Vertrieb von E-Books erfolgt über den GRIN-Shop sowie über Partnerseiten wie Zeit.de, Spiegel-Online oder Tagesspiegel. Der Buchvertrieb erfolgt u.a. über Amazon und libri.
Fazit
GRIN ist eine zeitgemäße Spielart des Universitätsverlages und seit Jahren offensichtlich erfolgreich aktiv. Der Verlag hat Elemente eines Selfpublishers, behält sich jedoch die Preisgestaltung vor. Er spricht eine spezielle Zielgruppe an und knüpft die Veröffentlichung mit der Mindest-Benotung an weitere inhaltliche Bedingungen. Für Seminar- und Abschlussarbeiten ist Grin eine interessante Option, im Dissertationsgeschäft tut sich der Verlag noch schwer, was sicherlich dem Renommee geschuldet ist, das sich Autoren über klassische Verlage z.T. teuer erkaufen. Für Autoren außerhalb des Universitätsbetriebs stellt der Verlag keine Option dar. Ein weiteres Angebot im Wissenschaftsbereich macht der vdm-Verlag, der allerdings noch nicht ganz auf ein klassisches Lektorat verzichtet und daher nicht als Selfpublisher gelten kann.

Lulu

Der amerikanische Selfpublishing-Service Lulu.com ist in über 80 Ländern vertreten und Marktführer auf seinem Gebiet.

lulu cover

Bei Lulu legt der Autor entweder den Buchpreis oder sein Autorenhonorar fest. Anschließend rechnet der Kalkulator den Buchpreis oder das Autorenhonorar nach folgendem Muster aus: Druckkosten + Bindung + Honorar + Lulu-Provision (= 25% des Honorars als Aufschlag) = Buchpreis.
Lulu stellt drei verschiedene Vertriebspakete zur Auswahl, die wahlweise eine Listung bei Amazon.com (expanded distribution: free), Amazon Marketplace (25,- $) oder zusätzlich in nationalen Amazon-Portalen plus weiteren Online-Shops (global distribution: 75,- $) ermöglichen. Das deutsche Vertriebspaket “Published-By-You Deutschland” existiert offensichtlich nicht mehr, sodass man ggf. die Global-Version erwerben sollte. Weitere Kosten entstehen durch ein (ggf. mehrmals) zu bestellendes Korrekturexemplar vor Freigabe der Druckdaten.
Die Buchdaten werden bei Lulu als PDF oder in verschiedenen Text-, Bild- oder Audioformaten hochgeladen. Für die Herstellung der Bücher bietet Lulu lediglich ein paar simple Word-Vorlagen an, den Rest muss der Autor selbst erledigen oder sich durch die ausführlichen FAQs durcharbeiten.
Große Vielfalt herrscht dagegen bei den Ausgabeformaten: Neben Kalendern, CDs oder Audio-Books bietet Lulu auch Ebooks im PDF-Format und neuerdings auch im ePub-Format an.
Im Bereich Marketing setzt Lulu auf die eigene Community mit Foren und Gruppen, die durchaus recht mitgliedsstark sind (bis zu 5000 User, im deutschen Forum kommen einzelne Threads auf mehrere tausend Klicks). Für das externe Marketing gibt es einen “buy now”-Button zum Einbinden in die eigene Webseite, Tipps für Suchmaschinen-Optimierung (SEO), FAQs zum Bloggen oder die Veröffentlichung von Pressemitteilungen.
Fazit
Lulu bietet als internationaler Marktführer ein breites Distributionsnetz und – soweit ersichtlich – gute Konditionen. Ein großes Manko von Lulu ist jedoch die völlig unübersichtliche Seitengestaltung: Informationen sind veraltet, widersprüchlich und in jedem Fall extrem schwer auffindbar. Die besten Konditionen mit dem sinnvollsten Vertrieb für deutsche Autoren sind auch im Forum niemandem so recht klar, und nicht einmal der Lulu-Mitarbeiter scheint die passende Antwort zu kennen. Ein weiteres (kleines) Manko ist das Fehlen von Service-Paketen, um z.B. überforderten Autoren die Formatierung abzunehmen. Dafür bietet Lulu jedoch eine große Vielfalt an Medien und Formaten an, vor allem das ePub-Format für E-Reader und Smartphones kann als großes Plus bewertet werden.

quillp

quillp ist ein junges Startup aus St. Gallen/Schweiz und streng genommen kein Angebot für Selfpublisher, sondern eine Mischung aus Leseplattform und Teststrecke für eigene Manuskripte. Für ihre eher skeptische Haltung gegenüber PoD-Verlagen führen die quillp-Macher gute Gründe an: Selbst publizierte Bücher seien für die Leserschaft mit durchschnittlich zwei verkauften Exemplaren schlicht nicht relevant. Statt der eigenen Buchveröffentlichung können die Autoren daher über quillp Texte hochladen und ihr Talent einem breiten Kreis von Lesern zugänglich machen – mit dem Ziel, dann doch von einem klassischen Verlag entdeckt zu werden.
quillp
Das Modell ähnelt in vieler Hinsicht dem weiter unten beschreibenen Ansatz von WeBook: Während dort jedoch Literaturagenten die Auswahl treffen und dementsprechend die Brücken zu den traditionellen Publishern bauen, sollen es bei quillp die Leser allein richten. Zwar besteht diese Leserschaft immerhin aus ca. 2.300 Mitgliedern. Allerdings wurden bislang nur etwa 10 Kommentare zu den knapp 250 Texten und Kurzgeschichten verfasst. Die übrigen Mitglieder scheinen sich mehr für die Publikationen der Verlage zu interessieren, die sie in ihr virtuelles quillp-Regal stellen können. Über die Anzahl der Views geben die Statistiken keine Auskunft.
Quillp ist seit Sommer 2008 live, hat in dieser Zeit jedoch offensichtlich keinen entscheidenden Impuls erfahren. Was nicht ist, kann natürlich noch werden, schließlich ist ein schlüssiges Vermittlungskonzept zwischen Schreibtalenten, Agenten und Verlagen wünschenswert. Nicht zuletzt haben Plattformen wie Myspace im Musikbereich gezeigt, dass der Weg über die Community zum etablierten Label erfolgreich sein kann. Nicht ganz verständlich ist jedoch die klare Ablehnung gegenüber dem Selfpublishing: Natürlich müssen die Möglichkeiten realistisch eingeschätzt werden, allerdings ist auch eine Veröffentlichung in einem Verlag noch lange keine Garantie für den Erfolg. Und überblickt man die Trends in Technologie, Marketing und Social Media, so dürfte das Selfpublishing zumindest für einige Autorenkreise eher an Bedeutung gewinnen.

Readbox

Readbox ist eine Lese- und Rezensionsplattform, die zahlreiche Bücher von Independent-Verlagen zum Online-Lesen und kaufen bereit hält. Über den Partnerverlag ruckzuckbuch.de bietet Readbox den Usern auch eine Veröffentlichung eigener Bücher an – allerdings bleibt der Publishing-Service absolutes Nebengeschäft, während sich die Readbox-Macher vor allem auf die Dateikonvertierung (auch als B2B-Service für Verlage) konzentrieren. Entsprechend bleibt Readbox hierzulande in Sachen Formatvielfalt ungeschlagen: Epub, Mobi, PDB und PDB, alles wird bedient. Ein weiterer Clou: Sämtliche Bücher können komplett online gelesen und sogar in externe Seiten eingebunden werden. Zwar ist die Embed-Box nicht sonderlich lesefreundlich – trotzdem geht Readbox damit einen ungewöhnlicher Schritt, der an Magazin-Plattformen wie Issuu erinnert und einen beträchtlichen Teil zum Erfolg dieser Plattformen beiträgt.

Preislisten für die Publikation eines Buches finden sich bei Ruckzuckbuch.de, und auch wenn einige Bücher von Readbox-Publishing zum Verkauf stehen, gibt es leider keine Informationen über eine Autorenbeteiligung, Distributionskanäle oder sonstige Konditionen.
Fazit
Das Online-Lesen und externe Embedden von Texten und Büchern ist ein Novum, das den anderen Buchpublishern fehlt und an das Angebot von populären Magazin-Plattformen wie Issuu erinnert. Ebenso ist die Formatvielfalt auf der Höhe der Zeit und den meisten anderen Anbietern in Deutschland weit voraus. Umso bedauerlicher, dass die Community mit etwa 550 Mitgliedern nach wie vor überschaubar ist und das Angebot für Selfpublisher eher dürftig bis undurchsichtig ist. Bleibt zu hoffen, dass die guten Ansätze von Readbox Schule machen und von etablierten Selfpublishern übernommen werden.

Smashwords

Smashwords ist eine reine Ebook-Publishing-Plattform aus den USA, die auf den ersten Blick wie ein Relikt aus den 90er Jahren wirkt. Auf den zweiten Blick hat es der Ebook-Publisher jedoch in sich: 85% Autorenhonorar bei dem Verkauf über Smashwords und bis zu 42% bei einer Distribution über Handelspartner wie Barnes&Nobles, außerdem eine Präsenz in den Bibliotheken von Stanza und eReader, die vor allem auf Smartphones wie dem iPhone weit verbreitet sind, und nicht zuletzt eine entsprechende Fülle an Ausgabeformaten von html über mobi bis ePub. Die Konvertierung läuft automatisch, als Eingabeformat akzeptiert smashword Word-Dokumente. Für die Formatierung gibt es einen Styleguide als freies (auch online lesbares) Ebook. Ein zweiter Guide befasst sich auf 30 Seiten mit dem Marketing für Ebooks – auch unabhängig von einer Smashword-Publikation eine lehrreiche Lektüre.
Fazit
Smashwords wirkt auf den ersten Blick altbacken, dürfte jedoch für reine Ebook-Publisher eine ausgezeichnete Alternative darstellen. Die Konditionen sind unschlagbar und auch die Formatauswahl und insbesondere die Präsenz in Handy-Bibliotheken überzeugen. Smashwords existiert erst seit März 2009, es bleibt abzuwarten, wie sich die Plattform in Zukunft entwickelt.

Tredition

Tredition aus Hamburg bezeichnet sich als Netzwerkverlag und bietet Autoren eine Veröffentlichung von Print-, Audio- und E-Books an. Über die angeschlossene Community von Fachleuten (Lektoren, Illustratoren etc.) können die Autoren Dienstleistungen dazu holen.

tredition cover

Die Publikation bei Tredition ist erst einmal kostenfrei und die Preise können vom Autor selbst festgelegt werden. Für E- und Audio-Books erhält der Autor bei einem Verkauf über den Shop von Tredition ein Honorar von 50%. Für den Verkauf von E- und Audio-Books über Partnerseiten fallen einmalig Kosten von 79,- Euro pro Titel an und der Autor erhält ein Honorar von 25%. Eine Liste der Partner-Plattformen findet sich in den FAQs von Tredition. Auch Print-Bücher sind kostenfrei, allerdings fällt ein Honorar erst nach Deckung der Verlagskosten an, alternativ kann man entsprechend viele Bücher als Eigenexemplare erwerben. Bei einem Buch mit 200 Seiten Umfang und einem Ladenpreis von 16,99 Euro erhält der Autor ab dem 26. Exemplar ein Honorar. Ob diese Zahl erreicht werden kann, hängt stark vom Thema und den Marketing-Fähigkeiten des Autors ab.
Fazit
Tredition bietet faire Konditionen, ist im Vertrieb innerhalb Deutschlands sehr stark aufgestellt und vor allem für Ebooks eine gute Option. Wer ambitionen hat, seine Bücher aktiv zu bewerben und das gute Distributionsangebot zu nutzen, dürfte hier richtig sein. Leider fehlen allerdings bislang noch Mobile-Formate wie ePub und Co. Weitere Kritik-Punkte: Tredition versucht vor allem über die kostenlos-Option zu punkten. Möglicherweise würde die Plattform jedoch besser fahren, wenn man am Design (nicht allzu ansprechendes Standard-Cover, mäßiges Look&Feel der Plattform), den Eingabeformaten (RSS-Import für Blogger), der Herstellung (Online-Editor) und dem Marketing (z.B. kostenloses Sharing und Embedding wie bei Readbox) arbeiten würde. Angesichts des insgesamt eher mageren Angebots für deutsche Autoren gäbe es mit solchen Service-Leistungen und technischen Zusatzoptionen noch viele Möglichkeiten, sich von den Mitbewerbern abzusetzen. Ein “Einstieg in den Preiskampf” ist aus meiner Sicht bei den Marktvoraussetzungen nicht unbedingt nötig.

WeBook

Die New Yorker Plattform WeBook ist kein Selfpublisher, trotzdem in diesem Zusammenhang eine erwähnenswerte Spielart: WeBook ist eine Schreiberplattform von Literaturagenten, über die Autoren bei Gefallen auch veröffentlichen können. Faktisch wird damit das Lektorat durch Agenten ersetzt, wovon der Autor erst einmal wenig hat, außer möglicherweise eine noch kritischere Kontrollinstanz, im positiven Fall jedoch auch Kontakte zur klassische Verlagsszene. Sinn und Zweck der Plattform ist das kollaborative Schreiben und die Möglichkeit, über ein professionelles Feedback sein Talent zu entwickeln und das Schreiber-Handwerk zu erlernen. Wohl nicht zufällig ist dieses Modell im angloamerikanischen Raum entstanden, wo die Schreibkunst immer professioneller (auch) als Handwerk gelehrt wurde.

Auf einen Blick: Spezialisierung, Kosten, Honorar, Specials

*Die Tabellen sind noch nicht vollständig und “geproofed”, Korrekturen und Ergänzungen bitte in den Kommentaren.

Anbieter Spezialisierung Kosten Honorar Specials
blurblogo Bildbücher (Fotographie, Hochzeit, Reise etc.) Beispiel: 160 S. softcofer = 21 Euro + Versand aus USA (5,- bis 28,- Euro) + 4 Euro processing fee. Vom Autor selbst bestimmbar (Marge) keine
bodlogo Print-Bücher, alle Genre Fun: 0,- Euro
Classic: 39,- Euro
Comfort: 399,- Euro
Gebühr (montl.): 1,99 Euro
Vom Autor selbst bestimmbar (Marge) Eigenes Formatierungs-Programm
bookovenlogo Webbücher (html, PDF, ePub), alle Genre Kostenlos Kein Verkauf Online Editor, kollaboratives Schreiben.
bookrifflogo Alle Genre Kostenlos Honorar geplant Derzeit noch Einladung nötig. “Composer” können aus Texten (”Riffs”) eigene Bücher zusammenstellen
bookrixlogo Webbücher Text, Bild und Audio, Hobby-Autoren, u.a. Fantasy, Manga, Shortstories Kostenlos Kein Verkauf Bücher sind online/offline frei lesbar
logo_epubli Printbücher, alle Genre 1 Exemplar zu Herstellerkosten, 19,95 für ISBN Buchpreis selbst festlegbar, 75% Honorar von der Gewinnmarge. Online-Vorschau einzelner Seiten und Kapitel für Käufer
fastpencillogo Print und Ebooks, alle Genre Privatausgabe: Herstellungskosten
Gebühr (jährl.): 9,99$
ISBN + interner Shop: 19,99$
Print oder eBook über Handel: 149,99$
Print und ebook über Handel: 199,99$
Komplett-Betreuung:999,99$
Selbst festlegbar (25% der Marge geht an Fastpencil) Online-Editor, Import von Bloginhalten (RSS), Umschreiben von Klassikern
grinlogo Print- und Ebooks, wiss. Abschlussarbeiten ab Note 3 kostenlos Ebook: 40% (Abschlussarbeit und Diss) / 35% (Andere)
Printbuch: 10% (jew. Nettoladenpreis)
Preisgestaltung nur durch Verlag
amazonlogo Nur Ebooks (Kindle) über Amazon Kostenlos Preis selbst festlegbar, 35% Autorenhonorar Amerikanische Sozialnummer und Bankkonto nötig. HTML-Formatierung empfohlen.
Lululogo Print, Ebooks, Audio, Kalender, alle Genre Korrekturexemplar zu Herstellerkosten
Market-Reach (Amazon Marketplace und Ebay): 25,-$
Extended Reach (Amazon.com): 0??
Global Reach (Amazon.de etc.): 75,-$
Preis selbst festlgebar, Lulu erhält 20% vom Profit Große Community
readboxlogo Print und Ebooks, alle Genre Konditionen bei ruckzuckbuch.de einsehbar. Keine Angaben Bucherstellung von externem Dienstleister, eigene Lesecommunity, alle ebook-Formate, Bücher online lesen und extern embedden.
smashwordslogo Nur Ebooks, alle Genre Kostenfrei. Verschieden Formatierungspakete im Angebot. Smashwords: 85%, Händler: bis zu 42% Alle Ebook-Formate, freier Style- und Marketing-Guide
treditionlogo Print, ebook, Audio, alle Genre, auch Science. Print: Kostenlos. 79,90 für E-Book-Vertrieb bei Handelspartnern. Div. Service-Packete zum Verkauf. Preis selbst festlegbar. E- und Audio-book: 50% bei Verkauf über Tredition, 25% bei Verkauf über Partner. Print: Honorar nach Deckung der Verlagskosten abhängig vom Buchpreis. Gut im Vertrieb aufgestellt, insb. im ebook-Bereich. Mit Dienstleister-Community.

Auf einen Blick: Formate und Vertrieb

Anbieter Eingabeformat Ausgabeformat Vertrieb
blurblogo PDF (per InDesign-Templates oder Blurb Formatierungs-Programm) Print (Softcover, Hardcover) Ohne ISBN, nur Blurb-Shop
bodlogo Doc, PDF Print (Softcover, Hardcover) Fun: BoD-Shop ohne ISBN
Classic/comfort: Deutscher Buchhandel (Amazon/libri etc.)
+9,90 Euro: Händel US, Kanada, GB
bookovenlogo Online Editor, Import von docx und txt PDF, ePub, html, Print geplant Nur bookoven, Vertrieb über Handel geplant
bookrifflogo ??? Print (Softcover, Hardcover), Ebook Vertrieb geplant
bookrixlogo PDF, doc, div. Audio-Formate etc. Bookrix-Format (html), ePup Nur über Bookrix
logo_epubli PDF Print epubli-shop, Amazon-Marketplace, Deutscher Buchhandel (Amazon.de etc.)
fastpencillogo Div. Formate, insb. RSS, Online-Editor Print, PDF, ePub Fastpencil, Externe Händler (Amazon & Co.), keine deutschen Händler
grinlogo Doc, PDF Print, PDF Print: Grin, Amazon, Libri / Ebook: Grin, Spiegel, Zeit, Tagesspiegel etc.
amazonlogo html empfohlen Kindle Format Amazon
Lululogo PDF? Doc? Print, CD-ROM (z.B. Audio), PDF, ePub Amazon Marketplace, Ebay, Amazon.com, Amazon.de und div. Händler.
readboxlogo PDF Print, alle eBook-Formate von PDF über ePub bis mobi Nur Readbox?
smashwordslogo Doc Nur Ebooks, alle Formate von html bis epub Smashwords und diverse Retailer wie Amazon und Barnes&Nobles.
treditionlogo PDF, Doc Print, CD-ROM, PDF Nahezu alle deutschen Buch und ebook-Händler

* Ggf. folgt noch eine Tabelle zu Verwertungsrechten und Digital Right Management (DRM).

Linktipps

  • Christiane Schulzki-Haddouti von Kooptech mit einer offenen Vergleichstabelle zu Publishing-Plattformen.
  • Interessanter Vergleich zu den Produktionskosten von Lulu, Tredition, ebubli und BoD im Carecas Blog
  • U.a. Vergleich der Druckqualität von Lulu, BoD und epubli (Erfahrungsbericht) im Carecas Blog
  • U.a. eine Sammlung von Erfahrungsberichten mit verschiedenen Selfpublishern: Wege-zum-Buch.de

DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 02.Januar 2010 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.

FastPencil – Vom Text zum Buch

Posted: November 9th, 2009 | Author: Schuermanns | Filed under: Editing Online, Printing & Selling | 2 Comments »

Seit Ende Juli 2009 gibt es einen neuen Mitspieler im kleinen Kreis der Selfpublishing-Tools: PastPencil ist in dem verschlafenen Örtchen Campbell des Sonnenstaates Californien beheimatet und kann durchaus für frischen Wind bei Buchmachern sorgen. Denn die Publisher-Plattform hat eine entscheidende Neuerung: Man kann Inhalte aus dem Web per Mausklick integrieren und anschließend in der Plattform auch editieren. Wer also seine Inhalte ohnehin online erstellt und zum Beispiel einen Blog betreibt, kann mit wenigen Mausklicks seine Beiträge in ein Buch verwandeln. Damit könnte FastPencil den künftigen Weg beschreiben, der von der Texterfassung über den Import, das Editieren, die Gestaltung bis hin zum Publizieren die gesamte Entstehungskette bedient.

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Wie es funktioniert

Nach der Registrierung kommt man zu seiner persönlichen Verwaltungsoberfläche und kann direkt loslegen: Nicht weniger als 12 verschiedene Möglichkeiten der Bucherstellung stehen bereit, vom Kochbuch über persönliche Memoiren bis hin zu einer eher kuriosen Variante: Klassiker wie Bram Stoker’s Drakula einspielen und einfach mal versuchen, es noch besser zu schreiben (an Dostojewskijs Schuld und Sühne kann man sich ebenfalls versündigen).

FastPencil

Blogger wird eine Funktion besonders freuen: “Turn your blog into a book”. Damit lassen sich Bloginhalte per RSS oder direkt von der Homepage in die Plattform integrieren, die Anforderung von Passwort und Username schützen dabei vor Content-Klau. Schon beim Einspielen vermeidet die Plattform die Unzulänglichkeiten der Konkurrenz: Man kann nicht nur die Zeitspanne für die Beiträge angeben, sondern zusätzlich die Beiträge für den Import einzeln auswählen.

FastPencil

Einmal importiert können die Chapter sortiert und – wohl der größte Vorteil der Plattform – auch einzeln editiert werden. Mag sein, dass die ein oder anderen Tools zum Editieren noch ausbaufähig sind. Für die Umwandlung von Blogs in Publikationen gibt es derzeit jedoch keine Plattform mit vergleichbar umfassenden Funktionen auf dem Markt.

FastPencil

Neben diesen Kernfunktionen bietet FastPencil noch diverse Zusätze: Kapitel können kollaborativ bearbeitet werden, wobei zwischen zwei Rechten unterschieden wird: Reviewer, die Kommentieren dürfen und Editor, die eingreifen können. Es gibt einen Market-Place, in dem sich Editoren, Layouter oder Autoren treffen (also ein ähnliches Community-Modell wie bei Tredition.de).

Das Geschäftsmodell

Beim Geschäftsmodell verfolgt FastPencil den bekannten Weg der kostenpflichtigen Publikation, den Verkauf von Zusatzleistungen und die Beteiligung am Erlös. Die Preisliste ist durch die zahlreichen Publikationsvarianten etwas verwirrend:

Privat-Publikation

  • Minimum ist eine private Print-Publikation zu Herstellerkosten (Print-Buch), die über einen Kalkulator abgefragt werden können,…
  • …oder/und ein E-Book im ePUb oder PDF-Format für (zusätzlich) 9,99$.
  • Beides wird ohne ISBN nur zum privaten Gebrauch geliefert.

Fast-Pencil-Marketplace

  • Eine Distribution des Buches im Print- und E-Book-Format innerhalb des Marketplace ohne ISBN kostet für die Bereitstellung 19.99$ sowie jährlich eine Gebühr von 9,99$

Vertrieb über Amazon & Co.

  • Eine Publikation mit ISBN und Distribution über Amazon & Co. kostet im E-Book ODER Print-Format 149.99$.
  • Eine Publikation mit ISBN und Distribution über Amazon & Co. kostet im E-Book UND Print-Format 199,99$.

Autorenhonorar

(ACHTUNG: Diese Info ist ggf. veraltet und wird demnächst überarbeitet)
Offensichtlich hofft die Plattform auch auf einen Verkauf der Bücher, an dem sowohl der Autor mit einem Honorar, wie auch Fastpencil mit einer Provision beteiligt sind. Dabei wird grundsätzlich unterschieden, ob ein Buch nur privat über den FastPencil-Marketplace verkauft wird, oder ob das Buch eine ISBN erhält und auch außerhalb der FastPencil-Mitgliedschaft erworben werden kann. Eine genaue Aufstellung ist hier bei Fastpencil einsehbar.

Bei einem privaten Verkauf werden zunächst die Produktionskosten abgezogen, von dem Autorenhonorar wird Fastpencil mit einer Provision von 25% beteiligt.

Bei einem öffentlichen Verkauf über fremde Plattformen wie Amazon & co. erhält der Buchhandel den üblichen Anteil von 40% des Buchladenpreises, der auf den Basispreis (Herstellungskosten + Autorenhonorar + FastPencil-Anteil) aufgeschlagen wird. Erfolgt der Verkauf über den FastPencil-Marktplatz, werden diese 40% zwischen dem Autor und FastPencil aufgeteilt, und zwar wiederum 75% für den Autor und 25% für FastPencil.

Eine letzte Einnahmequelle der Plattform sind freiwillige Servicepackete rund um die Buchpublikation, die mit bis zu 999$ zu Buche schlagen können.

Schaut man sich das Konditionengefüge an, kann man den Service Fairness bescheinigen. Vermutlich werden schon in die Herstellungskosten ein gewisser Prozentsatz für die Plattform einberechnet, grundsätzlich dürfte die Plattform jedoch mit den Basispreisen für den Publikationsservice seine Fixkosten abdecken. Das der Service nicht grundsätzlich kostenlos ist, kann als offene Politik bewertet werden: Dass Publikationsdienste nicht mehr kostenlos sind und im Zweifelsfall vom Verlag quersubventioniert werden, sollte für Autoren einsichtig sein. Wer auf einen Bestseller hofft, wird wohl ohnehin zu einem klassischen Verlag gehen, denn die Buchpreise von derartigen Verlagsmodellen können durch die hohen Produktionskosten ohnehin nicht mit hochauflagigen Büchern konkurrieren.

Fazit

Insgesamt finden sich bei FastPencil viele gute Ansätze wieder, die hierzulande bereits Tredition ausprobiert hat: Das transparente Konditionengefüge, die Preisgestaltung durch den Autor, die angehängte Community etc. Die Stärke von FastPencil liegt jedoch sicher darin, dass es sich nicht mit einer Verkaufsplattform begnügt, sondern den Autoren erstmals vom Schreiben über das Editieren bis zum Publizieren alle nötigen Tools an die Hand gibt und dabei auch die Bedürfnisse einer nicht zu verachtenden Publisher-Gruppe berücksichtigt: die Blogger. Ein Manko ist sicherlich noch, dass keine eigenen Templates entwickeln werden können und damit dem gestalterischen Spielraum Grenzen gesetzt sind. Insgesamt wird mit Fastpencil jedoch ein Tor zu einer umfassenden Publikationsplattform geöffnet.


DIYG-Autor Schuermanns Dieser Artikel wurde am 09.November 2009 von Schuermanns geschrieben. Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.