Literaturcommunities und Autorenforen können wertvolle Anlaufstellen für Selfpublisher sein, um Erfahrungen und Infos auszutauschen oder das eigene Buch vorzustellen. Allzu üppig ist die Auswahl allerdings nicht: Eine handvoll Foren und Communities dominieren das geschehen, und selbst von den großen haben längst nicht alle den Übergang in das Web2.0-Zeitalter vollzogen. Um zumindest einen Einstieg zu erleichtern, sollen ein paar größere Foren hier kurz vorgestellt werden. Weitere interessante Adressen und Links können in die DIYG-Datenbank eingetragen bzw. recherchiert werden.
Angesichts des Hypes von Facebook und Co. wird Foren keine große Beachtung mehr geschenkt. Doch trotz der oft altertümlich wirkenden Konzepte und Designs versammeln Foren nach wie vor recht große und aktive Gemeinschaften. Und einige Foren haben inzwischen auch den Sprung zur Community geschafft und z.B. Netzwerk-Funktion integriert …
Lovelybooks
Eine erfreuliche Erscheinung in der Community-Szene ist Lovelybooks: Die Seite ist nicht nur ansprechend und zeitgemäß gestaltet, sondern auch im Web2.0 äußerst aktiv. Mit über 6000 Fans und einer starken Präsenz bei Twitter. Zudem hat Lovelybooks mit Aktionen wie dem “Leserpreis” zuletzt auch in der Blogszene Akzente gesetzt.
Mit Rezensionen, Gruppen, virtuellen Bibliotheken etc. lässt die Plattform kaum Wünsche offen. Einzelne Gruppen zählen mehrere tausend Mitglieder mit bis zu 50.000 Beiträgen. Damit dürfte Lovelybooks mit einigem Abstand die bedeutendste Community hierzulande sein.
Literatur-Couch
Einen interessanten Ansatz verfolgt auch die Literatur-Couch, unter deren Dach mehrere thematische Unter-Communities vesammelt sind. Die Mitgliedstärke aller Couch-Communities wird mit ca. 17.000 angegeben – damit dürfte die Foren-Gruppe hierzulande zu den größten gehören.
Die Intensität der Web2.0-Präsenz ist dabei von Forum zu Forum unterschiedlich: Während die Krimi-Couch auf Twitter und Facebook fleißig Fans und Follower sammelt, verzichten andere Foren komplett auf das Netzwerken im sozialen Web. Alles in allem sollten die Foren auch für Selfpublisher eine gute Anlaufstelle sein.
Literatina
Das Literatur- und Bücherforum Literatina ist durch zahlreiche Anzeigen im Literaturnetz recht bekannt und gehört klar zu den großen und etablierten Leserforen im Web. Und auch wenn der Trend eher in Richtung Netzwerke geht, zeigt Literatina, dass auch klassische Foren noch ihre Daseinsberechtigung haben. Wie üblich scheinen Krimis, Fantasy & co. zu dominieren, allerdings ist auch anspruchsvolle Belletristik gut vertreten, während Comics oder Sachbücher eher unterrepresentiert sind.
Im Gegensatz zu vielen anderen Foren ist Literatina z.B. auch auf Facebook mit über 300 Fans aktiv.
Von den zahlreichen klassischen Buch- und Literaturforen seien aufgrund ihrer Größe stellvertretend vier weitere erwähnt. Der Büchertreff zählt ca. 8000 Mitglieder, die Büchereule um die 6000 Mitglieder und der Literaturschock immerhin noch über 1000 Mitglieder. Viele dieser Communities verfügen über extra eingerichtete Rezensionsbereiche und die Zahlen verdeutlichen, dass auch über die klassische Forenszene nach wie vor zahlreiche Leser erreicht werden können.
Häufig lohnt es sich, nach kleineren Foren mit einem enger zugeschnittenen Themenkreis zu recherchieren. Dass solche Recherchen nicht nur Nischenforen zu Tage befördern, zeigt z.B. das Comic-Forum: Mit 40.000 Mitgliedern stellt es selbst die etablierten Literaturcommunities in den Schatten. Auch Mobile-Read, eine (allerdings internationale) Community zu E-Books und E-Readern, verfügt über eine beachtliche Mitgliederzahl…
Autorenforen
Fasst alle Literaturcommunities warten auch mit einem eigenen Bereich für Autoren auf. Communities ausschließlich für Autoren sind wesentlich seltener zu finden. Alternativ lohnt sich auf jeden Fall auch ein Blick in die Foren der Buchpublisher.
Schreibwerkstatt
Möglicherweise ist es auch dem sehr aufgeräumten Auftritt zu verdanken, dass die Schreibwerkstatt mit etwa 4800 Mitgliedern zu den größten Autorencommunities im Netz zählt. Auch die Rubriken des Forums sind wohl sortiert: Neben der Veröffentlichung eigener Texte in verschiedenen Gattungen bietet die Schreibwerkstatt einen Bereich für Rezensionen, Schreibtipps, Hinweise zu Literaturwettbewerben oder eine Liste von Literaturverlagen an.
Angesichts der Größe verwundert es allerdings, dass die Schreibwerkstatt auf eine Präsenz in den sozialen Netzwerken vollständig verzichtet.
Montsegur Autorenforum
Aufgrund der guten Themenwahl sei auch noch das Autorenforum Montsegur erwähnt: Mit Hinweisen zur Verlagssuche, Tipps zu Verträgen und einer Schreibwerkstatt konzentriert sich Montsegur vor allem auf das Autorenhandwerk und versteht sich weniger als Publikationsplattform für eigene Texte.
Recht restriktiv geht das Forum jedoch mit neuen Mitgliedern um: Alle Anmeldungen werden individuell geprüft, verlangt wird eine “aussagekräftige Bewerbung”. Entsprechend halten sich die Zahlen mit etwa 360 Mitgliedern in Grenzen.
Kurzer Blick auf Facebook
Eine einzelne “Group” auf Facebook ist sicher nicht vergleichbar mit der Größe und dem Aktivitätsgrad traditioneller Communities – in den meisten Fällen endet das Engagement mit dem Klick auf den Join-Button. Als Gesamtnetzwerk ist Facebook jedoch ein ideales Forum, dass mit Profilen, Fanpages und Groups viele Knotenpunkte für Gleichgesinnte bereithält. Große Gruppen und Fanpages sind beispielsweise “Zu viele Bücher, die ich lesen möchte” (Gruppe mit ca. 1.200 Mitgliedern), “Bücher” (Gruppe mit über 600 Mitgliedern), Buchtipp (Gruppe mit über 700 Mitgliedern), “Deutsche Literatur” (Gruppe mit gut 1000 Mitgliedern), die Fanpage der Aktion “Ich mache was mit Büchern” mit gut 1.500 Fans, Lesen=Luxus mit 1800 Fans oder die Fan-Page vom Webmagazin Literatur-Cafe mit über 700 Fans.
Als Beispiele für die bunte Vielfalt auf Facebook seien zwei unterschiedliche Präsenzen vorgestellt: Die-Schreib-Maschine ist eine junge Plattform aus Berlin für “Autoren, Komponisten, Liedtexter, Choreographen, Übersetzer und alle, die neue Musicals auf die Bühne bringen wollen”. Als recht speziell ausgerichtetes Forum hat die Schreib-Maschine inzwischen immerhin 180 Fans gesammelt. Mit einem netten Design und einer aktiver Diskussion lässt sich in Facebook also auch für sehr spezielle Themen Aufmerksamkeit erzeugen.
Ein ganz anderes Beispiel ist Lettra – ein Webmagazin, das sich auf Video-Rezensionen und (Web-)Büchersendungen spezialisiert hat, jedoch auch klassische Textbeiträge publiziert. Lettra kooperiert mit zahlreichen Tageszeitungen und generiert laut Eigenaussage ca. 60.000 Channel-Views im Monat. In unserem Zusammenhang interessant ist jedoch in erster Linie die Präsenz in den Netzwerken: Neben einer Mobile-App und einem Twitter-Stream gehört Facebook dabei zu den Hauptkanälen. Dort findet man eine recht beliebte Fan-Page (über 1800 Anhänger) sowei eine eigene Facebook-App, die immerhin über 400 Nutzer zählt. Mit der App lassen sich Bücher suchen, in virtuelle Regale stellen, bewerten, rezensieren, kaufen und schließlich ins eigene Profil einbinden. Eine Einbindung in fremde Fanpages gibt es leider noch nicht, allerdings wurden weitere Features und ein Relaunch der Lettra-Seite angekündigt…
Lettra ist kein Einzelfall: Wer auf Facebook nach Applikationen für Buchfreunde sucht, kann zwischen mehreren Dutzend Angeboten wählen. Eine Liste mit etwa 50 Facebook-Apps für Bücher hat vor einiger Zeit das Weblog Online-College zusammengestellt – und selbst die dürfte noch nicht vollständig sein. In jedem Fall sind einige dieser Tools auch für Selfpublisher nützlich, um Bücher über Facebook präsent zu machen.
Rezensionsdatenbank
Wer in diesem Bericht seine Lieblings-Community vermisst, schaut am besten noch einmal in der Rezensionsdatenbank des DIYG nach und trägt sie ggf. dort nach. Auch Blogs und Webmagazine, die sporadisch bis regelmäßig Bücher oder E-Books präsentieren oder rezensieren, sind dort gut aufgehoben. Allerdings nur, solange der Platz in der Datenbank noch reicht!
Dieser Artikel wurde am 01.März 2010 von Schuermanns geschrieben.
Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.
Ein strukturiertes Vorgehen bei der PR-Arbeit spart im Zweifelsfall viel Zeit und Frust. Wer sich also anschickt, Kontakte zu Bloggern, Journalisten oder Foren zu knüpfen, sollte die recherchierten Adressen irgendwo speichern, klassifizieren, und die Ergebnisse der Aktionen notieren. Die passenden Arbeitsmittel reichen von einfachen Excel-Tabellen bis hin zu umfangreichen, professionellen Kontaktmanagement-Tools. Für einzelne Bücher mag eine kleine Access-Datenbankvorlage hilfreich sein, die zumindest eine einfache Kontaktverwaltung ermöglicht …
Die (leere) Access-Datenbankvorlage kann man im Download-Bereich als Zip-Archiv herunterladen. Wer kein Access besitzt, findet dort auch einen Link zu Access-Runtime, mit dem sich Daten einpflegen und bearbeiten lassen. Eine Weiterentwicklung der Datenbank ist mit Runtime allerdings nicht möglich.
Zur Datenbank selbst: Sie kann nicht viel, aber zumindest das Wichtigste: Kontakte erfassen, Projekte zuordnen und Ergebnisse filtern. Das sollte für kleine PR-Anforderungen völlig ausreichen. Serienbrieffunktionen oder Reportings fehlen derzeit noch, allerdings sollte man Kontakte möglichst persönlich pflegen und bei kleinen Projketen nicht zu viel mit Serienbriefen arbeiten.
Als kleine Anleitung:
Das Hauptmenue mit drei Untermenues:
Kontakte eintragen (die eigentliche Datenbank mit Kontaktadressen und zugeordneten Projekten).
Felder editieren (hier können alle Drop-Down-Felder des Formulars editiert und damit auch Projekte angelegt werden).
Ergebniskontrolle (hier können die Kontakte nach Ergebnissen wie “nicht erreicht”, “Zusage”, “Absage” etc. gefiltert werden.
Im ersten Schritt legt man natürlich Projekte an und stimmt die restlichen Auswahlfelder auf seine Bedürfnisse ab (Felder editieren):
Grundsätzlich sind alle Dropdown-Felder editierbar. Wichtig sind vor allem:
Interessen: Über die Interessen kann man Zielgruppen näher definieren, daher sollte man sich hier ein sinnvolles System überlegen).
Projekte: Hier legt man seine Projekte an, z.B. das aktuelle Buchprojekt. Man kann stattdessen natürlich auch Aktionen anlegen, z.B. Marketing-Aktion, PR-Aktion etc. und die Ergebnisse später danach filtern.
Im zweiten Schritt pflegt man kontinuierlich seine Kontakte ein:
Per Button kann man Kontakte schnell wieder löschen (Vorsicht, hier gibt es keine Kontrollabfrage, der Kontakt ist auf Knopfdruck weg!)
Die Interessen sollte man wie gesagt sehr sorgfältig zuordnen, damit man einzelne Zielgruppen möglichst genau ansprechen kann
Alle E-Mail und Online-Felder öffnen bei Doppelklick im Browser/Mail-Programm
Im unteren Fenster kann man jeder Adresse beliebig viele Projekte zuordnen und den Projekten einen Status (Ergebnis) zuweisen (Zusage, Absage, nicht erreicht etc.)
Über die Zuweisung von Interessen, Projekten und Ergebnissen lässt sich schon recht gut arbeiten. Jetzt fehlt nur noch eine kleine Auswertung, damit man z.B. zu einem bestimmten Projekt bei allen Kontakte, die noch nicht erreicht wurden, noch einmal nachfassen kann:
Zur Recherche von Kontakten gibt es zwei Startpunkte auf dieser Seite:
1. Am besten erst einmal die Rezensentendatenbank durchforsten
2. Recherchehinweise gibt es auch in unserem PR-Leitfaden
Die Access-Datenbank im Download-Bereich ist natürlich recht einfach gehalten. Wer sich berufen fühlt, kann die Datenbank gerne weiterentwickeln und mit neuen Funktionen ausstatten. Erweiterte Versionen werden dann hier hochgeladen.
Wer es richtig professionell und vor allem webbasiert haben möchte, der kann sich das – allerdings kostenpflichtige – Onlinetool Buzzstream anschauen. Ein derart professionelles Tool dürfte für Selfpublisher allerdings hoffnungslos überdimensioniert sein…
Dieser Artikel wurde am 14.Februar 2010 von Schuermanns geschrieben.
Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.
Es ist so weit, das Buch ist veröffentlicht – und dennoch steht der schwierigste Teil noch bevor. Denn in der Masse von ca. 100.000 Veröffentlichungen pro Jahr erreichen viele Bücher nicht einmal einen einzigen Leser. Und selbstpublizierte Bücher haben es im Wettbewerb um Aufmerksamkeit besonders schwer: Der Vertrieb ist vergleichsweise schwach (keine Präsenz im verkaufsstarken Offline-Buchhandel), es prankt kein renommiertes Verlags-Logo als Gütesiegel auf dem Cover und die Publishing-Services bieten in Sachen Marketing kaum nennenswerte Unterstützung. Wenn sich der Autor bereits als Journalist oder Blogger einen Namen gemacht hat, ist schon ein kleines Band zur Leserschaft geknüpft – für Novizen sind die Hürden jedoch groß. Nicht aber unüberwindbar. An dieser Stelle werden einige Tipps und Tools zur Presse- und Medienarbeit für Bücher gesammelt. Das Thema Web2.0 und Social Media (Facebook, Twitter & Co.) wird in einem eigenen Beitrag behandelt.
Ohne in graue Theorie zu verfallen sollten doch einige Basics bekannt sein, denn der Weg zum Leser ist nicht nur steinig, sondern auch verzweigt: Da gibt es Marketing und Werbung, Pressearbeit und Public Relations (PR) und die Social Media mit den Social-Media-Releases als jüngstem Buzzword. Der Unterschied zwischen Werbung und PR ist mit einem viel zitierten Vergleich schnell erklärt: „Tue Gutes und rede darüber“ lautet das Motto der Werbung, „Tue Gutes, und bringe andere dazu, darüber zu reden“ ist der Wahlspuch der PR. „Social Media“ sind zwar derzeit in aller Munde, beschreiben jedoch keine dritte Strategie sondern eher eine neue Medien-Gattung, die über Marketing- oder PR-Techniken „bearbeitet“ werden kann. Allerdings haben die Spielregeln für Marketing und PR in den Social Media durchaus ihre Eigenheiten …
Nach der „Mini-Theorie“ stellt sich die Frage: welche Tools und Strategien nutze ich denn nun in der Praxis? Die Antwort ist knapp – man sollte es von seinen eigenen Stärken abhängig machen: Es gibt den überzeugenden Vertriebstyp, den kreativen Marketeer, den kontaktfreudigen PRler oder den beigeisterten Social-Media-Guru. Die Social Media sind für Selfpublisher aufgrund der geringen Einstiegskosten sicherlich der aussichtsreichste Tummelplatz. Wer jedoch eine geniale Marketing-Idee hat, sollte seine Kräfte auch auf diese Aktion konzentrieren. Als Beispiel: Für sein aktuelles Buch “Meconomy” hat Mark Albers – seinem journalistischen Hintergrund entsprechend – eine PR-Strategie mit Social-Media-Einschlag und einer werblich orientlierten Buch-Website verfolgt. Dagegen hat sich „Yoshi“, der Verfasser des ersten Handy-Bestsellers “Deep Love”, mit einer gewöhnlichen Webseite begnügt und statt der Medien unmittelbar seine Zielgruppe angesprochen. Dazu hat der Jung-Autor im Tokioter-Hip-Viertel „Shibuya“ tausende Visitenkarten an Schulmädchen verteilt und so seine Webseite populär und seinen Roman zum Bestseller gemacht. Die beiden Beispiele beschreiben in etwa die Bandbreite, aus der ein Selfpublisher schöpfen kann …
Der selbst-publizierte Manga für’s Handy wird zum Bestseller: DeepLove
Die Bandbreite des Buchmarketings – Beispiele und Vorschläge
Als Input zunächst ein paar Anregungen, die u.a. das eBook-Portal Smashwords seinen Autoren gibt:
Eine E-Mail-Signatur erstellen
Ein Buchcover erstellen und die Einbindung auf fremde Seiten ermöglichen (embed)
Das eBook (ggf. Leseproben) auf Stanza hochladen.
Leseproben über Sharing-Plattformen für Dokumente oder E-Mags verteilen
Familie, Freunden und Bekannten über das Buch erzählen.
Eine Visitenkarte/Flyer zum Buch erstellen und bei passenden Anlässen/Orten verteilen.
Medien, Blogs und Foren zum Themenkreis des Buches recherchieren
Eine Pressemitteilung zum Buch veröffentlichen.
Über PR eine Berichterstattung in Medien und Blogs erlangen.
Eine Lesung organisieren (Lesecafe etc.)
An Literaturwettweberben teilnehmen
Beispiele für Aktionen im Web2.0:
Sich in Online-Foren einbringen
Gastbeiträge und Interviews für Blogs anbieten
Zu passenden Blogbeiträgen inhaltlich gute und sachliche Kommentare posten
Soziale Netzwerke wie Facebook, Xing, StudiVZ etc. nutzen
Twitter nutzen
Einen Autoren- oder Buchblog (Blook) anlegen
Einen Buchtrailer für Youtube erstellen
Wie man über kreative Aktionen auch im Buch- und Verlagswesen für Aufmerksamkeit sorgen kann, zeigt diese Marketing-Aktion des Verlags Eichborn auf der Frankfurter Buchmesse 2009:
Struktur gewinnt
Wer sich so ganz ohne Planung in’s Vergnügen stürzt, dürfte bald den Überblick verlieren. Und das wiederum sorgt meist für doppelte Arbeit oder unerwünschte Ergebnisse. Dazu gehören genervte Redakteure/Blogger, die zum dritten mal erklären, dass sie das Thema nicht interessiert. Oder ein teuer versendetes Rezensionsexemplar an ein Medium, das bereits eine Besprechung zugesagt hat. Um Frust zu vermeiden, sollte man die Schritte also einigermaßen strukturieren. Der grobe Ablauf sollte so aussehen:
Mini-Marketing-Plan: Welche Zielgruppe kommt für das Buch in Frage und mit welchem Maßnahmenbündel soll sie erreicht werden?
Die Zusammenstellung/Aufbereitung von Informationen (z.B. Pressemitteilungen, Webseite, Flyer, Visitenkarte, Podcast, Vidcast etc.)
Recherche nach der Zielgruppe bzw. nach passenden Medien, Blogs, Foren etc.
Die Durchführung, also die Aktion selbst (Marketing) oder das Kontaktieren und Nachfassen (PR)
Die Erfolgskontrolle und ggf. das Monitoring
Für ein einzelnes Buch muss der Planungsaufwand natürlich in einem angemessenen Verhältnis stehen, aber zumindest eine Excel-Tabelle oder bestenfalls eine kleine Access-Kontaktdatenbank mit Kontrollmöglichkeiten sollte es schon geben. Ein kleines Hilfstool (Access-Datenbank) wird hier im DIYG vorgestellt und auch zum Download angeboten. Ein paar Tipps und Tools zu den einzelnen Schritten:
Vorbereitung: Presse- und Medieninformationen erstellen
Ob Presseinformation, E-Mail, Webseite oder Social-Media-Release – man sollte sich vorher sehr genau überlegen, wie die Informationen aufbereitet sein müssen, damit die Redakteure, Blogger oder Leser auch anspringen. Stehen klassische Medien im Visier, sind nüchterne und gut aufbereitete Informationen gefragt, ein werblicher Tenor, ein blumiger Stil oder gar Wortwitz sind absolut fehl am Platz. Bei Bloggern darf es schon etwas persönlicher zugehen. Die Direktansprache von Lesern ist meist eher werblich, z.B. eine Webseite oder ein Youtube-Video mit zumindest etwas viralem Potential. Als Lektüre seien an dieser Stelle die Blogs PR-Doktor und PR-Blogger empfohlen.
Für die textliche Seite finden sich im Netz diverse Anleitungen und Hinweise. Da Redakteure täglich eine enorme Menge an Informationen bewerten und verarbeiten müssen, kann man jedoch sicher sein, dass eine unprofessionell anmutende Pressemitteilung bei den Redakteuren ungelesen in den Papierkorb wandert. Das gilt übrigens auch für leicht zu enttarnende Massenmails mit Ansprachen wie “Sehr geehrte Damen und Herren”: Immer den Namen recherchieren und die persönliche Anrede wählen! Im Zweifelsfall lohnt sich bei der Erstellung von Informationen die Investition in einen freien PR-Texter oder Journalisten, denn andernfalls ist alle weitere Mühe umsonst. Einige Anlaufstellen für die Recherche:
Auftragsplattform Elance für Programmierer und Webdesigner, die man ggf. bei der Erstellung einer Webseite benötigt.
Natürlich sollte man vorher sehr nüchtern abschätzen, ob sich die Investitionen für das Buch lohnen. Im Zweifelsfall und bei ausreichendem Talent und Know-How gilt auch hier das DIY-Motto: MS-Word, PDF, die Blogsoftware Wordpress oder Blogportale wie Twoday machen es möglich. Aber Vorsicht: Das Ergebnis sollte inhaltlich und optisch professionell erscheinen. Niemals mit unprofessionellen Materialien an Redakteure (oder namhafte Blogger) herantreten …
Recherche: Wohin mit den Infos?
Da wir zunächst die aktive Web2.0-Arbeit ausblenden, bleiben als Ziel für die Informationen die klassischen Online- und Offline-Medien, Blogs und Foren (Blogs nicht als Web2.0-Anwendungen verstanden, sondern als Zielmedien für die Pressearbeit). Stellt sich nur die Frage: Wie finde ich Foren, Blogs und Medien, die zu meinem Thema passen?
Etwas unterentwickelt: Forenverzeichnisse
Interessanterweise gibt es – im Gegensatz zur gut organisierten Blogosphäre – keine wirklich zufriedenstellenden Suchmaschinen oder Verzeichnisse für Foren. Die Forensuchmaschine Twing.com ist offensichtlich eingestellt worden, sodass man Google bemühen muss oder einige der zerstreuten Forenverzeichnisse nutzen wird. Eine (unvollständige) Liste mit Forenverzeichnissen findet man hier:
Man kann die Suchmaschine Boardtracker testen, sie dürfte jedoch nicht allzu viele deutschsprachige Ergebnisse liefern.
Eintrittskarte in die Blogosphäre: Verzeichnisse und Rankings
Inzwischen gibt es wohl zu fast allen relevanten und weniger relevanten Themen einen oder gleich ein ganzes Universum an Blogs. Und tatsächlich werden auch Blogger vermehrt zum Ziel von PR-Aktionen (selbst mit einem kleinen Blog kann man sich heute auf PR-Zuschriften einstellen). Ein Grund ist sicherlich der hohe Organisationsgrad der Blogosphäre: Es gibt Blog-Rankings, Blog-Verzeichnisse und Blogsuchmaschinen, über die sich thematisch passende Blogs relativ schnell recherchieren lassen. Und auch wenn die meisten Blogs keine besonders große Reichweite vorweisen können, so wird mit jedem Beitrag potentiell ein neuer Leser gewonnen und zumindest ein neuer Link generiert, über den Suchenden schließlich zum Buch gelangen. Und tatsächlich werden von vielen Blogs auch immer wieder mal Bücher und Autoren vorgestellt, einige haben sich sogar komplett auf die Rezension von Büchern spezialisiert. Ein paar Einstiegspunkte für die Recherche:
Blog-Rankings
In einem der Top-Blogs besprochen zu werden, ist natürlich schön. Die Frage ist jedoch: interessiert den Blogger das Thema des Buches? Und ebenso wie bei den klassischen Redaktionen werden Massenmails, unprofessionelle oder unpassende Inhalte von Top-Bloggern ingoriert. Bekannte Blogrankings sind:
Deutsche Blogcharts: Die Top 100-Blogs nach Anzahl der Verlinkungen (Backlinks, d.h. wie viele Seiten verlinken auf den Blog)
Deutsche Lesercharts: Die Top 500-Blogs nach Abonnenten (Zahl der Feed-Leser: es werden jeweils nur die Blogs ausgewertet, die ihren Feed über Feedburner/Google ausgeben. Das sind viele, aber nicht alle).
Blogoscoop.net : Eine sehr nützliche Mischung aus Verzeichnis und Ranking. Damit können Blogs nach Themen gefiltert und gleichzeitig deren Bedeutung grob eingeschätzt werden.
Blog-Verzeichnisse
In Verzeichnissen kann man die Blogs nach Themenschwerpunkten recherchieren. Das bringt im Zweifelsfall mehr Erfolg, allerdings weisen die meisten Blogs wie gesagt nur sehr wenige Leser auf.
Eine lange Liste mit weiteren Verzeichnissen gibt es z.B. auf Konzept-Welt.
Blogsuche
Schließlich kann man Blogs auch noch durchsuchen – eine sehr nützliche Funktion, um sich über aktuelle Blogposts zum Themenkreis des Buches informieren zu lassen und sich dann über (sinnvolle!) Kommentare in die Diskussion einzubringen. Eine Blogsuche ist möglich unter:
Google Blogsearch oder
Twingly, eine der beliebtesten Blogsuchmaschinen im Netz
Klassische Medien: Wie gelangt die Pressemitteilung in ein Blatt?
Traditionelle Print- und Online-Medien sind für Selfpublisher vermutlich die größte Hürde, allerdings versprechen sie auch eine hohe Verbreitung (Auflage/Reichweite). Es gibt durchaus Fälle, in denen es Selfpublisher bis zu einem Interview im Regionalfernsehen geschafft haben, unüberwindbar sind die Schwierigkeiten also nicht. Aber natürlich nur, wenn das Buch qualitativ gut ist, die richtigen Medien angesprochen werden und die gelieferten Informationen professionell und passgenau sind. Ein paar Tipps und Tools:
Kostenlose Portale für Pressemeldungen
Ein Hinweis, der fasst überall zu finden ist: Es gibt diverse Portale, über die Pressemitteilung bei Einhaltung grundlegender Qualitätsstandards kostenfrei veröffentlicht werden können. Ein paar Übersichten über solche Angebote:
Man sollte sich allerdings nicht der Illusion hingeben, über derartige Pressemitteilungen in die Medien zu gelangen. Selbst bei einem bezahlten Versandservice an einen Presseverteiler sind die Aussichten ausgesprochen gering, wenn es sich nicht um eine wirklich relevante Mitteilung handelt. Und Pressemitteilungen zu selbstpublizierten Büchern sind für Redakteure nie relevant. Auch die direkte Leserschaft solcher Portale dürfte (zumindest für solche „privaten“ Presseinformationen) gering sein. Ein Vorteil ist jedoch, dass die Pressemitteilungen nach dem Einstellen i.d.R. über Google und im besten Fall über Google News auffindbar sind. Wer diese Portale nutzt, kann gleich auch die verschiedenen Nachrichten- und sonstigen Bookmark-Networks wie Yigg oder Webnews nutzen. Eine relativ aktuelle Übersicht hat der Webstandard zusammengestellt.
Presseverteiler – Kostenpflichtige Angebote
Wer wirklich in die Presse will, muss erst einmal passende Zielmedien ausfindig machen – und genau da liegt der Haken. Presse-Profis und PR-Agenturen arbeiten mit eigenen Presseverteilern, die Kontaktdaten zu den Medien und den Redakteuren einzelner Ressorts enthalten. Die Datenbanken sind meist hoch spezialisiert und werden wie ein Augapfel gehütet. Es gibt jedoch auch Dienstleister, über die sich solche thematisch zugeschnittenen Presseverteiler einkaufen lassen – allerdings muss man dazu schon mehrere hundert Euro auf den Tisch legen. Die bekannten Dienstleister sind:
Zimpel-Online vom Zimpel-Verlag, Adressen als Tabelle/Datenbank
Der Stamm vom Stamm-Verlag, Adressen als Tabelle/Datenbank
Der Verteiler-Service von News-Aktuelle (von der DPA), Adressen als Tabelle/Datenbank
Pressehandbücher von Kroll, alles Print, für relativ wenig Geld (gut 30,- Euro) kann man sich auch die kleineren Themenbroschüren besorgen.
Das ist zumindest interessant, wenn das Thema einen regionalen Zuschnitt hat.
Außerdem kann man sich im Netz einen Überblick über bestehende (Print- und Online-)Medien verschaffen: Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung und Verbreitung von Werbeträgern (IVW) ist die zentrale Stelle zur Prüfung von Auflagen und Reichweiten, die u.a. für die Anzeigenpreise ausschlaggebend sind. Auf der Webseite kann man Medien thematisch recherchieren und deren Bedeutung abgeschätzen. Allerdings stehen keine Kontaktdaten zur Verfügung.
Auch wenn sich die Datenbank auf Fachzeitschriften beschränkt, so dürfte sie doch zumindest für Sach- und Fachbücher eine ergiebige Quelle sein. Die Datenbank lässt sich nach Themen durchsuchen und liefert neben den Auflagen und Reichweiten häufig auch die Kontaktdaten des Mediums. Mit ein wenig Phantasie lassen sich ggf. auch andere Gattungen in Fachzeitschriften unterbringen:
Nehmen wir einen Krimi, bei dem der Gärtner ausnahmesweise nicht der Mörder ist, sondern die Gärtnerin ermordet wurde und der Inspektor Blumen über alles liebt. Mit dieser Rahmenhandlung könnte man durchaus über das Fachzeitschriftenportal die etwa 100 Gartenmagazine abklappern und den Redakteuren ein Rezensionsexemplar anbieten. Nicht ausgeschlossen, dass sich ein Redakteur über einen exotischen Gimmik als Seitenfüller freut, und auch die lesenden Gartenprofis interessiert es selbstredend brennend, wer zu solch einer Tat fähig sein könnte …
Ergebniskontrolle/Monitoring
Hier ist nicht der Platz, um eine Einführung in die Ergebniskontrolle zu liefern. Bei einer Aktion für ein einzelnes Buch ist das auch schlicht übertrieben. Im professionellen Bereich wird das Monitoring ohnehin von spezialisierten Dienstleistern (z.B. Landau-Medien im klassischen Bereich oder ethority im Web2.0) übernommen. So ganz unwichtig ist das Monitoring dennoch nicht, denn die Zahl der Rezensionen und die Stimmen der Kritiker sind für die weitere Arbeit natürlich enorm wichtig.
Bei klassischen Print-Medien kann man in der Regel um ein Belegexemplar bitten. Bei Online-Medien bieten sich viele Möglichkeiten an (auch hier ist die o.g. Excel-Liste oder Access-Datenbank wieder nützlich). Ein Einstieg in das Thema ist z.B. über folgende Beiträge möglich:
Es gibt unzählige weitere Berichte und Tools, die grundsätzlich nützlich sind, wenn es zum Beispiel ohne direkten Kontakt zu weiteren Buchbesprechungen kommt oder gar virale Effekte eintreten (Verbreitung über Mund-zu-Mund-Propaganda). Aber ganz ehrlich: Wir rechnen erst einmal nicht damit…
Dieser Artikel wurde am 08.Februar 2010 von Schuermanns geschrieben.
Sebastian Schürmanns ist Initiator des Do-It-Yourself-Guides for Publishers. Er war über acht Jahre als Produktmanager, Berater und Texter für Verlage und Agenturen tätig. Seit Anfang 2010 arbeitet er in einer Internet-Agentur und hält mit dem DIYG seine Liebe zum Publishing-Business warm.
MyTweetMag is now in open beta | MyTweetMag 27. Juli 2010 | blog.mytweetmag.com Yesterday we erased the betacode-check and MyTweetMag is now accessable for everbody without any cod…