Veröffentlicht am März 15, 2024

Als Geschäftsführer eines Schweizer KMU kennen Sie den Wert von Qualität, Präzision und Stabilität. Der Druck zur Digitalisierung ist allgegenwärtig, doch die damit verbundenen Geschichten von gescheiterten Grossprojekten, explodierenden Budgets und frustrierten Mitarbeitenden schrecken ab. Viele Beratungsansätze fokussieren auf disruptive Technologien und schnelle Umstellungen – ein Vorgehen, das der DNA eines qualitätsbewussten Schweizer Betriebs fundamental widerspricht. Die Sorge, bewährte Prozesse und die hart erarbeitete Firmenkultur aufs Spiel zu setzen, ist mehr als berechtigt.

Die landläufige Meinung ist, man müsse die Belegschaft für die Digitalisierung „begeistern“ oder mit den „richtigen Tools“ überzeugen. Doch was, wenn der Kern des Problems woanders liegt? Was, wenn der Widerstand nicht aus einer Abneigung gegen Neues, sondern aus einer berechtigten Sorge um den Verlust von Identität und Qualität entsteht? Der entscheidende Fehler ist, die Digitalisierung als reines IT-Projekt zu betrachten, das von oben nach unten durchgesetzt wird. Für eine nachhaltige Verankerung braucht es einen anderen Weg: einen, der die Kultur ehrt, die Mitarbeitenden einbezieht und den Wandel nicht aufzwingt, sondern organisch wachsen lässt.

Dieser Artikel stellt Ihnen einen solchen Weg vor: die „Uhrmacher-Methode“. Statt eines riskanten „Big Bang“ setzen Sie auf eine präzise, schrittweise und kulturorientierte Transformation. Sie lernen, wie Sie eine klare Roadmap ohne tiefes IT-Wissen erstellen, wie Sie interne „digitale Champions“ als treibende Kraft nutzen und welche Prozesse Sie zuerst angehen sollten, um schnelle Erfolge zu erzielen und Vertrauen aufzubauen. Ziel ist es, die Digitalisierung nicht als Bedrohung, sondern als logische Weiterentwicklung Ihrer bestehenden Stärken zu etablieren.

Der folgende Leitfaden ist in acht strategische Schritte unterteilt, die Sie durch den gesamten Prozess führen – von der Analyse der Ursachen für Widerstand bis hin zur konkreten Umsetzung erster Automatisierungsprojekte. Jeder Abschnitt baut auf dem vorherigen auf und gibt Ihnen ein klares, strukturiertes Vorgehen an die Hand.

Warum 70% der Digitalisierungsprojekte am Mitarbeiterwiderstand scheitern?

Die häufigste Fehleinschätzung bei Digitalisierungsvorhaben ist die Annahme, Widerstand sei irrational oder rein technikfeindlich. In Wahrheit ist er oft ein logisches Symptom einer bedrohten Unternehmenskultur, insbesondere in der Schweiz. Mitarbeitende, die stolz auf ihre Handwerkskunst und die Qualität ihrer Arbeit sind, fürchten nicht das neue CRM-Tool an sich. Sie fürchten den Verlust von Kontrolle, bewährten Abläufen und letztlich der Qualität, die den Ruf des Unternehmens ausmacht. Wenn digitale Werkzeuge als von aussen auferlegte Störungen wahrgenommen werden, die etablierte Prozesse untergraben, ist Abwehr die natürliche Reaktion.

Diese Angst ist nicht unbegründet. Eine vielbeachtete Analyse zeigt, dass rund 85% der Schweizer KMU als „digitale Dinosaurier“ gelten, die weder Kundenerlebnis noch Geschäftsprozesse konsequent digitalisiert haben. Dies ist weniger ein Zeichen von Ignoranz als vielmehr von einer tief verwurzelten Vorsicht. Der Fokus liegt auf der Aufrechterhaltung exzellenter Standards. Ein Top-Down-Ansatz, der Technologie über den Menschen stellt, ignoriert diese kulturelle Verankerung und provoziert genau den Widerstand, der Projekte zum Scheitern bringt.

Der Schlüssel liegt darin, die Perspektive zu wechseln: Statt den Widerstand zu „managen“, muss man seine Ursachen verstehen und proaktiv vermeiden. Es geht nicht darum, Mitarbeitende zu überreden, sondern darum, sie zu Mitgestaltern zu machen. Die Digitalisierung muss als Werkzeug zur Verbesserung und Sicherung der Qualität positioniert werden, nicht als deren Ersatz. Wenn ein neues Tool hilft, einen mühsamen Prozess präziser, schneller und weniger fehleranfällig zu gestalten, wird es nicht als Bedrohung, sondern als willkommene Unterstützung wahrgenommen.

Wie Sie eine fundierte Digitalisierungs-Roadmap in 6 Schritten ohne IT-Wissen erstellen?

Eine erfolgreiche Digitalisierung beginnt nicht mit dem Kauf von Software, sondern mit einem klaren Plan. Als Geschäftsführer ohne IT-Hintergrund ist es Ihre Aufgabe, die strategische Richtung vorzugeben, nicht die technische Implementierung zu leiten. Eine gute Roadmap übersetzt Geschäftsziele in digitale Initiativen und schafft einen Konsens im gesamten Unternehmen. Sie ist Ihr Kompass, der sicherstellt, dass jede Investition und jede Veränderung auf Ihre übergeordneten Ziele einzahlt. Der folgende 6-Schritte-Prozess, angelehnt an die bewährte ACT-Methode, ermöglicht Ihnen die Erstellung eines solchen Plans.

Detailaufnahme einer strategischen Planungsübung mit Schweizer Elementen, die den schrittweisen Aufbau einer Roadmap symbolisiert

Wie die Abbildung andeutet, geht es um ein methodisches, schrittweises Vorgehen. Jeder Baustein muss solide sein, bevor der nächste darauf platziert wird. Dieser Plan dient als gemeinsame Sprache zwischen Management, Fachabteilungen und externen Partnern. Er macht die Transformation greifbar und nachvollziehbar. Die folgenden sechs Schritte führen Sie zu Ihrem persönlichen digitalen Masterplan:

  1. Marktanalyse und Technologieradar: Analysieren Sie, wie sich Ihr Markt und die Kundenerwartungen verändern. Welche Technologien nutzen Ihre Wettbewerber? Halten Sie diese Chancen fest, ohne sich bereits für eine Lösung zu entscheiden.
  2. Digitale Vision und Schwerpunkte: Wo soll Ihr Unternehmen in 3 bis 5 Jahren stehen? Definieren Sie klare, messbare Ziele (z.B. „20% mehr Effizienz in der Auftragsabwicklung“, „Kundenanfragen innerhalb von 4 Stunden beantworten“).
  3. Prozessanalyse und Quick-Wins: Identifizieren Sie interne Prozesse, die langsam, fehleranfällig oder ressourcenintensiv sind. Suchen Sie nach „Quick-Wins“ – einfachen Verbesserungen mit grosser Wirkung –, um schnell erste Erfolge zu erzielen.
  4. Förderinstrumente prüfen: Die Schweiz bietet exzellente Unterstützung. Prüfen Sie Programme von Innosuisse, kantonale Förderbanken oder branchenspezifische Initiativen. Oft wird ein grosser Teil der Beratungs- und Umsetzungskosten subventioniert.
  5. CEO-Übersetzungs-Matrix: Rechnen Sie technische Ziele in betriebswirtschaftliche Kennzahlen um. Was bedeutet „Cloud-Migration“ in Franken? (z.B. „Reduktion der IT-Wartungskosten um 15’000 CHF pro Jahr“). Dies macht den Nutzen für alle verständlich.
  6. Masterplan dokumentieren: Fassen Sie Vision, Ziele, priorisierte Projekte, Verantwortlichkeiten und ein gestaffeltes Budget in einem klaren Dokument zusammen. Dieser Plan ist nicht in Stein gemeisselt, sondern wird jährlich überprüft und angepasst.

Big-Bang-Umstellung oder schrittweise Digitalisierung: Was minimiert Betriebsrisiken?

Eine der fundamentalsten Entscheidungen Ihrer Digitalisierungsstrategie betrifft das Tempo und den Umfang der Veränderung. Der „Big-Bang-Ansatz“, bei dem ganze Systeme an einem Stichtag umgestellt werden, verspricht eine schnelle Transformation, birgt aber immense Risiken. Ein Totalausfall des Betriebs, massive Schulungskosten und eine überforderte Belegschaft sind reale Gefahren. Besonders für Schweizer KMU, bei denen Betriebsunterbrüche direkt die Qualität und den Ruf gefährden, ist dieser Ansatz oft ungeeignet. Eine ETH-Studie zur digitalen Transformation zeigt, dass gerade Kleinunternehmen oft nur einen Bruchteil der verfügbaren Technologien nutzen – eine komplette Umstellung wäre ein zu grosser Sprung.

Die Alternative ist die Uhrmacher-Methode: eine schrittweise, kontrollierte Digitalisierung. Hier werden einzelne Prozesse oder Abteilungen als Pilotprojekte ausgewählt. Man optimiert ein „Zahnrad“ nach dem anderen, testet, lernt und passt an, bevor man das nächste in Angriff nimmt. Dieser Ansatz respektiert die bestehende Kultur, minimiert finanzielle Risiken und erlaubt den Mitarbeitenden, sich schrittweise an neue Arbeitsweisen zu gewöhnen. Er baut Vertrauen auf, anstatt Angst zu schüren.

Big-Bang vs. Schrittweise Digitalisierung
Aspekt Big-Bang-Ansatz Schrittweise (Uhrmacher-Methode)
Risiko Hoch – Totaler Betriebsunterbruch möglich Niedrig – Kontrollierte Pilotprojekte
Investition Grosse Initialinvestition Gestaffelte Budgets
Mitarbeiterakzeptanz Überforderung wahrscheinlich Bessere Anpassungsmöglichkeit
Kulturfit Schweiz Widerspricht Qualitätssicherung Passt zu Präzisionskultur

Die Tabelle macht deutlich: Für die meisten KMU ist der schrittweise Ansatz der überlegene Weg. Er mag auf den ersten Blick langsamer erscheinen, führt aber zu einer nachhaltigeren und tieferen kulturellen Verankerung der Digitalisierung. Es geht darum, das Uhrwerk des Unternehmens nicht zu zerschlagen und neu zu bauen, sondern es behutsam zu zerlegen, jedes Teil zu polieren und es dann noch besser wieder zusammenzusetzen.

Der Tool-Wildwuchs-Fehler, der 60% der Mitarbeitenden überfordert statt unterstützt

Ein häufiger Nebeneffekt unkoordinierter Digitalisierungsbemühungen ist der sogenannte „Tool-Wildwuchs“. Jede Abteilung führt eine eigene Insellösung ein – ein Chat-Tool hier, eine Projektmanagement-Software dort, ein separates Tool für die Spesenabrechnung. Das Ergebnis ist ein fragmentiertes, ineffizientes und frustrierendes Arbeitsumfeld. Anstatt die Arbeit zu erleichtern, zwingt dieser Wildwuchs die Mitarbeitenden, ständig zwischen verschiedenen Anwendungen zu wechseln, Daten manuell zu übertragen und sich in immer neue Benutzeroberflächen einzuarbeiten. Dies führt zu Überforderung und senkt die Produktivität – das genaue Gegenteil des angestrebten Ziels.

Dass hier ein grosses Problem liegt, ist vielen Unternehmen bewusst. Eine Credit Suisse KMU-Umfrage zeigt, dass 47% der Unternehmen einen grossen Handlungsbedarf bei der Mitarbeiterschulung im Kontext der Digitalisierung sehen. Diese Zahl ist ein klares Indiz dafür, dass die eingeführten Tools die Menschen oft überfordern. Anstatt jedoch noch mehr Schulungen für unzählige Einzel-Tools anzubieten, liegt die Lösung darin, die Tool-Landschaft strategisch zu konsolidieren. Suchen Sie nach integrierten Plattformen, die mehrere Funktionen abdecken, anstatt für jedes Problem eine neue App einzuführen.

Ein entscheidender Aspekt bei der Tool-Auswahl, der oft übersehen wird, ist die Datensouveränität. Gerade für Schweizer KMU ist es essenziell zu wissen, wo die eigenen Daten gespeichert sind und wer darauf Zugriff hat. Die Einhaltung des neuen Datenschutzgesetzes (nDSG) ist dabei nur ein Punkt. Eine strategische Tool-Auswahl bedeutet, die Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten.

Ihr Plan zur Prüfung der Datensouveränität

  1. Serverstandort prüfen: Verifizieren Sie, ob die Server des Anbieters in der Schweiz oder zumindest in der EU stehen, um eine solide rechtliche Grundlage zu gewährleisten.
  2. nDSG-Compliance sicherstellen: Fordern Sie vom Anbieter eine Bestätigung der Konformität mit dem neuen Schweizer Datenschutzgesetz (nDSG).
  3. Datenexport vertraglich sichern: Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Daten jederzeit und in einem gängigen Format exportieren können, um einen „Lock-in-Effekt“ zu vermeiden.
  4. Löschprozesse definieren: Klären Sie vertraglich, wie und in welchen Fristen Ihre Daten nach Vertragsende unwiderruflich gelöscht werden.
  5. Schweizer Gerichtsstand vereinbaren: Bestehen Sie, wenn immer möglich, auf einem Schweizer Gerichtsstand, um im Streitfall rechtliche Sicherheit zu haben.

Wie Sie in jedem Team 2 digitale Champions finden und als Multiplikatoren einsetzen?

Die nachhaltigste Veränderung kommt von innen. Anstatt externe Berater als alleinige Treiber der Digitalisierung einzusetzen, liegt die grösste Kraft in Ihren eigenen Mitarbeitenden. In jedem Team gibt es Personen, die eine natürliche Neugier für neue Technologien und eine positive Einstellung gegenüber Veränderungen mitbringen. Diese Personen sind Ihre digitalen Champions. Ihre Aufgabe ist es nicht, Programmierer oder IT-Experten zu sein. Ihre wahre Stärke liegt darin, als Brückenbauer und Übersetzer zu fungieren.

Ein digitaler Champion versteht die täglichen Herausforderungen seines Teams und kann den Nutzen eines neuen digitalen Werkzeugs in der Sprache seiner Kollegen erklären. Er oder sie kann Ängste abbauen, praktische Hilfestellung geben und Erfolgsgeschichten aus dem eigenen Team teilen. Diese Multiplikatoren schaffen Vertrauen und Akzeptanz auf eine Weise, die das Management allein niemals erreichen könnte. Durch ihre Nähe zum Team können sie wertvolles Feedback sammeln und sicherstellen, dass die Digitalisierung nicht an der Realität des Arbeitsalltags vorbeigeht.

Zwei Kollegen im Schweizer Büro, die Wissen weitergeben und Teamdynamik zeigen, symbolisch für digitale Champions.

Wie findet man diese Champions? Suchen Sie nicht nach den technisch versiertesten, sondern nach den kommunikativsten und hilfsbereitesten Personen. Es sind oft diejenigen, die bereits heute von Kollegen bei Computerproblemen um Rat gefragt werden. Schweizer KMU haben hier durch ihre oft flachen Hierarchien einen entscheidenden Vorteil. Teams können agiler und interdisziplinärer agieren. Geben Sie diesen identifizierten Champions einen klaren Rahmen: statten Sie sie mit etwas mehr Zeit, kleinen Weiterbildungen und dem offiziellen Mandat aus, ihr Team zu unterstützen. Lassen Sie sie selbstorganisiert arbeiten und ihre Stärken dort einbringen, wo sie am wirksamsten sind. So wird ihre Begeisterung ansteckend.

Wie Sie eine fundierte Digitalisierungs-Roadmap in 6 Schritten ohne IT-Wissen erstellen?

Nachdem die strategischen Bausteine definiert sind, geht es an die praktische Umsetzung der Roadmap. Ein Plan auf dem Papier ist wertlos, wenn er nicht in konkrete, überschaubare und realistische Schritte zerlegt wird. Hier liegt oft die grösste Herausforderung: die Brücke von der Vision zur wöchentlichen Arbeitsplanung zu schlagen. Anstatt das gesamte 12-Monats-Programm auf einmal anzugehen, sollten Sie es in Quartale oder sogar Monate unterteilen, wobei jeder Zeitabschnitt ein klares, erreichbares Ziel hat.

Der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung der Roadmap ist eine transparente und kontinuierliche Kommunikation. Jede Phase, jedes Pilotprojekt und jedes Ergebnis muss im Unternehmen sichtbar gemacht werden. Beginnen Sie mit einem Kick-off-Meeting, bei dem Sie die Vision und die ersten Schritte vorstellen. Richten Sie einen einfachen, regelmässigen Kommunikationskanal ein – sei es ein monatliches Update im Intranet, eine kurze Präsentation im Team-Meeting oder ein Aushang am schwarzen Brett. Zeigen Sie nicht nur die Erfolge, sondern sprechen Sie auch offen über Herausforderungen und Lerneffekte. Diese Transparenz baut Vertrauen auf und verhindert, dass Gerüchte und Unsicherheiten entstehen.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Budgetierung. Anstatt ein riesiges Einmalbudget zu beantragen, das schwer zu rechtfertigen ist, sollten Sie die Investitionen entlang Ihrer Roadmap staffeln. Weisen Sie jedem Schritt ein eigenes, überschaubares Budget zu. Dies ermöglicht eine flexiblere Steuerung und reduziert das finanzielle Risiko. Beginnen Sie mit einem kleinen Budget für die Analyse- und Konzeptionsphase. Der Erfolg des ersten „Quick-Win“-Projekts wird die Rechtfertigung für die nächste, grössere Investition liefern. Dieser iterative Ansatz passt perfekt zur Uhrmacher-Methode und macht die Finanzierung der Transformation für Ihr KMU wesentlich leichter verdaubar.

Wie Sie Kultur, Technologie und Wirtschaft in 3 Schritten in Ihre Strategie integrieren?

Eine Digitalisierungsstrategie, die nur auf Technologie oder nur auf Wirtschaftlichkeit schaut, greift zu kurz. Nachhaltiger Erfolg entsteht erst, wenn drei Dimensionen im Gleichgewicht sind: die Kultur (Menschen und Akzeptanz), die Technologie (Werkzeuge und Prozesse) und die Wirtschaft (ROI und Geschäftsziele). Eine Studie zeigt, dass zwar rund 75% der Schweizer KMU eine Digitalisierungsstrategie haben, doch viele dieser Strategien scheitern an der mangelnden Integration dieser drei Säulen. Es nützt nichts, das technologisch beste Tool einzuführen, wenn die Mitarbeitenden es nicht annehmen (Kultur) oder wenn es die Betriebskosten in die Höhe treibt, ohne den Umsatz zu steigern (Wirtschaft).

Die Integration gelingt durch einen bewussten, dreistufigen Prozess:

  1. Schritt 1: Kultur-Audit (Der Mensch im Zentrum): Bevor Sie über Software sprechen, sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitenden. Führen Sie kurze Interviews oder Workshops durch. Fragen Sie: „Wo verlieren wir am meisten Zeit?“, „Welcher Prozess frustriert Sie am meisten?“, „Was würde Ihnen die Arbeit erleichtern?“. Dies stellt sicher, dass die Digitalisierung bei realen Bedürfnissen ansetzt und von Anfang an auf Akzeptanz stösst.
  2. Schritt 2: Technologie-Fit (Das passende Werkzeug): Suchen Sie basierend auf dem Kultur-Audit nach technologischen Lösungen. Die entscheidende Frage ist nicht „Was ist das modernste Tool?“, sondern „Welches Tool löst unser identifiziertes Problem am einfachsten und zuverlässigsten?“. Berücksichtigen Sie hier auch die Erkenntnisse aus der Checkliste zur Datensouveränität.
  3. Schritt 3: Wirtschafts-Case (Der messbare Nutzen): Bewerten Sie die ausgewählte Lösung knallhart nach betriebswirtschaftlichen Kriterien. Rechnen Sie aus: Wie viel Zeit sparen wir? Wie stark sinkt die Fehlerquote? Wie schnell amortisiert sich die Investition (ROI)? Nur wenn ein klarer, positiver Business Case vorliegt, sollten Sie die Investition tätigen.

Dieser Dreiklang sorgt dafür, dass Ihre Digitalisierungsprojekte nicht nur technisch funktionieren, sondern auch von der Belegschaft getragen werden und sich für das Unternehmen auszahlen. Es ist ein kontinuierlicher Zyklus aus Zuhören, Evaluieren und Messen.

Oft braucht es eine mutige Entscheidung, damit ein grosser Schritt gelingt. Ich rate Schweizer KMU deshalb, den Markt zu beobachten und digitale Möglichkeiten als Chancen zu sehen.

– Norbert Kühnis, Leiter Familienunternehmen und KMU, PwC Schweiz

Das Wichtigste in Kürze

  • Die „Uhrmacher-Methode“ – eine schrittweise, kulturorientierte Digitalisierung – minimiert Risiken und passt ideal zur Schweizer KMU-Mentalität.
  • Widerstand ist selten irrational, sondern oft eine berechtigte Sorge um Qualität und Stabilität. Prävention durch Einbezug ist effektiver als nachträgliches Management.
  • Beginnen Sie mit der Automatisierung einfacher, repetitiver Prozesse mit hohem ROI (z.B. Spesenabrechnung, Debitorenverwaltung), um schnelle Erfolge zu erzielen und Vertrauen aufzubauen.

Welche 5 Prozesse Sie zuerst automatisieren sollten für maximalen ROI?

Die Theorie ist wichtig, doch der Erfolg Ihrer Digitalisierung wird an konkreten Ergebnissen gemessen. Um die „Uhrmacher-Methode“ in die Praxis umzusetzen und schnell positive Impulse zu setzen, sollten Sie mit Prozessen beginnen, die zwei Kriterien erfüllen: Sie sind einfach zu automatisieren und versprechen eine schnelle, messbare Rendite (ROI). Dies schafft nicht nur Effizienz, sondern auch das nötige Momentum und die finanzielle Rechtfertigung für weitere Schritte. Eine Computerworld-Umfrage unter IT-Entscheidern zeigt, dass bereits 41,7% der Schweizer Unternehmen auf die Automatisierung des Dokumentenmanagements setzen – ein klares Zeichen für einen bewährten Startpunkt.

Anstatt komplexe Kernprozesse anzugehen, konzentrieren Sie sich auf administrative „Zeitfresser“. Die Automatisierung dieser wiederkehrenden Aufgaben entlastet Ihre wertvollen Fachkräfte, reduziert Fehler und liefert oft schon nach wenigen Monaten einen positiven ROI. Die folgende Übersicht zeigt fünf typische KMU-Prozesse, die sich ideal für einen ersten Automatisierungsschritt eignen.

Top 5 Automatisierungsprozesse nach ROI
Prozess Zeitersparnis ROI-Zeitraum Komplexität
Spesen-/Stundenerfassung 5-8h/Woche 3-4 Monate Niedrig
QR-Rechnung/Debitorenverwaltung 10h/Monat 2-3 Monate Mittel
Ferienanträge/Absenzen 3-5h/Woche 4-6 Monate Niedrig
Offert-Erstellung 50% Zeitreduktion 6-8 Monate Mittel
Kundenservice-Anfragen 20h/Woche 3-5 Monate Mittel-Hoch

Wählen Sie einen dieser Prozesse als Ihr erstes Pilotprojekt. Die Digitalisierung der Spesenabrechnung mittels einer einfachen App oder die automatische Verarbeitung von QR-Rechnungen sind typische „Quick-Wins“. Der Erfolg wird sofort spürbar sein: Die Administration hat weniger manuellen Aufwand, die Mitarbeitenden erhalten schneller ihr Geld zurück, und die Buchhaltung ist stets auf dem neuesten Stand. Dieser erste greifbare Erfolg ist der beste Botschafter für Ihre gesamte Digitalisierungsstrategie.

Ein erfolgreiches Pilotprojekt ist die beste Argumentation für weitere Schritte. Beginnen Sie jetzt mit der Auswahl, welchen dieser fünf Prozesse Sie als Erstes angehen wollen.

Die erfolgreiche Verankerung der Digitalisierung in Ihrem KMU ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der mit der richtigen Methode und dem ersten richtigen Schritt beginnt. Anstatt sich von der Grösse der Aufgabe lähmen zu lassen, nutzen Sie die „Uhrmacher-Methode“, um strukturiert, risikominimiert und im Einklang mit Ihrer Kultur vorzugehen. Der nächste logische Schritt ist nun, diese Erkenntnisse in die Tat umzusetzen. Beginnen Sie mit einer unverbindlichen Analyse Ihrer aktuellen Prozesse, um den idealen Startpunkt für Ihr erstes, erfolgreiches Digitalisierungsprojekt zu identifizieren.

Geschrieben von Thomas Hofmann, Thomas Hofmann ist Digitalisierungsberater und KI-Stratege mit 14 Jahren Erfahrung in der digitalen Transformation von Schweizer KMU. Er hat Wirtschaftsinformatik an der ETH Zürich studiert und verfügt über Zertifizierungen in Cloud-Architektur (AWS, Azure), künstlicher Intelligenz und Prozessautomatisierung. Aktuell leitet er als Senior Consultant Digitalisierungsprojekte bei einer Schweizer IT-Beratung mit Fokus auf produzierende KMU.