Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Die Antwort auf die Automatisierung ist nicht, panisch neue Digitalkenntnisse anzuhäufen.

  • Erfolg liegt in der „Kompetenz-Orchestrierung“: der Fähigkeit, Technologie, Fachwissen und menschliche Stärken strategisch zu verbinden.
  • Unersetzbar werden Sie durch Soft Skills wie kontextuelle Intelligenz und ethisches Urteilsvermögen, die keine KI replizieren kann.

Empfehlung: Bauen Sie einen persönlichen Entwicklungsplan auf, der Sie zur unverzichtbaren Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine macht.

Die Schlagzeilen sind unübersehbar: Künstliche Intelligenz und Automatisierung verändern den Schweizer Arbeitsmarkt in einem Tempo, das viele Fachkräfte verunsichert. Die Sorge, durch einen Algorithmus ersetzt zu werden, ist real und greifbar. Viele reagieren darauf mit dem verständlichen Impuls, sich auf die nächstbeste Weiterbildung zu stürzen, Zertifikate zu sammeln und zu hoffen, dass dies ausreicht, um relevant zu bleiben. Doch dieser reaktive Ansatz greift zu kurz. Er behandelt Symptome, nicht die Ursache des Wandels.

Die üblichen Ratschläge – „lebenslanges Lernen“ oder das blosse Erlernen von Programmiersprachen – sind zwar nicht falsch, aber sie übersehen den Kern der Herausforderung. Die eigentliche Frage ist nicht, ob Sie mit einer Maschine in einer spezifischen Aufgabe konkurrieren können, sondern ob Sie einen Wert schaffen können, den eine Maschine prinzipiell nicht erbringen kann. Die wahre Chance liegt nicht darin, ein besserer Rechner zu werden, sondern darin, die menschlichen Fähigkeiten zu kultivieren, die durch Technologie ergänzt, aber niemals ersetzt werden können.

Dieser Artikel bricht mit der einfachen „Lerne-mehr-Technik“-Logik. Stattdessen schlagen wir einen strategischen Weg vor, der auf der Idee der Kompetenz-Orchestrierung basiert. Es geht darum, sich bewusst als unverzichtbare Schnittstelle zwischen Technologie, Fachwissen und menschlicher Interaktion zu positionieren. Sie werden entdecken, dass Ihre Zukunftssicherheit nicht in der Anhäufung isolierter Fähigkeiten liegt, sondern in deren intelligenter Kombination. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Bedrohung der Automatisierung in eine strategische Chance für Ihre Karriere verwandeln können.

Um diesen strategischen Wandel erfolgreich zu meistern, beleuchtet dieser Artikel die entscheidenden Facetten des modernen Schweizer Arbeitsmarktes. Wir analysieren die realen Risiken, zeigen konkrete Lernpfade auf und helfen Ihnen, Ihre Karriere proaktiv zu gestalten.

Warum 45% der heutigen Jobs in der Schweiz bis 2035 durch KI ersetzt werden?

Die Diskussion über Jobverluste durch Automatisierung ist oft von vagen Ängsten geprägt. Doch die Zahlen für die Schweiz zeichnen ein klares Bild des strukturellen Wandels. Es geht nicht um ein apokalyptisches Szenario, sondern um eine tiefgreifende Verschiebung von Aufgaben. Eine von Google in Auftrag gegebene Studie konkretisiert dies: Sie zeigt, dass 66 Prozent der Schweizer Arbeitsplätze von generativer KI beeinflusst werden. Bei rund acht Prozent dieser Stellen könnte sogar mehr als die Hälfte der Aufgaben automatisiert werden, was sie potenziell gefährdet.

Besonders betroffen sind Berufe mit einem hohen Anteil an repetitiven, administrativen Tätigkeiten. So sind beispielsweise bis zu 80% der Aufgaben von Bürokräften potenziell durch KI konkurrierbar, was in der Schweiz rund 490’000 Personen betrifft. Aber dieser Wandel hat zwei Seiten. Während repetitive Aufgaben verschwinden, entsteht eine massive Nachfrage nach neuen Fähigkeiten. Laut dem AI Jobs Barometer von PwC hat sich die Nachfrage nach KI-Jobs in der Schweiz von 2000 auf 20’000 im Jahr 2024 verzehnfacht. Dies signalisiert eine klare Verschiebung von reiner Ausführung hin zu strategischer Gestaltung und Überwachung von automatisierten Prozessen.

Die Bedrohung liegt also nicht in der Technologie selbst, sondern im Festhalten an Aufgabenprofilen, die leicht digitalisiert werden können. Die Prognose von 45% ersetzbaren Jobs ist kein Todesurteil für den Arbeitsmarkt, sondern ein Weckruf. Sie zwingt uns, den Fokus von der reinen Tätigkeit auf den geschaffenen Mehrwert zu legen und gezielt jene Kompetenzen aufzubauen, die komplementär zur Maschine sind, anstatt mit ihr zu konkurrieren.

Wie Sie in 6 Monaten die 5 digitalen Kompetenzen erwerben, die Schweizer Arbeitgeber suchen?

Angesichts des rasanten Wandels ist gezielte Weiterbildung kein Luxus, sondern eine strategische Notwendigkeit. Der Schlüssel liegt jedoch nicht darin, wahllos Kurse zu belegen, sondern sich auf jene Kompetenzen zu konzentrieren, die eine Brücke zwischen heutigem Fachwissen und zukünftigen Anforderungen schlagen. Schweizer Arbeitgeber suchen nicht nach reinen Technik-Nerds, sondern nach Fachleuten, die digitale Werkzeuge zur Problemlösung einsetzen können. Fünf Kompetenzbereiche kristallisieren sich dabei heraus:

  1. Datenanalyse und -interpretation: Die Fähigkeit, aus grossen Datenmengen relevante Erkenntnisse zu gewinnen und verständlich zu kommunizieren.
  2. Digitale Prozessoptimierung: Das Verständnis, wie Arbeitsabläufe durch Tools wie KI und Automatisierung effizienter gestaltet werden können.
  3. Cybersecurity und Datenschutz: Grundlegendes Wissen, um die digitalen Risiken zu verstehen und im Einklang mit dem Schweizer Datenschutzgesetz (nDSG) zu agieren.
  4. KI-Anwendungskompetenz: Nicht das Programmieren von KI, sondern das Wissen, wie man bestehende KI-Tools (z.B. für Text-, Bild- oder Datenanalyse) im eigenen Fachbereich gewinnbringend einsetzt.
  5. Digital Leadership: Die Fähigkeit, Teams durch digitale Transformationsprozesse zu führen und eine Kultur der technologischen Offenheit zu schaffen.

Das Schweizer Bildungssystem bietet mit seinen flexiblen CAS- (Certificate of Advanced Studies) und DAS-Programmen (Diploma of Advanced Studies) ideale Möglichkeiten, diese Kompetenzen berufsbegleitend in 4-12 Monaten zu erwerben. Hochschulen wie die ZHAW oder die HWZ bieten spezialisierte Programme an, etwa das CAS Digital Leadership (HWZ) für strategische Kompetenzen oder das CAS in Digital Life Sciences (ZHAW), das Fachwissen mit Computational Skills verbindet.

Lernumgebung mit digitalen Werkzeugen und kollaborativem Lernen

Diese Programme sind darauf ausgelegt, theoretisches Wissen direkt in die Praxis zu überführen. Es geht darum, innovative, digitale Lernumgebungen zu schaffen, in denen Fachleute lernen, hybride Arbeitsmodelle lernförderlich zu gestalten und digitale Transformationsprozesse nicht nur zu verstehen, sondern aktiv zu steuern.

Festanstellung oder Freelancing: Was bietet im digitalen Zeitalter mehr Sicherheit?

Die traditionelle Vorstellung von Sicherheit ist eng mit der Festanstellung verknüpft: ein geregeltes Einkommen, bezahlte Ferien und ein vom Arbeitgeber getragenes soziales Netz. Im Zeitalter der Automatisierung wird dieses Modell jedoch herausgefordert. Projekte werden agiler, Unternehmen suchen flexible Expertise und die „Gig Economy“ wächst. Die Frage, ob eine Festanstellung oder eine Karriere als Freelancer mehr Sicherheit bietet, muss neu bewertet werden. Die Antwort liegt weniger im Vertragsmodell als vielmehr im Wert der eigenen Kompetenzen auf dem Markt.

In der Schweiz sind die Unterschiede im sozialen Netz erheblich. Während Angestellte automatisch in die Pensionskasse und Arbeitslosenversicherung einzahlen, tragen Selbstständige diese Verantwortung allein. Dies erfordert ein hohes Mass an Disziplin und finanzieller Planung. Der Schritt in die Selbstständigkeit muss sorgfältig vorbereitet werden, von der Akquise erster Aufträge bis zur Anmeldung bei der Ausgleichskasse.

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede im Schweizer Sozialsystem auf:

Vergleich der Sozialversicherungen für Angestellte und Freelancer in der Schweiz
Aspekt Festanstellung Freelancing
AHV/IV/EO Hälftig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlt Selbstständige bezahlen 5,3% bis 10% auf Reineinkommen
Pensionskasse (2. Säule) Obligatorisch, Arbeitgeberbeitrag Freiwillig, vollständig selbst finanziert
Arbeitslosenversicherung Versichert Nicht möglich für Selbstständige
Unfallversicherung Durch Arbeitgeber gedeckt Selbst zu organisieren über Krankenkasse
Krankentaggeld Oft durch Arbeitgeber Eigenverantwortung

Ein häufiger Fehler bei Freelancern ist die Unterschätzung der Gesamtkosten. Ein hoher Stundensatz schmilzt schnell durch Sozialabgaben, Steuern, unbezahlte Ferien und nicht verrechenbare administrative Zeit. So muss beispielsweise für ein Zieleinkommen von 80’000 CHF bei 1’125 abrechenbaren Stunden pro Jahr ein Stundensatz von mindestens 89 CHF verlangt werden, nur um Kosten und das Basiseinkommen zu decken. Wahre Sicherheit, ob als Angestellter oder Freelancer, ergibt sich daher aus der Fähigkeit, einen so hohen Mehrwert zu schaffen, dass der eigene „Preis“ – sei es als Gehalt oder Honorar – jederzeit am Markt gerechtfertigt ist.

Der Spezialisierungsfehler, der Sie in 5 Jahren auf dem Arbeitsmarkt austauschbar macht

Über Jahrzehnte galt die Maxime: Spezialisierung ist der Schlüssel zum Erfolg. Werden Sie zum besten Experten für eine Nische, und Ihre Karriere ist gesichert. Im Zeitalter der KI verkehrt sich dieser Ratschlag ins Gegenteil, wenn die Nische zu eng und die Aufgaben darin repetitiv sind. Die übermässige Spezialisierung auf eine automatisierbare Tätigkeit ist der grösste strategische Fehler, den eine Fachkraft heute machen kann. KI-Systeme sind exzellente Spezialisten für klar definierte, regelbasierte Aufgaben. Wer versucht, in dieser Disziplin mit ihnen zu konkurrieren, wird unweigerlich verlieren.

Die Zukunft gehört nicht dem I-förmigen Spezialisten (tiefes Wissen in einem Bereich), sondern dem T-förmigen Profi: eine Person, die tiefes Fachwissen (der vertikale Balken des „T“) mit breitem Wissen über angrenzende Disziplinen und der Fähigkeit zur Kollaboration und Kommunikation verbindet (der horizontale Balken). Es geht darum, die eigene Expertise in einen grösseren Kontext zu stellen. Ein Finanzanalyst, der nur Bilanzen liest, ist ersetzbar. Ein Finanzanalyst, der Bilanzen interpretieren, die Ergebnisse mit KI-Prognosen abgleichen, sie dem Management verständlich präsentieren und daraus strategische Handlungsempfehlungen ableiten kann, ist unersetzlich.

Diese Verschiebung hin zu höher qualifizierten, interdisziplinären Tätigkeiten ist bereits im Gange. Der Einsatz von KI wirkt dabei komplementär zur menschlichen Arbeit, indem er die Fehleranfälligkeit reduziert oder die Entscheidungsfindung unterstützt. Diesen Gedanken fasst der Arbeitsmarkt-Experte Dr. Terry Gregory treffend zusammen:

Je flexibler ein Arbeitsmarkt das Entstehen neuer Aufgabenbereiche und Berufsbilder ermöglicht, umso positiver fallen die Beschäftigungswirkungen aus. Die eigentliche Herausforderung besteht nicht in einem drohenden Ende der Arbeit, sondern in einem tiefgreifenden Strukturwandel mit stark steigenden Anforderungen.

– Dr. Terry Gregory, Wirtschaftsdienst – Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit

Der Ausweg aus der Austauschbarkeit ist also die bewusste Entwicklung des horizontalen Balkens Ihres „T“. Es bedeutet, die eigene Komfortzone zu verlassen und zu lernen, wie Ihr Fachwissen mit Technologie, Geschäftszielen und den Bedürfnissen anderer Abteilungen interagiert. Sie werden vom reinen „Macher“ zum strategischen „Orchestrator“.

Wie Sie mit 4 Soft Skills eine Stelle schaffen, die keine KI ersetzen kann?

Während digitale Kompetenzen die „Eintrittskarte“ in den modernen Arbeitsmarkt sind, sind es die menschlichen Kernkompetenzen – die sogenannten Soft Skills – die letztlich über Ihre Unersetzbarkeit entscheiden. Eine aktuelle EY-Studie zeigt, dass 43% der Schweizer Arbeitnehmenden einen Jobverlust durch KI fürchten. Diese Angst ist verständlich, aber sie übersieht, dass KI in den Bereichen versagt, in denen Menschen glänzen: Kontext, Empathie, Ethik und Kreativität im Team. Anstatt Angst zu haben, sollten wir uns auf jene vier Fähigkeiten konzentrieren, die eine uneinnehmbare menschliche Domäne darstellen.

  1. Kulturelle und kontextuelle Intelligenz: In einem vielsprachigen und multikulturellen Land wie der Schweiz ist die Fähigkeit, „zwischen den Zeilen zu lesen“, entscheidend. Eine KI kann eine E-Mail übersetzen, aber sie versteht nicht die unausgesprochenen Hierarchien in einem Meeting, die kulturellen Nuancen in einer Verhandlung zwischen einem Deutschschweizer und einem Romand oder den ironischen Unterton eines Kundenfeedbacks.
  2. Kollaborative Kreativität: Echte Innovation entsteht selten im luftleeren Raum, sondern durch die Reibung und Synergie verschiedener Perspektiven. Die Fähigkeit, in einem Team eine Idee zu entwickeln, auf dem Vorschlag eines anderen aufzubauen und gemeinsam eine Lösung zu finden, die keiner allein hätte schaffen können, ist ein zutiefst menschlicher Prozess. Kommunikations- und Verhandlungsgeschick sind hier zentral.
  3. Ethisches Urteilsvermögen: Eine KI kann auf Basis von Daten optimieren, aber sie hat kein Gewissen. Wenn ein KI-Algorithmus ein Bewerberprofil ablehnt, braucht es einen Menschen, der fragt: „Ist dieser Prozess fair? Diskriminieren wir unbewusst? Steht dieses Ergebnis im Einklang mit unseren Unternehmenswerten?“ Diese Fähigkeit zur ethischen Abwägung ist eine unersetzliche Kontrollinstanz.
  4. Empathische Führung: Ein Team durch unsichere Zeiten zu führen, psychologische Sicherheit zu schaffen, Talente zu erkennen und zu fördern – all das erfordert Empathie. Eine KI kann Aufgaben verteilen, aber sie kann keine Mitarbeiterin nach einem Rückschlag wieder aufbauen oder ein Team für eine gemeinsame Vision inspirieren.
Empathische Führung und Teamarbeit in modernem Arbeitsumfeld

Diese vier Fähigkeiten sind keine netten Zusatzqualifikationen, sondern das Fundament Ihrer zukünftigen Rolle. Sie ermöglichen es Ihnen, eine Position zu schaffen, die nicht auf der Ausführung von Aufgaben basiert, sondern auf der Gestaltung von Prozessen, der Führung von Menschen und der Sicherung von Werten – alles Bereiche, in denen KI nur ein Werkzeug, aber niemals der Meister sein kann.

Wie Sie in 6 Monaten die 5 digitalen Kompetenzen erwerben, die Schweizer Arbeitgeber suchen?

Die Identifikation der richtigen digitalen Kompetenzen ist der erste Schritt; der zweite, und oft schwierigere, ist die effektive Aneignung. Der Fehler vieler Fachkräfte liegt in einem passiven Lernansatz: Man konsumiert Online-Kurse in der Hoffnung, dass das Wissen von selbst haften bleibt. Erfolgreiches Lernen im digitalen Zeitalter ist jedoch ein aktiver, strategischer Prozess. Es geht nicht nur darum, *was* Sie lernen, sondern *wie* Sie es lernen und in Ihren Arbeitsalltag integrieren.

Ein moderner Lernansatz sollte drei Prinzipien folgen. Erstens, Blended Learning: Kombinieren Sie die Flexibilität von Online-Modulen mit dem unschätzbaren Wert von Präsenzveranstaltungen oder Live-Webinaren. Der direkte Austausch mit Dozierenden und anderen Teilnehmenden, wie er in den Schweizer CAS-Programmen praktiziert wird, ermöglicht es, komplexe Fragen zu klären und ein berufliches Netzwerk aufzubauen. Zweitens, projektbasiertes Lernen: Wenden Sie das Gelernte sofort auf ein reales Problem aus Ihrem Berufsfeld an. Entwickeln Sie eine kleine Digitalisierungsstrategie für Ihr Team oder analysieren Sie einen echten Datensatz. Dieser Praxistransfer verankert das Wissen tiefgreifend.

Drittens, der Fokus auf die Nutzung von Werkzeugen. Die hohe Weiterbildungsbereitschaft in der Schweiz – wo 61 Prozent der Beschäftigten Fortbildungsmassnahmen im Bereich KI nutzen – zeigt, dass der praktische Umgang mit Tools zentral ist. Es geht weniger darum, die theoretischen Grundlagen von maschinellem Lernen auswendig zu lernen, als vielmehr darum, ein KI-basiertes Analysetool souverän für die eigenen Zwecke zu nutzen. Der Lernprozess selbst wird so zu einer Übung in Mensch-Maschine-Kollaboration. Wählen Sie also Weiterbildungen, die nicht nur Theorie vermitteln, sondern Sie aktiv mit der Software und den Plattformen arbeiten lassen, die in Ihrer Branche relevant sind.

Wie Sie einen persönlichen Kompetenz-Entwicklungsplan in 7 Schritten aufbauen?

Strategische Weiterbildung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Um nicht im Meer der Möglichkeiten unterzugehen, benötigen Sie eine klare Landkarte: einen persönlichen Kompetenz-Entwicklungsplan (KEP). Dieser Plan übersetzt Ihre Karriereziele in konkrete, messbare Lernschritte und stellt sicher, dass Ihre Investition an Zeit und Geld den grösstmöglichen Ertrag bringt. Er ist Ihr persönliches Navigationssystem durch den Strukturwandel des Arbeitsmarktes.

Der Aufbau eines solchen Plans folgt einer logischen Sequenz von Analyse, Zielsetzung und Umsetzung. Es beginnt mit einer ehrlichen Selbstreflexion und mündet in einem konkreten Aktionsplan, der auch finanzielle Aspekte berücksichtigt. Für Schweizer Arbeitnehmende gibt es dabei spezifische Ressourcen und Fördermöglichkeiten, die in die Planung einbezogen werden sollten.

Ihr Aktionsplan: Persönlicher Kompetenz-Entwicklungsplan in 7 Schritten

  1. Standortbestimmung: Nutzen Sie professionelle Tools wie den „Berufs-Check“ der Schweizer Berufsberatung, um Ihre aktuellen Fähigkeiten und Interessen objektiv zu erfassen.
  2. Kompetenzlücken identifizieren: Analysieren Sie aktuelle Stelleninserate für Ihre Wunschposition in 5 Jahren. Welche geforderten Fähigkeiten fehlen Ihnen noch?
  3. Strategische Ausrichtung definieren: Leiten Sie basierend auf den Lücken Ihre persönliche Digitalisierungsstrategie ab. Welche Fähigkeit hat den grössten Hebel für Ihre Karriere?
  4. Bildungsziele festlegen: Recherchieren Sie konkrete Schweizer Bildungsabschlüsse (z.B. CAS, DAS, MAS), die diese Kompetenzlücken schliessen und am Markt anerkannt sind.
  5. Ressourcen planen: Erstellen Sie ein realistisches Budget und eine Zeitplanung. Wie viele Stunden pro Woche können und wollen Sie investieren?
  6. Finanzierung prüfen: Klären Sie Finanzierungsmöglichkeiten ab. Viele Weiterbildungen in der Schweiz sind subventionsberechtigt (Subjektfinanzierung des Bundes), und oft beteiligen sich auch Arbeitgeber.
  7. Netzwerk aktivieren: Suchen Sie den Austausch in Branchenverbänden und Alumni-Organisationen. Oft erhalten Sie hier wertvolle Tipps zu den besten Kursen und Dozierenden.

Um die finanzielle Planung zu konkretisieren, ist es hilfreich, die typischen Kosten für Weiterbildungen in der Schweiz zu kennen. Die Investition variiert stark je nach Art und Dauer des Programms.

Übersicht der Weiterbildungskosten in der Schweiz
Weiterbildungstyp Kosten (CHF) Dauer Format
CAS Programme 7’000 – 12’000 4-6 Monate Berufsbegleitend
DAS Programme 15’000 – 25’000 12-18 Monate Berufsbegleitend
MAS Programme 25’000 – 45’000 2-3 Jahre Berufsbegleitend
Einzelkurse/Module 500 – 3’000 1-5 Tage Präsenz/Online

Das Wichtigste in Kürze

  • Die wahre Jobsicherheit liegt nicht in der Abwehr von Technologie, sondern in der strategischen Zusammenarbeit mit ihr.
  • Übermässige Spezialisierung auf automatisierbare Aufgaben ist das grösste Risiko; T-förmige Profile mit breiten Kompetenzen sind die Zukunft.
  • Menschliche Fähigkeiten wie kontextuelle Intelligenz, ethisches Urteilsvermögen und kollaborative Kreativität schaffen einen Wert, den KI nicht replizieren kann.

Welche 8 Zukunftskompetenzen Sie bis 2028 zwingend aufbauen müssen?

Nachdem wir den Wandel analysiert und einen Planungsrahmen geschaffen haben, blicken wir nun konkret in die Zukunft. Welche Fähigkeiten werden in den nächsten Jahren nicht nur gefragt, sondern absolut entscheidend sein? Es sind Kompetenzen, die sich an der Schnittstelle von Technologie, Wirtschaft und Menschlichkeit befinden. Sie spiegeln die Rolle des „Orchestrators“ wider – jener Person, die Systeme versteht, Potenziale erkennt und Menschen zusammenbringt, um komplexe Probleme zu lösen. Der Aufbau dieser Kompetenzen ist keine Option, sondern eine strategische Investition in Ihre langfristige Relevanz.

Die Flexibilität des Schweizer Arbeitsmarktes ermöglicht es, dass solche neuen Rollen schnell entstehen und nachgefragt werden. Führungskräfte, Lehrpersonen, aber auch Fachleute aus den Natur-, Sozial- und Rechtswissenschaften profitieren bereits heute vom gezielten Einsatz von KI. Um diesen Vorteil systematisch auszubauen, sollten Sie die folgenden acht kritischen Zukunftskompetenzen in Ihren Entwicklungsplan integrieren:

  • KI-Orchestrierung: Die Kernkompetenz. Sie müssen nicht programmieren können, aber Sie müssen das Potenzial von KI-Lösungen für konkrete Geschäftsprobleme erkennen, bewerten und deren Implementierung steuern können.
  • Nachhaltigkeits- und ESG-Management: Die Fähigkeit, ökologische, soziale und unternehmerische Nachhaltigkeitsziele (ESG) in Geschäftsstrategien zu integrieren, wird zur Lizenz für wirtschaftlichen Erfolg.
  • Cybersecurity und Datenschutz: Tiefgehendes Verständnis für digitale Bedrohungen und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben wie dem neuen Datenschutzgesetz (nDSG) der Schweiz.
  • Interdisziplinäre Kommunikation: Die Rolle des „Übersetzers“ zwischen technischen Teams, dem Management und den Kunden wird immer wichtiger.
  • Digitale Prozessoptimierung: Systematische Analyse und Automatisierung von Workflows, um Effizienz zu steigern und Freiräume für kreative Arbeit zu schaffen.
  • Datenanalyse und -interpretation: Die Fähigkeit, aus „Big Data“ entscheidungsrelevante „Smart Data“ zu machen und die Ergebnisse überzeugend zu visualisieren.
  • Agiles Projektmanagement: Projekte in volatilen und unsicheren Märkten flexibel und iterativ zum Erfolg führen.
  • Emotionale Intelligenz: Die Führung von diversen und oft hybrid arbeitenden Teams erfordert ein hohes Mass an Empathie und Selbstreflexion.

Diese Liste ist mehr als nur eine Ansammlung von Schlagwörtern. Sie ist ein Kompass, der Ihnen zeigt, wo echter, nicht automatisierbarer Wert geschaffen wird. Jede dieser Kompetenzen stärkt Ihre Position als strategischer Partner und hebt Sie von reinen Ausführenden ab.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihren persönlichen Kompetenz-Entwicklungsplan zu erstellen, um Ihre Karriere proaktiv zu gestalten und sich als unverzichtbare Fachkraft für die Zukunft zu positionieren.

Geschrieben von Claudia Weber, Claudia Weber ist Arbeitsmarktökonomin und Karriereberaterin mit 11 Jahren Erfahrung in der Begleitung von Fach- und Führungskräften durch berufliche Veränderungen. Sie studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen mit Schwerpunkt Arbeitsmarktforschung und absolvierte ein CAS in Career Management an der ZHAW. Aktuell arbeitet sie als selbstständige Karrierestrategin und berät Arbeitnehmende zu Themen wie Jobwechsel, Weiterbildung und Zukunftskompetenzen.